Bleibt alles anders / Kurzbericht aus Martinique

Nun sind schon fast 6 Wochen vergangen seit unserer Ankunft auf Martinique. Da war erst gar nix los, und dann wurde plötzlich alles anders. Ja, ja, in der „Gar nix los – Zeit“ hätte ich ruhig ein wenig mehr noch schreiben und berichten können, aber die Muse hat mich einfach nicht gepackt. Zudem waren wir auch gut beschäftigt, die komplette Ruderanlage samt Hydraulik bis ins letzte zu zerlegen, Fehler zu eruieren und natürlich auch wieder (mit Verbesserungen) zusammen zu bauen und das eine oder andere an Bord noch weiter zu verbessern.

Aber auch Corona hat uns gut beschäftigt, waren wir doch ständig auf der Suche nach einem hurrikansicheren Hafen, in den wir einreisen können (und Martinique gehört da nicht dazu). Einreisen war und ist hier für alle Boote, welche unter der Flagge eines EU-Staates segeln (egal welcher Nationalität die Crew ist), möglich. Und auch nach Hause fliegen hätten wir jederzeit gekonnt. Aber das Schiff im Hurrikangürtel zurück zu lassen, war eben keine Option für uns.

Da Martinique zu Frankreich und damit zur EU gehört, waren/sind hier die gleichen Restriktionen wie in Frankreich gültig. Ausgangssperre außer zum Einkaufen, Arztbesuch, etc. Anstellen beim Supermarkt, Atemmasken und Handschuhe, Strände, Restaurants und Bars gesperrt. Noch nicht mal karibische Musik hats gegeben, no na, war ja alles zu. Erst diese Woche hat´s – so wie bei euch auch – die ersten Erleichterungen gegeben. Über die ganze Sache mag man nun denken wie man will, ich persönlich halte es für ausgesprochen überzogen und stimme dem allem nicht zu. Ist aber nur meine persönliche Meinung.
Wir haben uns auch nicht immer um die Restriktionen gekümmert und haben dann schon mal einen Ausflug gemacht (verboten), sind ab und wann mal segeln gewesen (verboten) mit Leuten vom Nachbarschiff (verboten) und haben uns gegenseitig zum Abendessen eingeladen (verboten). Dabei haben sich aber ganz tolle Bekanntschaften und Freundschaften ergeben.

Das führte am Ende soweit, dass wir einen Ersatz für mich auf SHAMBALA II gesucht und auch gefunden haben, und ich auf das Nachbarschiff, die CAROLIN, gewechselt bin.

Mit Skipper JÖRG DIESCH (er war mit seinem Bruder Eckart als Vorschoter mehrfacher Deutscher Meister, Weltmeister im Shark 24, Olympiasieger im FD 1976, EM und WM Bronze, 2x im Siegerteam des Admirals Cup, uvm.) und einer gesamt 4-köpfigen Crew segelt die CAROLIN nun ab morgen, Montag 18.05.2020, über Guadeloupe, die Azoren, Gibraltar, Mallorca, Sardinien und den Peloponnes bis in die Gegend von Bodrum in der Türkei.

Vielleicht gelingt es mir ja auf der Überfahrt einige Beiträge aus Martinique nachzuholen und natürlich auch über meine neue Reise zu berichten. Wo sich die CAROLIN gerade befindet, könnt ihr bei Interesse auf folgendem Link jederzeit nachverfolgen: https://forecast.predictwind.com/tracking/display/Carolin

Wir lesen uns, Sundown

P.S.: Weiß jemand von euch, wie man eine Schwimmboje richtig benutzt?

Auf in die Karibik

Raus aus dem Hafenbecken nehmen wir zunächst Kurs NW, schwenken dann aber bald auf Nord, denn der Schelf (der Landsockel) vor Brasilien ist etwa 50km breit und das Wasser hier nur etwa 25m tief. Kurze Welle, gar nicht schön. Erst im tiefen Wasser fahren wir wieder NW.

Das gewohnte Bootsleben hat uns wieder. Naja, nicht ganz so das gewohnte, sind wir doch nun nur mehr zu zweit. Mir machts nichts aus, bin ich doch zuletzt 4.500nm nur zu zweit gesegelt. Die Wache machen wir nun so, dass ich gegen 01:00 Uhr übernehme und Reiner dann, wenn er morgens wieder aufsteht. Ich stelle mir den Wecker während der Wache auf alle ½ Stunden, falls ich mal einschlafe, was ausgesprochen selten, aber doch passiert. Das funktioniert ganz gut so. Zudem kann ich jetzt den Sonnenuntergang voraus und den Sonnenaufgang an Achtern genießen. 😊 Sonnenaufgang sieht dann so aus:

Offen ist noch, wie das mit dem Kochen funktionieren wird; glutenfrei und ohne Milch. Aber ich lasse die Herausforderung einfach mal auf mich zukommen. Schlimmstenfalls müssen wir uns halt von Reis und Nudeln (gibt’s auch glutenfrei) ernähren. 😉 1.000nm bis Cayenne in Französisch Guyana sollten wir in weniger als 2 Wochen schaffen. So schnell verhungert man schon nicht. Das mein Leben als Schiffskoch aber noch viele Wochen weiter dauern würde, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Meine Seele verfällt schnell wieder in den „Überfahrtmodus“. Das Knacken in den Schoten auf den Winschen, das Pfeifen des Windes in den Fallen, das Singen des Hydraulikpumpenmotors, die gewohnten Schiffsgeräusche sind wieder da. Ja sogar den Kompressor von der Kühlbox kann ich hören, wenn SHAMBALA II ihre Rümpfe durch die See schiebt. Seevögel, die uns umkreisen und sich an Deck verewigen, fliegende Fische, die es sogar durch das kleine Seitenluk in Reiners Kabine schaffen, die endlose Weite des Horizontes und die großen Sternbilder am Nachthimmel. All das macht für mich den Mythos einer großen Überfahrt aus und lässt meine Seele baumeln; einfach schön!

Schon 2 Tage später, am 30. März 2020 um 06:42 Uhr Lokalzeit, durchsegeln wir ein kleines Highlight unserer Reise. WIR ÜBERQUEREN DEN ÄQUATOR bei 41 Grad West. Nun sind wir im Nordatlantik angekommen.

Bald wird uns klar, dass aufgrund der Reiserestriktionen auch Französisch Guyana nur ein Umweg und nicht das Ziel sein kann, also nehmen wir direkten Kurs auf die Karibik, irgendwo in der Gegend von St. Lucia oder Martinique; 700nm mehr, ein Katzensprung. Reiner kennt sich da gut aus, ist er doch schon viele Jahre mit SHAMBALA (dem Vorgängerschiff) durch die Karibik gesegelt.

Wir machen wieder alle möglichen Arbeiten am Schiff, neben Waschen, Putzen, Staubsaugen, Toiletten reinigen, Lebensmittel Inventur und was halt so zum Führen eines Haushaltes gehört. Gut, dass ich bei Mama im Unterreicht gut aufgepasst habe. 😊

Und beim Kochen fange ich gleich mal mit einem Hühnchen an. Was soll da schon schief gehen? Wegfliegen kann es ja nicht mehr. Also auftauen, reinigen, abtupfen, würzen, Gemüse, Kartoffeln und viel Zwiebel in die Tropftasse schneiden und rein damit in den Ofen. Reis und Salat dazu und fertig. Und es hat richtig gut geschmeckt.

Das motiviert zu neuem und bald schon sind variierende Gemüsepfanne und mal so-, mal so-Salat unsere Standardbeilagen nebst Röstkartoffeln und Quinoa. Reiner ist unser Salatmeister. Er mariniert und verfeinert noch mit Kapern, Oliven oder Petersilie. Es gibt außerdem Rindfleisch (wird erst in Gemüsesuppe gekocht und dann noch schön angebraten oder auch mal als Steak herausgebraten) und mal gibt’s ein Stück Lamm oder Pute und FISCH. Ein kleiner aber schöner Wahoo ist uns an den Haken gegangen, gleich filetiert, portioniert und ab in die Kühlbox. Die nächsten 3 Tage gibt es Fisch. Lecker, lecker!

Danach haben wir leider nur noch Seegras gefangen, das bis zu den karibischen Inseln auf der Wasseroberfläche schwamm. Manchmal nur in kleinen Mengen, manchmal aber auch in riesigen Seegrasgürteln, dass wir sogar die Ruder hochklappen mussten, um das Zeug wieder los zu werden. Woher auch immer es gekommen ist, mit dem Fischen wars vorbei.

Kurz vor Martinique hatte ich dann noch mal ein Erlebnis der besonderen Art. Ein tiefgefrorenes Hühnchen hat mich während des Auftauprozesses mit der Geflügelschere attackiert und mir selbige in die linke Hand gerammt. Eine ziemlich tiefe Wunde, die mich einige Tage doch etwas behindert hat. Aber den nächsten Angriff konnte ich erfolgreich abwehren und das gerupfte Federvieh landete wie seine Vorgängerin im Backofen.

Es ist eine schöne Beschäftigung mit den Regenwolken zu spielen. Du versuchst an sie heranzufahren, bis der Wind plötzlich richtig kräftig wird (30kts und mehr). Dann heißt es vorsichtig durchsteuern, die Geschwindigkeit (an die 15kts) ein wenig genießen, das Regenwasser in den Tanks zu sammeln und dabei den Kurs nicht ganz außer Acht zu lassen. Doch viel zu schnell vergeht der Spaß und der Windmesser neigt sich genau so schnell wie er nach oben geschnellt ist auch wieder nach unten.

Was nun immer nerviger wurde, waren die Ausfälle des Autopiloten. Text im Display: „Keine Ruderrückmeldung“, ein kurzer Pfeifton und dann schaltet sich der Autopilot einfach aus. Wenn du da nicht auf der Hut bist, läufst du gaaaanz schnell aus dem Ruder, mit allen Folgen, die dazu gehören.
Den genauen Grund dafür wissen wir bis heute nicht, da er sich nicht eruieren lies. Der Ruderlagengeber (Danke allen für den Tipp an dieser Stelle!) wars jedenfalls nicht, da wir die Anzeige der Ruderlage immer auf dem Datenbus und natürlich auch auf dem Bildschirm hatten. Der Fehler fällt wohl in die Kategorie „gibt’s gar nicht, sollte nicht vorkommen, ist irgendwie komisch“. Jedenfalls konnte kaum noch Ruderdruck aufgebaut werden, was also einen ausgewogenen Segeldruckpunkt (das passende Reff zur Segelstellung) erforderlich machte. Durch den Austausch des Antriebsmotors kam dann auch noch Luft ins System, was man auch unschwer am Zischen in der Pumpe überhören konnte. Theoretisch hätte die Ruderanlage jeden Moment gänzlich ausfallen können, was uns dazu verleitete frühzeitig über den Aufbau und die Machart eines Notruders nachzudenken. Dazu ist festzuhalten, dass unser gedachtes Notruder im Endausbau schon einer neuen halbautomatischen Ruderanlage gleich gekommen wäre; Tüftler unter sich!
Was dann aber passierte war noch viel seltsamer. Als wir mal wieder einen Ausfall hatten, SHAMBALA II durch den Wind ging und Reiner per Handsteuerung übernehmen wollte, drehte sich das Steuerrad leer durch und es spritzt Hydrauliköl aus dem Nachfüllbehälter über das Steuerpult. Wir staunen mal kurz Bauklötze, sehen uns fragend an und schalten dann wieder auf Autopilot zurück, was auch funktioniert. „Bahnhof!“ Offenbar ein defektes Rückschlagventil, so zumindest unsere Ansicht. Damit aber noch nicht genug, ist es nun auch noch mit der Fernbedienung des Autopiloten vorbei. Nein, nicht die Batterie ist alle, er findet bei Knopfdruck an der Fernbedienung kein Bediengerät und – richtig geraten – schaltet ab. „Einen Reset machen?“ Danke, auch dieser Tipp kommt zu spät, den haben wir mehr als 1x gemacht. Blieb alles erfolglos.

SHAMBALA II aber zog unbeirrt ihre Bahn durch den Atlantik und so vergehen die Tage und Nächte bis wir am 7. April gegen Mittag etwa 40 Meilen vor BARBADOS Besuch von einem 6-köpfigen karibischen Begrüßungskomitee erhalten.

Während der Nacht segeln wir an Barbados vorbei und können die Lichter der Insel von weitem gut ausmachen. Und gegen Mittag sehen wir zuerst die Silhouette von ST. LUCIA und kurz darauf jene von MARTINIQUE. Angekommen!

52 Tage und 5.500nm (ca. 10.000km) liegen seit unserem Aufbruch in Kapstadt hinter uns. Seit ein paar Tagen bin ich schon ein bisschen wehmütig, weil die Reise nun wieder vorbei ist, unser Abenteuer, den Südatlantik zu überqueren, abgeschlossen war. Aber vorbei war es noch lange nicht. Wir wussten es nur noch nicht.

Sundown

Fortaleza / Brasilien

Schon 4 Tage nach unserer Abfahrt aus Fernando taucht früh morgens die Skyline von Fortaleza am Horizont auf. Als wir näherkommen zeigt sich uns ein irre langer Strand, der von Hochhäusern gesäumt wird. Bei der Ansteuerung müssen wir noch 2 Wracks passieren (die etwas anders auf der Karte verzeichnet sind) bevor wir unser Ziel, die Park Hotel Marina, am 26.03.2020 gegen 09:30 Uhr erreichen und dort in dem vorgelagerten Hafenbecken den Anker werfen.

Mit all unseren Unterlagen im Rucksack fahren wir mit dem Dingi an den Steg, machen fest und steigen über. Doch noch bevor wir den Steg in Richtung Festland verlassen, kommt auch schon wieder jemand, fuchtelt mit den Händen, spricht ins Handy und ruft auf Portugiesisch zu uns herüber. „Wieder nichts.“ denke ich mir. Doch dann kommt noch ein offensichtlicher Hotelangestellter in dunklem Anzug und weißem Hemd und übersetzt auf Englisch, was ersterer (der Marinamanager, wie sich später herausstellt) sagt:

Wir mögen vorerst noch auf dem Schiff warten, bis der Honorarkonsul kommt, das wird gegen Mittag sein. Wir können in der Zwischenzeit das Schiff an den Hotelsteg (oder das was davon noch übrig ist) verlegen. Wir bekommen einen Zugang zum WLAN des Hotels und die WhatsApp-Nummer des Marinamanagers, um Kontakt mit ihm halten zu können. Puh, das kling a schon mal richtig gut! Also nochmals zurück aufs Boot, in die Marina verlegt und vor Anker an den Säulen des ehemaligen Schwimmsteges fest gemacht.

Und gegen Mittag kommt er dann auch, der Honorarkonsul Hr. Hans-Jürgen Fiege in Begleitung des Marinamanagers. Zugegeben, ich hatte mir unter einem Konsul jemand anders oder vielmehr ein anderes Erscheinungsbild vorgestellt. Als nun ein älterer Herr in salopper Kleidung mit Käppi und Schlürfgang an der Marinamole auf uns zu kam, hätte ich ihm dieses Amt nicht zugedacht und war daher zu diesem Zeitpunkt wohl auch etwas enttäuscht. Völlig zu Unrecht natürlich und schon ertappe ich mich, dass ich mich von Äußerlichkeiten in meiner Meinungsbildung führen lasse. Wir sind in einem fremden Land, während einer internationalen Krise und möchten gerne etwas, das hier offiziell womöglich gar nicht mehr möglich ist, nämlich Einreisen, und der Mann will uns dabei helfen. Also positiv denken!

Hans-Jürgen Fiege, Consul Honorario da Alemanha, im Gespräch mit uns am Eingang der Marinekaserne von Fortaleza

Zuerst mal begrüßen wir uns mit HANDSCHLAG. Hr. Fiege sieht das alles sehr entspannt und meint, dass wohl nur wir uns vor den Brasilianern und ihm schützen müssten und nicht umgekehrt, da wir ja einen weiten Weg über See gekommen sind. Wir bekommen Atemschutzmasken und begeben uns alle gemeinsam in die Hotellobby. Es ist das erste mal, dass ich eine Maske aufsetze, es wird aber wie wir alle wissen, nicht das letzte mal bleiben 😉

In der klimatisierten Lobby treffen wir auf ein paar Angestellte. Das Hotel ist offenbar leer; es hat zumindest so den Anschein. Wir füllen erst mal Formulare aus und können zuhause anrufen. Die Zeitverschiebung sind mittlerweile 5 Stunden. Da die Ämter eine ausgiebige Mittagspause machen, empfiehlt sich auch Hr. Fiege und kommt uns um 14:00 Uhr wieder abholen.

Pünktlich fahren wir los und suchen als allererstes die für den Hafen zuständige PoliciaFederal auf. In einem kleinen Büro sitzen 2 Beamte der Immigrationabteilung. Gut gelaunt, ohne Mundschutz und Handschuhe und sie machen sich auch gleich ans Werk alles mögliche in ihren Computer einzutragen und ehe wir es uns versehen, sind unsere Pässe abgestempelt. Für Reiner und mich wird die Einreise mit heute und die Ausreise mit morgen eingetragen. In Martins Pass wird nur die Einreise vermerkt. Er hat somit 90 Tage Zeit, um das Land zu verlassen. Wir sehen uns nur staunend an, wie einfach und schnell das jetzt gegangen ist, nicht zuletzt durch die Unterstützung des Honorarkonsuls und dessen Sprachkenntnissen. Uns wäre das ansonsten wohl kaum gelungen. In Martins Augen kann man seine Freude ablesen. Wir verabschieden uns mit einem freundlichen Lächeln und fahren weiter zum Zollamt.

Dort geht das noch viel schneller. Wir müssen noch nicht einmal ein Formular ausfüllen, der Zollbeamte stempelt einfach das Einreiseformular der Policia Federal ab und schon geht’s weiter zum Portcaptain.

Hier wird es allerdings noch einmal spannend. Die Dienststelle befindet sich in einer Marinekaserne und dort ist nachmittags niemand mehr da, der unser Anliegen behandeln würde. Und neuerlich ist es Hr. Fiege, der uns dazu verhilft, dass es doch noch gelingt. Er erklärt, dass wir quasi schon wieder ausgereist sind und daher der Akt auch heute noch geschlossen werden muss. Man möge jemanden anrufen, wie man hier vorzugehen habe. Kurz darauf erscheint auch jemand, befragt uns via Hrn. Fiege als Übersetzer natürlich, schnappt sich die Unterlagen und geht wieder. Nach etwa 30 Minuten kommt er zurück, schreibt quasi vom zuletzt ausgestellten Bescheid alles 1:1 ab, stempelt an den vorgesehenen Stellen die Formulare ab und nun ist Martin auch kein Mitglied der Schiffscrew mehr. Damit haben wir alle offiziellen Stellen durch.

Es ist mir/uns ein ganz besonderes Anliegen, mich/uns bei Hrn. Fiege für seine Unterstützung, ohne der wir das sicherlich nicht erreicht hätten, auf das herzlichste zu bedanken. Hr. Fiege macht diesen Job in seiner Pension ehrenamtlich, wofür ihm zusätzliche Anerkennung gebührt. VIELEN DANK!

Tja, man soll sich eben nicht von Äußerlichkeiten zur Meinungsbildung über andere (ver-) führen lassen!

Auf der Fahrt durch Fortaleza:

Auf dem Rückweg zur Marina halten wir noch an einem Supermarkt und stocken unseren Proviant für die nächsten Wochen noch einmal auf. Hr. Fiege fährt uns dann noch zurück zum Hotel und wir verabschieden uns. Am Schiff angekommen, schnappt sich Martin seine schon gepackte Tasche und wir verabschieden uns noch einmal. Reiner setzt ihn mit dem Dingi über.

Da Martin einer Couchsurfer Community (ich hoffe, ich sage das jetzt richtig) angehört, hat er Kontakt zu einer Brasilianischen Familie aufgenommen, bei denen er für die nächsten Tage unterkommen kann und die ihn auch beim Hotel abholen wird. „Boa viagem meu amigo!“

Martin kommt am 11. April in Singapur an (Fortaleza-Sao Paulo [proppenvoll, wie Martin schreibt], Sao Paulo-Doha [eine Dreierreihe für ihn alleine], Doha-Singapur [nur 4 Personen im Flugzeug]). Dort muss er für 2 Wochen in einem Hotel in Quarantäne und ist nun seit 25. April wieder zu Hause 😊

Reiner und ich machen am 28. März 2020 um 07:00 Uhr die Leinen los und fahren weiter in Richtung Westen, noch nicht wissend, wo uns die Reise genau hinführt. Französisch Guyana oder doch in die Karibik? Im Moment ist uns das noch nicht so wichtig, Hauptsache es ist wieder alles klar an Bord und wir stehen unter Segeln.

Sundown

Nachtrag:

In der Nacht des 27. März kommt ein kleines französisches Segelboot mit 4 Mann Besatzung von den Kap Verden in Fortaleza an und macht neben uns fest. Auch sie führen sofort Gespräche mit dem Marinamanager und dem Übersetzer aus dem Hotel. Am Ende erhalten sie jedoch nur Wasser über eine Schlauchleitung und dürfen nicht an Land. Wir nehmen Funkkontakt mit dem Boot auf, das keine 20m von uns entfernt liegt. Der Skipper teilt uns mit, dass man sie abgewiesen und aufgefordert habe, die Mole und das Land zu verlassen. Eine Einreise sei ab sofort nicht mehr möglich. Haben wir nur Glück gehabt?
Die Jungs haben jedenfalls so gut wie keinen Proviant mehr und sind etwas ratlos. Wir durchforsten unsere Vorräte und sammeln in zwei Tragetaschen so einiges zusammen, das wir entbehren können, packen noch ein paar Bierdosen dazu und Reiner bringt das mit dem Dingi hinüber.
Leider habe ich mir den Namen des Schiffes nicht aufgeschrieben und damit natürlich auch nicht gemerkt. Die Jungs haben sich aber sehr überschwänglich bedankt.
Keine Stunde später fährt ein Polizeiauto mit Blaulicht vor und fordert die Besatzung auf, das Gelände unmittelbar zu verlassen. Die Jungs machen daher die Leinen los und fahren wieder ab. Sie sind zwar nur in die Ankerbucht außerhalb der Marina gefahren, das hat die Polizei dann aber nicht mehr gesehen. Wir winken ihnen aber nochmals zu, als wir am nächsten Morgen ihren Ankerplatz passieren. Alles Gute!

Am Filmset von Fernando de Noronha

Es ist Sonntag der 22. März 2020. Gegen Mittag mache ich noch ein paar Fotos von der Insel im Sonnenlicht und bestaune die Vegetation und den Strand vom Schiff aus. Es sieht aus, wie auf einer Pirateninsel aus einem Schatzsucherspielfilm. Der Dschungel erscheint in sattem, dunklem Grün, Sandstrand und Felsen wechseln sich ab und die Brandung läuft an den Strand. Mehr kann man nicht erwarten. Da taucht auch noch eine Schildkröte auf uns steckt den Kopf aus dem Wasser. Ich stehe nur still auf der Plattform und genieße den Moment.

Dann machen wir das Dingi klar und fahren an den Anlieger, um einzuklarieren. Es mutet schon ein wenig seltsam an, dass außer uns und One Liberty keine anderen Gastschiffe zu sehen sind. Auch der Strand ist menschenleer und die Schnellboote, die ansonsten Bananaboote und Parasails hinter sich herziehen liegen verlassen am Strand.

Man könnte meinen, in einem Spielfilm von Steven Spielberg zu sein und jeden Moment erscheinen die Dinosaurier. Doch schnell lösen sich die Gedanken, als wir am Anlieger einige Menschen stehen sehen. Es sind genau genommen fünf Männer, wovon drei in legerer Uniform aus Polo und Short und zwei in zivil sind. Ich sitze im Bug des Dingis und will mit der Festmacherleine übersteigen, als mich einer der Männer in zivil daran hindert.

Zuerst wird portugiesisch gesprochen und ich verstehe natürlich „nada“. Ich ersuche darum, Englisch zu sprechen. „This Island is closed. You have to go back.“ Waren die ersten Worte, die wir vernommen haben. Die weitere Unterhaltung gestaltet sich schwierig, da das Englisch der Leute nur sehr dürftig ist. Die Uniformierten sind von der Port Control und sprechen (mangels Englisch?) gar nicht mit. Sie stellen offenbar nur den offiziellen Charakter in der Szene dar. Der zweite Mann in zivil steht im Hintergrund und gibt Anweisungen, was zu sagen ist, nachdem der Andere erklärt bzw. übersetzt, was wir sagen.

Dass wir aus St. Helena kommen, seit 2 Wochen unterwegs sind und keinen Virus haben können, interessiert dabei niemanden. „CLOSED“ heißt es immer wieder. Wir insistieren, dass laut unseren Informationen die brasilianischen Grenzen erst morgen geschlossen werden, zudem haben wir keine Vorräte mehr und man könne uns doch nicht auf See verhungern lassen. Außerdem sind wir bei der Hafenbehörde angemeldet worden. Dazu gibt es Schriftverkehr.

Der Mann im Hintergrund geht darauf hin zu einem Auto, holt ein Kuvert und kommt damit zurück. Zwischenzeitlich ist einer der Uniformierten so nett und macht für Martin einen Hotspot am Handy auf und er kann zumindest die ersten Informationen nach Hause senden.

Ich kann erkennen, dass auf dem Kuvert ein Wappen oder zumindest ein Stempel drauf ist. Etwas offizielles also, wir scheinen Glück zu haben und ich mache mich schon daran, das Dingi festzumachen.

Aus dem Kuvert zieht der Mann dann allerdings nur eine Atemmaske heraus und der andere übersetzt, dass einer von uns in Begleitung eines Offiziers im nahe gelegenen Supermarkt einkaufen dürfe, wir aber dann unmittelbar wieder abfahren müssen. Kopfschütteln und Enttäuschung machen sich breit. Wir verhandeln uns noch eine zweite Person zum Einkaufen heraus, da einer alleine das alles gar nicht tragen könne und fahren zuvor nochmal auf SHAMBALA II zurück, um eine Liste zu machen und Taschen zu holen. Dabei halten wir bei One Liberty nochmals an und berichten über das erlebte.

Reiner und Martin fahren dann los, während ich auf dem Schiff zurückbleibe und warte. Es vergeht etwas mehr als 1 Stunde – und die ist echt lange, wenn man ständig auf die Uhr sieht – bis das Dingi wieder um die Mole herum zurückkommt. Was dann passiert, hätte nun tatsächlich von Steven Spielberg sein können.

Martin steigt aus dem Dingi und ist sichtlich verärgert, aber auch Reiner hat kein Lächeln aufgesetzt. Der Einkauf war sichtlich erfolgreich und die beiden wurden sogar – von einem sehr netten Aufpasser- mit einem Wagen gefahren. Was also ist los? Während des Ausräumens der Einkäufe ärgert sich Reiner aber dann ein wenig über Waren, die schon angeschlagen sind und dass sie ohne Grund viel zu hastig eingekauft hätten. Martin bekommt das in die falsche Kehle und gibt sehr unschöne Worte von sich, die ich hier gar nicht wiedergeben möchte. Jedenfalls lässt er darauf hin alles liegen und stehen und packt seine Sachen. Er will von Bord und zwar JETZT. Er bliebe unter keinen Umständen noch länger auf dem Schiff. Das geht alles viel zu schnell. Ich versuche mit Argumenten auf ihn einzuwirken (illegal, keine Flugverbindungen, usw.) und mit ihm als Freund zu reden; erfolglos. Offenbar hat sich da etwas entladen, das nicht wieder reversibel ist. Ob nun wegen des Verhältnisses zu Reiner oder wegen der Enttäuschung nicht nach Hause fliegen zu können oder warum auch immer.

Martin stellt seine Tasche ins Dingi und ich fahre ihn an die Mole. Diesmal ist keiner da. Wir verabschieden uns, er steigt über und geht den Steg hoch. Ich hebe die Hand nochmal zum Gruß und fahre aufs Schiff zurück. Ich frage Reiner, was denn passiert sei. Er weiß aber auch nicht wirklich mehr als ich.

Was nun? Wir verstauen den Einkauf und lassen uns bewusst Zeit, da wir annehmen, dass Martin in den nächsten Minuten von der Hafenpolizei zurückgebracht wird. Das ist aber nicht der Fall.

Eine Stunde später lichten wir den Anker und fahren mal ein Stück in Richtung SW, um zu sehen, was passiert. Und es passiert!
Unmittelbar nach dem Ablegen kommt ein Patrouillenboot hinter uns her und fordert uns auf, umzukehren. Wir kommen der Aufforderung nach und als die Ankerkette wieder unten ist, muss einer von uns mit dem Dingi an Land.

Das bin wegen besseren Verstehens ich. An der Mole traue ich meinen Augen nicht. „Am Set“ befinden sich neben den schon bekannten Personen mittlerweile auch die Polizei, Militärs und noch weitere Menschen und natürlich Martin. Insgesamt sind wir an die 20! Personen. Das Positive daran ist die überaus nette und zudem sehr hübsche Übersetzerin, die man mitgebracht hat, und die uns nun die Konversation doch sehr erleichtert. Fragen, Fragen, Fragen, Erklärungen und Erklärungen und letztendlich eine sehr eindeutige Botschaft:

Entweder wir fahren alle drei JETZT und zusammen mit dem Schiff ab und bleiben straffrei, oder wir werden inhaftiert und lösen einen diplomatischen Konflikt mit allen Konsequenzen aus.

In der Zwischenzeit ist auch Reiner noch mit dem Patrouillenboot geholt worden und nun ist mal wieder guter Rat teuer, denn Martin will keinesfalls zurück aufs Schiff. Letztendlich gelingt es mir dann aber doch noch einen Kompromiss zwischen den beiden dahingehend zu finden, dass Martin mit an Bord kommt, bis zum brasilianischen Festland in seiner Kabine bleibt und nur während meiner Wache an Deck kommt, um sich zu verpflegen und auch einen Teil meiner Wache zu übernehmen, die dann halt länger dauert. Somit würden sich Martin und Reiner nicht sehen und diese Überfahrt wäre nach etwa einer Woche zu Ende.

Der Portcaptain gibt uns noch ein Schreiben mit, wonach wir da waren und weg geschickt worden sind. Das sollen wir in RECIFE vorlegen, und er will dort auch anrufen, um uns anzukündigen. „Am Festland seien die Möglichkeiten der Ein- und Wiederausreise besser gegeben als hier.“ ist die Begründung. Uns ist aber zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass das lediglich ein Vorwand ist, um das Problem – also uns – los zu werden.

Mein sehr erstaunter und gleichzeitig fragender Blick, als justament zu diesem Zeitpunkt ein Flugzeug landet, wird automatisch beantwortet: „Letzter Flug, schon ausgebucht.“ Was sonst?

Ich wage es anhand der herumstehenden Militärs nicht, ein Foto von der Szenerie zu machen. Es ist alles so unwirtlich. Dennoch bedanke ich mich mit der Unterstützung von Marina, der Übersetzerin, auf portugiesisch für das Entgegenkommen und entschuldige mich für die verursachten Umstände. Dann steigen wir alle drei wieder ins Dingi und fahren, ohne ein Wort zu wechseln, zurück aufs Schiff.

Martin geht unmittelbar in seine Kabine, wir lichten den Anker und um 16:00 Uhr liegt Fernando bereits hinter uns. Klappe und Cut.

Die nächsten Tage gestalten sich zwar wie geplant, es ist aber natürlich nicht mehr wie zuvor. Tagsüber bringe ich Martin gekühltes Wasser und Obst hinunter und am späten Nachmittag zieht sich Reiner in seine Kabine zurück und Martin und ich kochen zusammen. Gegen 23:00 Uhr übernehme ich dann die Wache von Reiner, Martin von 01:00 bis 05:00 Uhr von mir, und ich dann wieder bis Reiner aufsteht. Das funktioniert soweit ganz gut.

Vorrangig aber versuchen wir an Informationen zu kommen, wo wir am besten Einreisen können. Von Deutschland aus (Danke an Laura, Matthias, Markus und alle anderen!) werden Botschaften und Konsulate kontaktiert und bald wird klar, dass Recife nicht die aussichtsreichste Adresse ist. Wir ändern den Kurs und halten auf Fortaleza an der Nordküste Brasiliens zu.

Trotz allem kann ich für mich das Segeln immer noch in vollen Zügen genießen. Unter Groß und Fock machen wir gute Fahrt und die Wolken- und Sonnenauf- und Untergangsspiele bezaubern mich immer wieder.

Am 25. März treffen wir auf die VIKING JUPITER. Ein Kreuzfahrtschiff, das sich treiben lässt und wohl zum Zeitvertreib in gebührlichem Abstand eine Runde um uns herum fährt. An Deck können wir auch mit dem Fernglas keine Menschen ausmachen. Eingesperrt in den Kabinen? Einreiseverbot?

Wir wissen es nicht. Wir hoffen nur, dass unser Ansinnen in Fortaletza erfüllt werden kann. Dazu haben wir Kontakt mit dem deutschen Honorarkonsul in Fortaleza Hrn. Hans-Jürgen Fiege aufgenommen. Er wird uns erwarten und uns bestmöglich unterstützen.

Sundown

Die Überfahrt nach Brasilien …

… beginnt mit einer Flaute. Vor uns liegen etwas mehr als 1.700nm (~ 3.000km), das kann dauern! Erst dachten wir ja, dass wir uns nur im Windschatten von St. Helena befinden. Als wir aber am nächsten Tag auch nur heiße 2,3 kts TW (wahrer Wind) messen, kommt der SPI in den Sack und wir lassen uns mal treiben. Reiner nimmt die Gelegenheit war, um hinter SHAMBALA herzuschwimmen. Neben einer ausgelegten Schwimmleine natürlich. Trotz des wenigen Windes muss man schon ein sehr guter Schwimmer sein, um das zu schaffen. Aber das sind wir ja schon gewohnt von unserem Skipper, dass er hinsichtlich sportlicher Leistungen stets starke Vorgaben macht 😉.
Anmerkung bei der Gelegenheit: Ich bin jetzt schon bei 1 ½ Klimmzügen!

Tags darauf stelle ich früh morgens fest, dass meine Fischleine auf Anschlag steht. Sofort wird die Leine eingeholt und es ist auch tatsächlich ein Fisch dran. Ein etwa 60cm langer Seehecht. Endlich ein Fisch! Seit Kapstadt fischen wir schon mit 3 Leinen und hatten bisher keinen Biss. Nun scheint der Bann gebrochen. Das gute Stück wird von Martin übernommen und gleich filetiert und portioniert. Vor lauter Freude haben wir aber ganz aufs Foto vergessen, weshalb ich euch den Fisch jetzt nur mehr „in der Dose“ präsentieren kann.

12 Stunden später ist er dann auch gleich in die Pfanne gehüpft. Und wenn auch nicht viel dran war, geschmeckt hat er super!

An diesem Abend hat jemand im Universum den roten Farbtopf umgestoßen:

An den folgenden Tagen frischt der Wind etwas auf und bei 10 – 18 kts machen wir unter Spinnaker auch gute Fahrt. Allerdings trübt sich die Stimmung an Bord etwas ein, da Martin immer öfter mit dem Skipper ins Diskutieren über die Ordnung am Schiff und speziell in der Küche kommt. Hier prallen zwei Meinungen auf einander, die sich auch durch Gespräche am „runden Tisch“ nicht kombinieren lassen. Daher beschließt Martin in Fernando de Noronha auszusteigen. Bis dahin verläuft alles wie bisher und auch die weitere Stimmung ist gar nicht so schlecht wie ursprünglich von mir befürchtet. Zudem soll Laura (Reiners Frau) in Fernando an Bord kommen.

Am Sonntag den 15. März feiern wir „halfway“. Es sind nur noch 865nm bis Fernando. Und Martin, der das Kochen genauso exquisit wie bisher fortgesetzt hat, zaubert dem Anlass entsprechend das Abendessen. Steaks auf Röstkartoffeln begleitet von 1 Fl. Leopard´s Leap.

Immer öfter kommen uns Seevögel besuchen und umkreisen das Schiff. Das wäre soweit ja ganz OK und auch unterhaltsam, hätte da nicht einer davon beim drüber Fliegen durch das nur zu ¼ geöffnete Fenster genau in Reiners Kabine und in sein Bett getroffen 😊. Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.

Es wird zusehends wärmer und an Arbeiten im Unterschiff ist vorerst nicht zu denken. Wir haben daher einige Projekte etwas zurück gestellt, da wir in 4 Tagen bereits in Fernando vor Anker liegen möchten.

Am 17.03.2020 geraten wir neuerlich in eine Schwachwindzone und aus den geplanten 4 Tagen wird wohl nix. Wir üben uns daher in VMG (Velocity made good), sprich in der Berechnung der möglichen Kursabweichung, um bei dadurch schnellerer Fahrt, früher ans Ziel zu kommen. Unsere geometrisch, mathematischen Kenntnisse sind gefragt und ich bin ganz stolz, dass mir der dazu benötigte Sinussatz ganz spontan dazu einfällt.

18.03.2020 Der Wind hat nun soweit nachgelassen, dass der SPI geborgen werden muss und auf dem Trampolin für einen jederzeitigen Schnellstart in Schlangenlinie aufgelegt wird. Also wird mal wieder ein Bad in einem der tiefsten Pools der Welt gemacht. Wir haben zurzeit etwa 5.000m Wasser unterm Kiel und eine Wassertemperatur von 29,2 Grad!!

Via Iridium-Verbindung erreichen uns nun von zu Hause immer unglaublichere Nachrichten über die Verbreitung des Corona Virus und die von den Regierungen weltweit beschlossenen Restriktionen. Um einem Einreiseverbot in Brasilien zuvor zu kommen, müssen wir uns sputen. Um 11:00 Uhr starten wir daher die Backbordmaschine und fahren ganze 8 Stunden unter Motor, bis wir den SPI kurz nach 19:00 Uhr wieder setzen.

In der Zwischenzeit haben wir einen sehr ansehnlichen „Yellow Fin“ gefangen (Reiners Angelschnur, Peter hat ihn raus gezogen und Martin hat ihn filetiert). Und diesmal gibt es auch Fotos vom Fisch. Einen weiteren Biss hatten wir dann noch, nur dürfte das Fischlein etwas zu groß für meinen NIRO-Angelhaken gewesen sein, da sich der beim Einholen einfach aufgebogen hat. Fisch war da natürlich keiner mehr dran.

In der Nacht landet dann ein armer, kleiner, schwacher Seevogel an Bord und möchte auf SHAMBALA II mitfahren. Wir geben ihm eine Chance, da er sich auch nicht verscheuchen lässt. Nachdem der kleine Piepmatz aber gleich eine ganze Schaar an Verwandten anschleppt, ist die Chance eindeutig vertan. 2 Std. später waren die 6 Vögel endgültig wieder weg. Zurück gelassen haben sie eine ganze Menge an DNA-Spuren, die wir am nächsten Tag wieder wegwaschen durften.

Nun beginnt ein fast ständiges Wechseln zwischen Spinnaker und Motor und nur gelegentlich können wir mit einer Regenwolke mitfahren.

Erst am 22. März um 05:40 Uhr sehen wir Fernando de Noronha in der Morgendämmerung vor uns und um 06:25 Uhr werfen wir den Anker.

Wir haben den Atlantik überquert.

Aufbruch nach Brasilien

Es ist Montag früh und die letzte Nacht hält meinen Bewegungsdrang noch immer gefangen. Ich muss aber noch die Badeplattform reinigen, bevor die anderen aufstehen und außerdem spätestens mit der 09:00 Uhr Fähre an Land, um den Wagen zurück zu geben.

Als ich dann vor dem Wagen stehe, beschließe ich, dass es bedeutend besser ist, jetzt nicht mehr Tanken zu fahren, sondern dem Vermieter das Geld dafür zu geben. Ich glaube er hat mir angesehen, dass das die eindeutig bessere Version war und hat die 10 Pfund dankend entgegen genommen.

Anschließend klarieren wir aus und machen das Schiff klar zum Auslaufen. Am frühen Nachmittag kommt uns dann noch ein Walhai besuchen und schwimmt neugierig zwischen den Schiffen herum. Reiner und Martin schnorcheln noch ein Stück mit ihm mit und ich halte das Szenario von oben fest.

Gegen 17:00 Uhr machen wir die Leinen los und nehmen Kurs auf Fernando de Noronha. Gleichzeitig fährt auch die ALTHEA los, die vor 3 Tagen ihre neue Schiffswelle erhalten hat.

Delphine begleiten uns noch ein Stück während St. Helena immer kleiner wird und in der Nacht verschwindet. Vieles hätte es noch zu erkunden gegeben und vielleicht, ja vielleicht hole ich das eines Tages ja noch nach. St. Helena ist ein Reiseziel der anderen Art, das ich jedem nur ans Herz legen kann, der einmal etwas anderes machen möchte.

Wir sind wieder unterwegs. Ein schönes Gefühl. Sundown

W(u/a)nderbares St. Helena Besuch beim ältesten Inselbewohner

Es ist Sonntag der 8. März 2020; unser letzter Tag auf St. Helena. Morgen wollen wir ablegen und nach Fernando de Noronha aufbrechen. Zuerst fahren wir auf die alte Burg oberhalb von Half Tree Hollow. Eine stolze Befestigungsanlage, die heute vorrangig der Befestigung von Sendemasten dient. Der Ausblick ist wie immer super schön.

Weiter geht’s zum Haus des Gouverneurs von St. Helena. „Plantation House“ heißt dieser sehr imposante Landsitz, der den Gouvaneur Philip Rushbrook beherbergt. Er vertritt seit 2019 die britischen Monarchen auf St. Helena, Ascension und Tristan de Cunha. Vor ihm tat dies Lisa Phillips. Sie war die erste Frau in der 360 jährigen Geschichte dieses Amtes. Aber nicht nur die Gouverneure und -Innen wohnen hier, sondern auch der älteste noch lebende Bewohner der Insel. Das ist Jonathan, er ist etwa 188 Jahre alt und er empfängt uns auch höchstpersönlich.

Er ist einer von 4 Riesenschildkröten und gibt Marina und Sarah gerade eine Audienz als wir ankommen. Die beiden Ladies sind wie alle Inselbewohner gerne zu einem Plauderstündchen bereit und erzählen uns ein wenig von früher, als noch alle 6 Schildkröten lebten.

Unsere Rundfahrt führt uns weiter nach St. Paul´s Cathedral.

An einer der Aufzuchtanlagen der Ursprungsbäume (das sind jene, die Martina pflanzt) halten wir unseren Wagen und gehen ein Stück den Berg hinauf.

Wie durch einen Zauberwald führt der Weg und diesmal kommt mir der Aufstieg auf den Kilimanjaro mit seinen wechselnden Wegetationszonen in den Sinn.

Weiße Seeschwalben gibt es am Kilimanjaro allerdings nicht.

An unserer geplanten Wanderung angekommen suchen wir vergeblich nach Wegweisern und gehen letztendlich einfach dem Gefühl folgend los. Wir gehen einem Traktorweg folgend bergab und landen schlussendlich in einer Sackgasse. Dort treffen wir auf George, der die Wasserpumpe für die Kuhtränken nachsieht. Er erklärt uns, wo wir falsch abgebogen sind.

Zurück ist aber auch keine Option, und so gehen wir einfach geradeaus den Hang hinauf zum Auto zurück, machen unterwegs noch eine „Veschper“ (laut Martin ist das eine Jausenpause auf Schwäbisch) und trällern ein Liedchen, das sogar Reiner mitsingen kann: „…. klein …ging allein…in die weite …“.

@ Xaver und Leni: Wer kennt das Lied und kann es vorsingen?

Zurück am Hafen kommen wir gerade zur Sonntagsparty im Yachtclub zurecht. Reiner nimmt die 18:00 Uhr Fähre, die Martin und ich aber sausen lassen, da Martin für uns eine Sonderfähre für 20:00 Uhr organisiert hat. So sitzen wir noch gemütlich im Yachtclub bis uns um pünktlich um 20:00 Uhr ein Dingi abholt. Es ist Hari von der MOJO. Wir halten nur kurz bei SHAMBALA an, sagen Reiner Bescheid und steigen mit Wein und Bier bewaffnet wieder in Hari´s Dingi. Es ist Partytime auf MOJO.

Den Rest des Abends sollen euch die Bilder erzählen. Ich weiß noch, dass wir sehr viel getanzt und noch mehr Arrak (Palmschnaps) getrunken haben. Irgendwann sind wir zurück auf SHAMBALA II gefahren worden und ich war wenig später äußerst froh über den Umstand, dass mein Kabinenfenster direkt neben meinem Kopfpolster war und …

Bei meinen späteren Recherchen zu St. Helena bin ich dann über folgenden Artikel gestoßen, der bestätigt, dass es sich bei der Party lediglich um die Vollziehung historischen Kulturgutes handelte und wir froh sein können, dass wir mit dem Leben davon gekommen sind 😉

Credits to WIKIPEDIA

W(u/a)nderbares St. Helena Inselrundreise zur Sandy Bay

Am nächsten Tag hole ich unseren voraus gebuchten Leihwagen ab. Auf dem Weg dorthin treffe ich Leonardo und Graziella. Da ich schon spät dran bin, muss ich mich leider kurz halten bei unserer Unterhaltung. Ich verspreche aber, dass ich nicht vergessen habe, die Fotos vom Whalesharking zu senden, nur noch nicht die Zeit dazu war. Die Mailadresse habe ich mir bei Anthony aber schon abgeholt. Die Bilder habe ich dann auch wirklich noch gesendet, bevor wir wieder los gesegelt sind. Und unser Mailverkehr hat noch lange darüber hinaus angehalten; Freunde gefunden!

Leihautos sind hier so eine eigene Sache. Die werden von privat vergeben. Manche Leute lassen sich in ein Register eintragen und werden dann bei Bedarf vom Tourismusbüro durchgerufen. Der Zustand der Autos entspricht auch nicht unbedingt jenem, mit dem man bei uns ein neues Pickerl bekommen würde, aber das ist halt so. Im Übrigen kommen die Autos hier fast ausschließlich aus England (Rechtslenker) und werden natürlich per Schiff angeliefert. Die Transportkosten belaufen sich auf etwa 5.000.- EUR je Auto.

Wir bekommen einen Ford Focus von Duncan. Er kostet 20.- Pfund pro Tag plus Sprit. Wir haben das Auto für 2 Tage gebucht. Ich hab auch gleich mal alle Kratzer rundherum fotografiert. Bei der Rückgabe hat sich das Auto dann aber ohnehin niemand angesehen.

Reiner und ich machen uns nach dem Obst- und Gemüseeinkauf als erstes daran, unser Code-0-Segel vom Segelmacher abzuholen. Wir haben das Segel vor ein paar Tagen aus der Segelkiste geholt, mit Süßwasser abgewaschen, zum Trocknen aufgehängt, in eine große Segeltasche gepackt und es dann zur örtlichen Segelmacherin gebracht. Alle kennen sie hier unter ihrem Vornamen WANDA.

Das Segel bzw. dessen Risse wurden genauestens inspiziert und Wanda sagte uns zu, das beste daraus zu machen und ihr Mann Alton und deren Tochter Bianca würden ihr dabei behilflich sein. Wegen der unhandlichen Größe des Segels und der Länge der Risse wurde ein Preis von „bis zu max.“ 150 Pfund vereinbart.

Beim Haus von Wanda angekommen, erwartet uns Alton schon. Das Segel ist schon in der Tasche verstaut, aber wir packen es natürlich nochmal aus, um uns von der Arbeit ein Bild zu machen.

Als Reiner das Flickwerk am Segel sieht, wird er stumm und nachdenklich. Mit kleineren und größeren Segeltüchern ist zwar über die Risse genäht worden, aber in Blasen. Sprich, das über die Risse genähte Tuch ist größer und übernimmt daher keine Spannung vom ursprünglichen Segeltuch. Obwohl die Lastfäden unbeschädigt sind, können die Risse dennoch größer werden. Nach gefühlten 2 Minuten sagt Reiner dann zu Alton ganz ruhig, dass die Arbeit unbrauchbar sei. Nun müsse er das alles wieder auftrennen und neu vernähen, zudem sei über den Rissen kein Klebeband verwendet worden und die Nähte seien auch nur einfach anstatt mindestens doppelt ausgeführt.

Alton versteht das gar nicht. Das Loch ist doch zu und er erklärt uns mehrfach, dass man die Segler immer schon mit dem besten, das man eben könne, unterstützt hat, und auch hier habe man das best mögliche gemacht. Alton will zudem die als „maximal“ vereinbarten 150 Pfund dafür haben. Reiner will die Reparatur so nicht bezahlen und Alton will das Segel nicht herausgeben ohne Bezahlung. Nach einigem hin und her mische ich mich ein und versuche einen Konsens zu finden. Letztendlich bezahlt Reiner sehr widerwillig 130 Pfund und Alton gibt das Segel heraus. Ein unschönes Erlebnis, aber genau so ist es halt gewesen.

Anmerkung: So ein kleines bisschen werde ich das Gefühl nicht los, dass sich auf der Insel ein paar getarnte Treckies unter falschem Namen versteckt halten. Die Segelmacher hießen ABIWAN und der Port Captain: Port Captain of JamesTown, Steve Kirk. Na, das lässt doch einige Schlüsse zu.

Wir bringen das Segel zurück zum Schiff und fahren dann alle drei zusammen los, um die Insel zu erkunden. Zuerst geht’s mal rüber in die Nachbarbucht zu Adrian, wo wir bekannter weise mal wieder vertröstet wurden und anschließend sind wir die neue 2-spurige Straße in Richtung Flughafen gefahren. Gefahren bin übrigens ich, was ich aber spätestens an der Straße zur Sandy Bay hinunter bereut habe.

Als erstes halten wir an einem Rastplatz im Norden von St. Helena und fühlen uns anhand der Landschaft in eine Wüste versetzt.

Als nächstes steuern wir die Meteorologische Station von St. Helena an, in der Hoffnung dort Auskunft über das vor uns liegende Wetter zu bekommen, wollen wir doch am Montag schon weiter segeln. Die Station steht offen, und wir gehen hinein. Drin sitzt Berry, der uns willkommen heißt, uns bereitwillig seine Station zeigt und erklärt, welche Art von Sendern er an seine Wetterballone hängt, die er täglich in die Stratosphäre schickt.

Ein paar Minuten später kommt sein Kollege in den Raum. Ein sehr stattlicher Herr, der „Huggybear“ genannt wird. So ein Name muss ergründet werden und Huggybear gibt mit einem breiten Lächeln auch bereitwillig Auskunft. Er ist nebenberuflich DJ und veranstaltet auch Kinderdiscos. Bei so einer Kinderdisco dürfen sich die Kleinen natürlich auch Lieder wünschen und auf Huggybears Discs drehen. Dazu nimmt er sie hoch und viele von den Kindern bedanken sich, indem sie ihn drücken. Das hat einer Mutter mal so gut gefallen, dass sie ihn Huggybear nannte. Das sprach sich herum und seither kennt ihn die ganze Insel nur noch unter seinem Synonym.

Das bevorstehende Wetter können uns die beiden aber trotz bereitwilliger Auskünfte dennoch nicht verraten, da sie hier nur die Daten sammeln und diese dann von verschiedenen Stationen (z.B. vom Flughafen) verarbeitet werden.

Es ist schon 12:15 Uhr als wir die Wetterstation verlassen. Um 13:00 Uhr wird der Flieger aus Kapstadt erwartet. Aber wir sind schon ziemlich nahe am Flughafen (das ist man auf der Insel ja immer) und suchen uns einen guten Aussichtspunkt. Den haben wir dann auch gefunden und sind noch ein paar Schritte zu Fuß gelaufen. Dort treffen wir dann Shane, der auf dem Auto sitzt und auch Richtung Flughafen schaut. Er und sein Vater Barry kommen öfter hier raus (so durchschnittlich 1x pro Woche 😊), wenn die Flugzeuge ankommen. Shane sagt, sein Vater wisse quasi alles über den Flughafen und so gehe ich noch ein paar Schritte weiter und geselle mich zu Barry.

Während wir auf das Flugzeug warten erzählt er uns dann einige Geschichten und unter anderem jene, von dem Mann, der hier gegenüber auf den Felsen wohnte und seine Frau in den Himmel schickte. Er sitzt seither für den Rest seines Lebens im Gefängnis, das gleich neben der Kirche in Jamestown ist.

Dann zeigt er mit der Hand Richtung Norden und weist uns auf das heranfliegende Flugzeug hin. Es dauert aber noch eine ganze Weile, bis ich es erkennen kann. Dann bin ich etwas überrascht, weil ich es mir kleiner vorgestellt habe. Und Barry sagt nur: „Zu tief, viel zu tief. Das schafft er so nicht.“ Als ich das höre kribbelt es im Bauch. Sollten wir hier Zeuge eines Unglücks werden?

Vor der Klippe aber geht das Flugzeug nochmals hoch und landet auch sicher auf der Landebahn. „Whow“ sagt Barry, „must be an experienced pilot. Well done!”. Puh, da bin ich auch erleichtert. Die Maschine fährt die Rollbahn bis ganz hinten, da sie nur dort umdrehen kann und kommt dann zum Flughafengebäude zurück. Wir verabschieden uns von Barry und Shane und machen uns wieder auf den Weg. Wir fahren vorbei an Napoleons „Landsitz“ und treffen auf einen Berittenen.

Und dann, ja dann geht die Straße (falls man das so nennen kann) runter nach Sandy Bay. Da ich hochkonzentriert gefahren bin, kann ich euch leider keine Bilder zeigen, aber die Straße hatte ganz enge und noch dazu sehr steile 180 Grad Kehren in denen teilweise auch noch Splitt lag. Unsere Slicks rutschten schon mal und das eine oder andere mal musste ich in der Kehre auch noch reversieren. Daneben geht’s steil bergab; das wäre die richtige Straße für die Führerscheinprüfung. Jedenfalls ab ich mich dabei nicht immer ganz wohl gefühlt und die Hupe ist auch heiß gelaufen. Wir sind aber heil unten angekommen und haben unsere Wandersachen ausgepackt, um in Richtung „Lot´s Wifee´s Ponds“ aufzusteigen.

Der Weg nach oben ist nicht steil, aber steigt stetig an. Die Landschaft ist karg und nur von ein paar weißen Flecken unterbrochen. Das sind die Kotränder der Nistplätze der „maskierten Tölpel“. Sie haben oberhalb des Schnabels um die Augen herum eine Zeichnung die aussieht, wie die Maske der Panzerknacker aus der MickeyMaus.

Als wir so dahin gehen, gaube ich mich in Karl May´s „Wildes Kurdistan“ versetzt. Landschaft und Weg erinnern mich an die Geschichten aus dem Buch.

Immer höher steigen wir auf und immer besser wird die Aussicht, bis wir am Top des Weges angelangt sind.

@ Xaver und Leni:
Wer kann den Gorilla finden, der da auf den Felsen sitzt und die Füße ins Wasser hängen lässt?

Reiner und Martin steigen noch zu den Felsen ab, die die Brandung überspült und dabei kleine Schwimmbecken (Ponds) hinterlässt.

Ich mache mich aber wieder auf den Rückweg und will den Strand an Sandy Bay noch genießen. Sandy Bay ist eine der befestigten Buchten von St. Helena. Eine massives Bollwerk mit Schießscharten schützte die Bucht vor unwillkommenen Besuchern. Und auch hier sind die Kanonen nun nur noch als Sitzbänke und Wegbegrenzer im Einsatz. Da man damals aber nicht alle Buchten schützen konnte, wurde einige von ihnen sogar zugemauert!

Schwimmen kann ich wider Erwarten leider nicht gehen. Gefahrenschilder warnen vor gefährlichen Unterwasserströmungen. So mache ich es mir im Schatten einer Strandüberdachung gemütlich, höre Musik und mache ein paar Übungen für den Rücken, während ich auf die beiden anderen warte.

Am Rückweg muss ich die Straße natürlich auch wieder hinauf fahren, aber bergauf geht das irgendwie einfacher als bergab. Oben angelangt sind wir auch wieder zurück im Grünen. Was für ein landschaftlicher Unterschied innerhalb weniger Höhenmeter. In Half Tree Hollow essen wir zu Abend und genießen den Ausblick auf die vor uns liegende See.

Sundown

W(u/a)nderbares St. Helena / Dianas Peak

Nach der Besichtigung von Napoleons Hinterlassenschaften auf der Insel lassen wir uns von Wayne dann noch zum Einstiegspunkt der Wanderung zum höchsten Punkt von St. Helena fahren. Das ist DIANAS PEAK.

Schon auf der kurzen Fahrt dorthin wird es immer grüner und die Landschaft sieht aus, als würde ich zu Hause über den Sonnberg in die Laussa fahren. Rucksäcke mit Getränk und Jause haben wir mitgebracht und Wayne wird ausbezahlt. Zurück kommen wir dann schon irgendwie, so groß ist die Insel ja nicht.

Das erste Stück des Weges ist etwas eng und gatschig, aber schon bald wird der Weg breiter und ist ähnlich dem Weg zu Napoleons Grabmal ausgemäht und gepflegt. Naja, nicht ganz so schön, aber für einen Wanderweg …

Rasch fällt auf, dass der Flachs hier oben die dominierende Pflanze ist; ein wucherndes Überbleibsel vergangener Tage. Schon bald finden wir den ersten Aussichtspunkt und können uns einen ersten Überblick über die verschiedenen Vegetationszonen verschaffen.

Nur wenige Schritte weiter sehen wir dann auf die andere Seite der Insel, wo auch der (wegen seiner Gefährlichkeit bei der Landung) mittlerweile schon berühmte Flughafen liegt.

Dann treffen wir Melvin und Dencel. Sie sind die beiden Wegmacher, die hier die Wanderwege ausschneiden und pflegen. Sie kennen hier fast alles und machen diese Arbeit quasi schon immer. Ein Stück weiter legen wir dann eine Pause ein. Man beachte das Schild oberhalb des Weges (hinter der Bank) und die „Bewaffnung“ des Rastplatzes. Kanonen gibt es hier im Übrigen zu Hauf, so dass man sie als Bänke, Blumentröge und alles Mögliche benutzt. Im Hintergrund sieht man auch schon den ersten Gipfel der drei noch vor uns liegenden. Und was ist denn das, was da auf den Gipfel rauf führt, eine Seilbahn?

Die Seilbahn entpuppt sich neuerlich als Stufe und während des Aufstieges kommt uns die Gruppe entgegen, mit der Martin heute Morgen los gegangen ist. Steve vom Yachtclub mit Familie, Paula und Mark von der WAVELENGTH, Hari, Irka und deren Sohn von der MOJO, die Besatzung der MARIGOT und Martin natürlich. Sie berichten über schlechte Sicht auf dem Gipfel, weil Wolken durchgezogen sind. Ich grinse nur und sage ihnen, dass das jetzt gleich anders werden wird, denn wenn Englein reisen, sich bekannter Weise auch das Wetter weisen wird. Hat sich zwar auf Englisch nicht gereimt, haben aber alle verstanden und gelacht.

Die Leitern werden immer mehr und führen uns direkt „über dem Grad über den Grad“ auf den ersten Gipfel mit 814m, MOUNT ACTAEON. Von hier aus haben wir schon einen tollen Blick nach Osten und können jetzt das ganze Flughafengelände übersehen. Flugzeug werden wir aber jedenfalls keines zu sehen bekommen, da ja nur samstags eine (1!) Maschine ankommt.

Der mittlere der 3 Gipfel ist auch der höchste Punkt der Insel. DIANAS PEAK mit 818m. Der Ausblick ist allerdings am letzten Gipfel, CUCKOLD´s POINT mit 815m, noch besser. Ein voller Rundumblick wie auf einer Aussichtswarte; echt toll. Ich nehme den Kompass aus der Tasche und peile Fernando de Noronha an, kann es aber nicht sehen. Eventuell zu weit weg? 😉

Nach einer kurzen Jausen- und Fotopause machen wir uns auf den Rückweg, wo wir Melvin und Dencel nochmals treffen und dort auch einen anderen Weg zurück einschlagen. Wir gehen über „Halley´s Mount“, noch nicht wissend, was uns dort erwartet, zurück.

Was uns erwartete, war die Stelle, an der der Astronom Edmond Halley seine Himmelsbeobachtungen machte. Daher auch der Name des Weges, den wir ursprünglich so nicht zugewiesen hatten.

Edmond Halley war erst 20 Jahre jung, als er zusammen mit seinem Assistenten Mr. Clarke im Februar 1677 nach St. Helena kam. Er hatte die Aufgabe, die Gestirne der südlichen Hemisphäre zu katalogisieren, um eventuelle Fehler in den bisherigen Sternenkarten ausbessern zu können.

Dafür war St. Helena ein sehr geeigneter Ort, denn es lag auf der südlichen Hälfte der Erde, nicht allzu weit vom Äquator entfernt, um mit der nördlichen Sternenkarte koppeln zu können und bot zudem den Schutz einer britischen Kolonie. Im November 1678 kehrten sie nach England zurück und hatten in der Zeit 341 Sterne vermessen, was ihnen Ruhm und Ehre einbrachte.

Wirklich berühmt wurde Edmond Halley aber erst posthum, für die Entdeckung des nach ihm benannten Halley’schen Kometen, den er 1680 beobachtete und seine Wiederkehr für 1758 vorhersagte. Selbst Isaac Newton widersprach Halleys Theorie, aber auch er erlebte deren Richtigkeit nicht mehr. Der Komet kommt alle 75,3 Jahre wieder und wurde zuletzt 1986 gesichtet. Wer ihn also damals nicht gesehen hat, muss bis 2061 warten.

Dann gibt’s noch einen Friedhofs- und einen Kirchenbesuch, bevor wir wieder an der Straße ankommen. Wir heben einfach den Daumen in Richtung Jamestown. Herannahende Autos erkennt man hier ja frühzeitig am Hupen 😊. Es dauert auch nicht lange, bis ein Pickup hält. Die Lenkerin räumt den Beifahrersitz frei. Soll heißen, sie schmeißt alles nach hinten in die 2. Sitzreihe, die ohnehin schon gerammelt voll ist. Ich leg noch meinen Rucksack drauf und nehme selbst am Beifahrersitz Platz. Währenddessen klettert Reiner auf die Ladefläche und macht es sich zwischen den dort befindlichen Setzlingen bequem.

Unsere Chauffeurin heißt Martina und arbeitet für die örtliche Umweltabteilung. Sie ist eine derjenigen, die Flachswucherungen roden und wieder ursprüngliche Bäume pflanzen. Außerdem hat sie einen 1-jährigen Sohn und klarerweise haben wir Babyfotos ausgetauscht 😉. Zudem lief im Auto einer der beiden Radiosender und brachte Rockmusik. Genau passend finde ich, zu der flotten Fahrt von Martina auf der engen Klippenstraße nach Jamestown wurde „Black Batty“ von Ram Jam gespielt. Yeah!

Zurück auf dem Boot steigt Reiner dann noch in den Mast, um endlich die abgebrochene UKW-Antenne auszutauschen und das Mysterium des Materials zu klären, das sich an der Topsaling festgemacht hat (metallisches grau, Ösen und Seilreste).

Das mysteriöse Material waren Reste von Luftballons, die die UKW-Antenne aber keinesfalls abgerissen haben können. Viel wahrscheinlicher ist da schon, dass sich die Dirk des Fockbaumes mal um die Antenne gewickelt hat. Deshalb bekommt die neue Antenne (ein Schweißdraht) auch eine Verspannung in den Diamanten, damit das nicht mehr passieren kann. Über die richtige Länge der Antenne haben wir viel diskutiert und Wellenlängen berechnet. Am Ende haben wir sie genau 90 cm lang gemacht und sie funktioniert so auch ganz gut.

Sundown

Auf den Spuren Napoleons und anderer berühmter „Besucher“

Der wohl berühmteste Bewohner von St. Helena war ein Korse, französischer General, Konsul und Kaiser – Napoleone Buonaparte oder Napoleon I. von Frankreich. Das war er allerdings nicht mehr, als er im Oktober 1815 auf die Insel kam um dort seine lebenslange Verbannung abzusitzen.

Der katastrophale Ausgang des Feldzuges gegen Russland ab 1812 führte zur Erschütterung der Herrschaft Frankreichs und somit Napoleons über große Teile Europas, den Befreiungskriegen und letztlich zum Sturz Napoleons. Nach einer kurzen Phase der Verbannung auf Elba kehrte er nach seiner Flucht von dort 1815 nochmals für 100 Tage an die Macht zurück. Am 18. Juni 1815 in der Schlacht von Waterloo (15km südlich von Brüssel, damals noch Niederlande) wurde er von den Alliierten Truppen unter General Wellington jedoch endgültig besiegt, was am 22. Juni zu seiner Abdankung und zum Ende des französischen Kaiserreiches führte.

Napoleon selbst wurde als britischer Kriegsgefangener bis zu seinem Lebensende auf die fern ab gelegene Insel St. Helena verbannt, von der es aufgrund ihrer Abgeschiedenheit wohl kein Entrinnen mehr geben konnte und letztlich (zu Lebzeiten) auch nicht gab.

Zurück in die Jetztzeit: Am 06.03.2020 machen sich Reiner und ich auf, die Spuren von Napoleon zu ergründen. Martin ist währenddessen mit einer anderen Gruppe, die sich im Yachtclub verabredet haben, zum Wandern unterwegs.

Wir verhandeln mit Wayne, einem Taxifahrer mit seinem auffällig orangen Ford Focus älteren Baujahrs, über die Möglichkeit, dass er uns zu den Kultstätten fährt und dort jeweils auf uns wartet. Bei 25 Pfund sind wir uns einig und schon geht’s los. Zuerst zum Grab, da man dort schon um 09:00 Uhr hinein kann, in das Wohngebäude aber erst ab 10:00 Uhr.

Die engen Straßen durch die Klippen hoch zu fahren ist schon ein kleines Erlebnis für sich. Vorrang hat immer derjenige, der bergauf fährt. Der Gegenverkehr wartet in einer der vielen Ausweichen, und vor einer unübersichtlichen Kurve (übersichtliche gibt’s eh keine) wird gehupt, richtig viel und oft. So gelangen wir zum Zugang von Napoleons Grabmal. Ein Wegweiser verrät uns, dass man ein paar hundert Meter weit gehen muss. Kein Friedhof? Wir gehen einfach mal los.

Es ist ein breiter Weg, der mit sehr viel Sorgfalt ausgemäht und zurückgeschnitten ist. Und man geht tatsächlich eine Weile, bis man die ehemalige Grabstätte des Imperators vorfindet.

Ein kleines Wachhäuschen erinnert noch daran, dass das Grab nicht unbewacht war, solange der kleine Mann (er war nur 1,57m) hier nach seinem Tod am 05.05.1821 zur vorletzten Ruhe gebettet wurde. Zur VORletzten Ruhe deshalb, weil er 1840 exhumiert und in den Invalidendom nach Paris überführt wurde.

Fast schon kitschig mutet es an, dass just zu dem Zeitpunkt als wir uns beim Grabmal befinden 2 weiße „Tauben“ darum herumfliegen. Es sind aber keine Tauben, sondern weiße Seeschwalben, die auf St. Helena sehr häufig zu sehen sind. Kitschig wars aber trotzdem.

Zurück beim Wagen fragen wir Wayne, wer denn die Weg- und Grabpflege hier betreibt. Er sagt uns, dass das, so wie auch die Erhaltung und Pflege des Wohnhauses, vom französischen Staat übernommen, aber natürlich von helenischen Arbeitern durchgeführt wird.

Wir fahren weiter zum „Longwood House“ und sind einigermaßen überrascht, als wir dort ankommen und eine wirklich prächtige und sehr große Villa zu sehen bekommen. Na, wie ein Gefängnis sieht die ja nicht aus, aber Napoleon dürfte mal gesagt haben, dass selbst die größte Insel für einen Imperator ein Gefängnis ist.

Wir suchen uns den Eingang, der über die Terrasse ins Haus führt. Dort erwarten uns Gwen und Ivy, die beiden ausgesprochen gesprächigen Führerinnen und Aufpasserinnen. Sie sind natürlich auch Heleninnen, aber eben beim französischen Staat angestellt. Ivy selbst ist kleinwüchsig und so müssen wir uns für´s Gemeinschaftsselfie schon etwas hinknien, um alle ins Bild zu kommen.

Die Innenräume sind wie erwartet altertümlich ausgestattet und es gibt sogar einen Weinkeller (der allerdings nur ein ebenerdiger Raum ist). Es herrscht striktes Fotografierverbot, worauf Ivy, die uns begleitet und mit vieeelen Informationen versorgt, auch sehr achtet. Wie gesagt, die beiden sind sehr gesprächig 😉

Reiner eilt mal ein paar Schritte voraus und kommt so dennoch zu ein paar Bildern. Am Ende gibt’s dann noch den üblichen Verkaufsraum, in dem man Souvenirs oder auch eine Flasche von dem Süßwein erstehen kann, den Napoleon damals getrunken haben soll. Immerhin 6.000 Flaschen lies er sich während seines Aufenthaltes in St. Helena kommen. Das macht pro Tag etwas mehr als 1 Flasche; na denn Prost! Nicht ganz so alt ist der Wein, den man hier kaufen kann, aber immer noch von den selben, südafrikanischen Trauben des „Vin de Constance“ vom Tafelberg.

Im Übrigen gab es noch weitere Exilbewohner auf St. Helena wie:

  • 1890 – 1897 wurde der Zuluhäuptling Dinizulu kaCetshwayo hier gefangen gehalten
  • 1900 wurden 6000 kriegsgefangene Buren von Südafrika nach St. Helena gebracht
  • 1957 – 1960 wurden drei Nationalisten aus Bahrein hier festgehalten

Und berühmte Persönlichkeiten:

  • 1677 beobachtete Edmond Halley (der Entdecker des Halleyischen Kometen) die Gestirne von St. Helena aus.
  • 1761 tat ihm dies der britische Hofastronom Neville Maskelyne nach, der auf der Suche nach einer Möglichkeit war, den Längengrad während einer Überfahrt auf See feststellen zu können. (Die dafür erforderliche sehr genaue seegängige Uhr wurde übrigens von einem britischen Tischler – John Harrison) erfunden und gebaut.
  • 1771 kam Kapitän James Cook, ein britischer Entdecker, auf die Insel
  • 1792 kam Kapitän William Bligh, der Kapitän der BOUNTY nach St. Helena.
  • 1836 der englische Naturforscher und Geologe Charles Darwin
  • 1898 hielt Joshua Slocum im Zuge seiner Weltumsegelung auf St. Helena. Er war der erste Mensch der mit seiner nur 11,2m langen SPRAY alleine um die Welt segelte (vom 24 April 1895 bis zum 27. Juni 1898). Er segelte dabei 1898 – genau wie wir 😉 – von Kapstadt über St. Helena in die Karibik. (Credits für das Bild von Slocum mit seiner Spray an: Yachtbild)

Ja, hier kann man schon in sehr historischen Fußstapfen wandern.

Whalesharking

Mittwoch 4.März, für 13:00 Uhr haben Reiner und ich uns fürs „Whalesharking“ angemeldet, während Martin mit einer Gruppe von anderen Seglern zum Wandern aufgebrochen ist.

Walhaie sind keine Wale sondern Haie, die wegen ihrer Größe WAL-Haie genannt werden. Sie sind die größten Fische der Gegenwart. Das bisher größte vermessene Exemplar hatte 13,7m. Sie sind anhand ihrer Zeichnung mit den hellen Punkten auf der dunklen Haut gut zu erkennen. Im Gegensatz zu ihren viel bekannteren Artgenossen ernähren sie sich ausschließlich von Plankton und Kleinstlebewesen, was bei der Größe des Mauls nicht so ganz glaubhaft erscheint.

Jedenfalls befindet sich eine kleinere Population von Walhaien immer im Frühjahr (hier ist das der Sommer) in der Bucht von Jamestown. Und mit diesen kann man mit Schnorchel, Flossen und Kamera ausgerüstet ein Stück des Weges mitschwimmen (Tauchen ist verboten!).

Wir werden um 13:00 Uhr von Antony und seinem Tauchboot direkt am Schiff abgeholt. 9 weitere Walhaisucher sind schon an Bord. Mit Highspeed geht es Richtung Norden und Antony und sein Kollege halten Ausschau nach Haiflossen. Nicht die Rückenflosse, sondern die Schwanzflosse schaut bei den Walhaien aus dem Wasser. Das Boot wird langsam, stoppt und einer der Gäste lässt sich auf Antonys Zeichen hin rückwärts ins Wasser gleiten, schnorchelt und gibt dann Zeichen, dass der Hai abgetaucht ist. Er kommt zurück an Bord und wir fahren weiter.

So geht das noch zwei-, dreimal und beim dritten mal geht auch Reiner ins Wasser. Leider auch diesmal kein Walhai, der sich zeigen möchte. Jetzt wird’s schwierig, da Reiner ja beim Schwimmen keine Hörgeräte trägt kann man ihn nicht zurückrufen. Antony fährt etwas näher an ihn heran und ich schreie dann ein ganz lautes „Hey“, das Reiner dann auch wahrnimmt und sich zu uns umdreht, so dass wir ihn an Bord zurück winken können.

Weiter geht die Fahrt. Wieder ist eine Schwanzflosse zu sehen, und diesmal bin ich es, der ins Wasser gleitet. Als ich mich im Wasser befinde und mich erst mal zu orientieren versuche, bleibt mir gleich mal das Herz für eine Sekunde lang stehen. Keine 5 Meter vor mir bewegt sich eine weiß getupfte Wand von links nach rechts. Die Größe des Tieres und die unmittelbare Nähe überraschen mich total.

Ich fasse mich, schwimme hinterher und versuche links zu „überholen“, um den Kopf nochmal zu sehen zu bekommen. Ich greife nach meinem Handy, das ich in einer Unterwassertasche umgehängt habe, um den Augenblick festzuhalten. Wie sollte es auch anders sein, kann ich es nicht einschalten. Alle Versuche scheitern. Ich halte es über Wasser, versuche es dort, aber auch das geht nicht. So schnorchle ich dem Tier in aller Ruhe hinterher und bestaune seine Größe und die Nähe zu ihm. Auch die anderen sind mittlerweile (fast) alle im Wasser. Ich bin voll fasziniert und lasse mich ein wenig treiben. Dann kommt mir in den Sinn, dass ja nur max. 10 Leute gleichzeitig ins Wasser dürfen und demnach noch jemand im Boot sitzt und wartet, bis ein anderer zurück kommt.

Ich schwimme also zurück, und schlüpfe unterstützt durch zwei kräftige Flossenschläge mit dem Bauch über die Bordwand zurück ins Boot. Mickey geht an meiner statt ins Wasser. Ich packe mein Handy aus und siehe da, es funktioniert wieder (Ärger!). Neben mir sitzt Leonardo, ein Gynäkologe aus Italien.

Er fragt, wie es war und ich bin auch gleich wieder zurück in meiner Faszination von vorhin, als ich ihm davon erzähle. Er selber möchte nicht ins Wasser, aber seine Frau Graziella schnorchelt mit dem Walhai.

Da das Handy nun wieder geht, frage ich Anthony, ob ich denn nicht wieder ins Wasser könnte, um noch ein paar Bilder zu machen, was er mit einem Winken in Richtung Wasser bestätigt.

Und schon bin ich wieder im Wasser. Die Bilder zeigen euch, was ich dort erlebt bzw. gesehen habe. Und zugegeben, wenn der Fisch auf dich zuschwimmt und das Maul ein wenig aufsperrt, gibt das ein flaues Gefühl in der Magengrube und ich schwimme wie von Geisterhand rückwärts um den Abstand zu vergrößern.

Nach etwa 15 Minuten schwimme ich zurück zum Boot, steige aus dem Wasser und atme richtig durch. Der Walhai aber ist regelrecht neugierig und inspiziert nun unser Boot. Die Jungs fahren die Außenborder hoch, damit sich das Tier nicht verletzt und dann liegt er als Ganzes längsseits. Das Boot ist 8,5m lang und der Fisch nahezu auch. Einfach beeindruckend.

Langsam kommen wieder alle zurück ins Boot und ich zeige Leonardo ein paar Bilder auf dem Handy. Graziella setzt sich neben uns und ich frage sie, ob sie denn auch Bilder gemacht hätte. Sie verneint, keine Unterwasserkamera. Ich sage zu, ihnen Bilder von mir zu senden, wenn sie ihre Mailadresse bei Anthony abgeben würden. Mickey, die mitbekommen hatte, dass das Handy anfangs nicht funktionierte, bietet mir wiederum an, einige Bilder, die sie mit Ihrer professionellen Kamera gemacht hatte, zu schicken und auch sie wollte ihre Mailadresse bei Anthony im Tauchshop hinterlegen.

Am Abend zeige ich dann bei Ann´s meine Bilder stolz in der Runde herum und schon werden einige davon unter den Seglern verschickt. Wenn ihr jemals die Gelegenheit haben solltet, mit einem Walhai schnorcheln zu können, tut es, die Faszination wird euch bestimmt genauso ergreifen, wie sie mich ergriffen hat!

Sundown

St. Helena / 3. Tag

Für die gebrochene Furlinganlage des Code-0-Segels brauchen wir Ersatzteile. Wir fahren daher in die Nachbarbucht, um den dortigen Schlosser Adrian aufzusuchen.

Als wir in die Bucht einfahren, bemerken wir sofort die vergleichsweise riesige und vor allem noch ganz neu aussehende Mole. Gebaut, um größere Frachter zu bedienen aber bis auf den Ladekran gähnend leer. Ebenso wie die Förderanlage gegenüber und die (wie wir später noch sehen werden) neu gebaute 2-spurige Straße bis zum Flughafen. (Und überall sind blaue Schilder mit gelben Sternen drauf zu sehen.)

Wir machen das Dingi fest und wollen die paar Meter zu den Gebäuden der Straße entlang gehen. Wir werden durch Zurufen angehalten. In den Felsen ober der Straße werden Befestigungsarbeiten durchgeführt. Die Steilklippen oberhalb von Straßen und Wohnhäusern werden mit Drahtgittern verhangen, um die Menschen von herabstürzenden Steinen zu schützen.

Marchy, eine Seglerin, ruft uns zu und erklärt, dass wir nur zwischen 12:00 und 13:00 Uhr (während der Mittagspause) an der Baustelle vorbei können. Was aber macht Marchy auf der Mole?

Sie und ihr Mann sind mit der ALTHEA von Kapstadt gekommen. Während der Überfahrt ist allerdings die Propellerwelle gebrochen und dadurch Wasser ins Schiff gelaufen. Mit viel pumpen haben sie es nach St. Helena geschafft und sind hier aus dem Wasser gehoben worden. Zwischen Mole und einem Container eingezwickt liegt die ALTHEA nun auf dem Trockenen und wartet auf eine neue Welle. Die soll übrigens von eben dem Adrian kommen, der auch unsere Ersatzteile machen soll.

Es wird 12:00 Uhr und wir marschieren rüber. Im Büro der Schlosserei finden wir Rayon und seine Tante Veronica, Adrians Schwester, denen wir anhand der von Reiner angefertigten Zeichnungen erklären, was wir benötigen. Etwas schwierig, aber es klappt.
Rayon ist hier der „Planzeichner“, wobei sich das eher auf 3D Projektionen bezieht. Die Schnittzeichnungen der benötigten Scheiben kann er offenbar nicht so ganz lesen, anhand der mitgebrachten Muster aber dann doch erkennen. Ich spreche ihn auf sein T-Shirt an, und er erklärt voll Stolz, 5 Jahre lang Feuerwehrmann auf Ascension Island gewesen zu sein, bevor er nach St. Helena zurück kehrte.

Um die Sache vorweg zu nehmen: Wir haben oft telefoniert, sind mit dem Dingi und dem Leihwagen mal vorbei gefahren, haben viel versprochen bekommen und sind oft vertröstet geworden, haben aber am Ende leider kein einziges Teil erhalten. Schade!

Wir machen uns wieder auf den Rückweg, müssen wir doch vor 13:00 Uhr die Straße zur Mole passieren. Zurück in der Bucht von Jamestown, lässt uns Martin am Anleger aussteigen, fährt ein Stück raus, macht das Dingi fest und schwimmt an Land zurück.

Stadtrundgang ist angesagt. Ich treffe Reiner dann am oberen Ende von Jamestown wieder und wir gehen zusammen noch ein Stück weiter landeinwärts. Die Vegetation nimmt zu und zeigt uns seltsam anmutende und schöne Gewächsformen.

Dann sehen wir in einen Gemüsegarten, rufen dem Gärtner zu und er winkt uns hinein. Es ist Paul. Ein waschechter Insulaner und mit seinen 54 Jahren jüngster von 10 Geschwistern. Wir schwätzen ein bisschen und er gibt uns einen Sack voll reifer grüner Mangos mit. Geld will er keines dafür haben. Von dem Salat im Garten kann er uns leider nichts abgeben, da der wiederum seinem Freund gehört. Er meint aber, wir sollten am Donnerstag wiederkommen, da sei auch Pierre da.

Haben wir dann auch gemacht und sowohl Mangos, als auch Auberginen und frischen grünen Salat (diesmal aber natürlich gegen Bezahlung) bekommen. DANKE!

Sundown

St. Helena / 2. Tag

Sonntag. Am Morgen mussten wir SHAMBALA II erst einmal neu an der Boje vertauen, da sich die Boje unter das Boot und damit gefährlich nahe unter das Mittelschwert bewegt hatte.

Dann sind wir aber auch schon wieder an Land, zu Ann´s Place ins Internet und am Nachmittag in den Yachtclub von St. Helena zum Barbecue. Der Yachtclub ist direkt an der Mole und hat eine wunderbare Aussicht über die Bucht von Jamestown. Die Insulaner waren auch schon fleißig am Grillen als wir dort ankamen und der neue Kühlschrank wurde eingeweiht, sprich ausschließlich mit Bier gefüllt. Das Bier hier kommt klarer weise aus Südafrika.

Es gibt gegrillte Hühnerkeulen, Nudelsalat und Knoblauchbrot. Schmeckt alles sehr lecker, war nur ein bisschen wenig. Aber naja, die paar fehlenden Kalorien haben wir halt getrunken statt gegessen 😉. Ich hab mir dann noch ein Clubshirt gekauft (siehe Sundown) und schon ging es wieder zurück aufs Boot. Ein kurzweiliger Tag.

Sundown

St. Helena / 1. Tag

Es ist schon irgendwie lustig. Den Jahrestag unserer Ankunft in St. Helena können wir nur alle 4 Jahre feiern. Es ist Samstag, der 29. Februar 2020.

Gegen 08:00 Uhr wache ich als erster auf und schaue zuerst mal aus meinem Kajütenfenster: Hohe Steilklippen und andere Segelboote, die an den Bojen hängen; die Sonne scheint.

Raus aus der Koje und rauf an Deck. Ich sehe mich um und sehe auch gleich ein Kajak mit 2 Leuten auf uns zukommen. Es sind Hari und Irka von der MOJO, die mich auf St. Helena begrüßen und mir gleich die wichtigsten Infos in Sachen Inselleben vermitteln.

  • Wenn wir mit dem Dingi an den Landesteg fahren, muss jemand von uns wieder ein kleines Stück rausfahren, das Dingi an eine der unzähligen Leinen binden und an Land zurück schwimmen. Festmachen am Anleger geht wegen des Schiffsverkehrs und wegen der Tide nur ganz schlecht und ist auch bestimmt nicht gut fürs Dingi. Besser mit der Fähre übersetzen.
  • Die Fähre auf Kanal 16 rufen, fährt immer zur vollen Stunde zw. 08:00 und 20:00 Uhr
    Kostet 2.- Pfund pro Nase hin/retour und wird erst vor Abreise bezahlt.
  • Datenkarte extrem teuer und funktioniert nicht im Bojenfeld
    Am Besten in einem Lokal ein Datenvolumen (Onlinezeit) im WLAN kaufen.
    Zuerst alles vorschreiben (Emails, WhatsApp, usw.) und dann erst einloggen.
  • Bestes Lokal ist Ann´s Place gleich im Schloßpark; dort treffen sich auch alle Segler.
  • Einkaufen kein Problem, aber nur mit Bargeld möglich; britische wie St. Helena Pfund.
  • Zugang zur Port Control im weißen Gebäude mit dem kleinen Glockenturm an der Gebäuderückseite.

Das waren alles super Informationen. Am Ende kam aber dann doch noch eine etwas enttäuschende Meldung nach, nämlich, dass wir einen Tag zu spät angekommen sind, da gestern Abend auf der MOJO eine riesen Party für alle Segler des Bojenfeldes stattgefunden hatte ☹.

Aber jedenfalls DANKE nochmal an Hari und Irka für Ihre Informationen!

Zwischenzeitlich waren auch Reiner und Martin an Deck und wir machten uns bereit, auf die Insel überzusetzen. Den „Ferry Service“ auf 16 gerufen und kurz darauf waren wir unterwegs.

Sieht klein aus das Fährbötchen, hat aber viel Platz oder zumindest Platz genug, um die Segler mit ihren Sachen zu transportieren. „Doney“ ist der Skipper. Er zückt ein kleines oranges Heftchen, fragt nach dem Schiffsnamen und macht 3 Striche daneben; Buchführung auf der Fähre.

Am Anleger ausgestiegen (und die Seile hängen da nicht umsonst) und wieder Land unter den Füßen, das allerdings ein wenig schwankte. Wir müssen uns alle drei erst wieder an festen Boden gewöhnen. Wir sind also auf geradem Weg zur Port Control und haben den Eingang auch gleich gefunden. (Ohne Hinweis darauf, hätten wir ihn allerdings wohl länger gesucht.)

Im ersten Stock werden wir schon erwartet. Ein sehr netter junger Mann, dessen Namen ich nun leider vergessen habe, hatte schon alle Papiere für uns vorbereitet.
Die Kolleginnen vom Zoll, die nur ein Büro weiter sitzen, waren aber leider nicht da, da Samstags immer das Flugzeug aus Kapstadt kommt und sie dann am Flughafen sind. Sie kommen aber nach der Flugzeugabfertigung für uns nochmal zurück und wir sollen um 14:00 Uhr wieder her kommen.
Da das Immigration Office am Wochenende zu war, mussten wir eine provisorische Einreiseerklärung bei der Polizei ausfüllen. Dort hin hat uns der nette Mann dann noch mit seinem Wagen gefahren und – oh Zufall – seine Schwester hat die Formulare (immer unter Beobachtung Ihrer Majestät) für uns schon bereit gehabt. Er hat sie dann auch noch motiviert, ein Foto mit uns zu machen, da sie ein wenig schüchtern war (als Polizistin?). DANKE!

Bis nach der erfolgreichen Zollabfertigung darf man noch nicht offiziell in der Stadt herumlaufen, weshalb er uns dann auch noch zu Ann´s Place gefahren hat, das unmittelbar im Schlossgarten unweit der Zollstelle liegt. Und nochmals DANKE!

Dort gings dann auch gleich mal ins Internet, um zu Hause Bescheid zu geben.

Um 14:00 Uhr sind wir dann los zum Zollbüro. Dabei muss man am Schwimmbad vorbei, das direkt an der Uferpromenade liegt. Aber, im Customs Office war keiner da. Wir warten also. Beim Warten haben wir uns in den Schatten einer Bushaltestelle gestellt und dabei auch wieder Ellen und Michael von der SLEIPNIR III getroffen.

Gleich neben der Bushaltestelle war eine kleine Imbissbude, die von Tracy geführt wurde. Dort gabs außer Bier und Erfrischungsgetränken auch wunderbaren Tunfisch, frisch gebraten. Für mich hat´s aber ein Bier getan. Auf die Frage, was wir denn am Abend in Jamestown so machen könnten, erzählte uns Tracy, dass es Freitags und Samstags immer Disco an der Stadtmole gibt. Sie selber könne aber nicht hinkommen, da sie zwei Kinder aber keinen Babysitter für den Abend hätte. Auf die Frage des Alters der Kinder erfahre ich dann noch, dass Tracy von einer größeren Tochter auch bereits Großmutter ist. Großmutter? Da haben wir natürlich sofort Fotos von unseren Enkeln ausgetauscht; logo!

Zwischenzeitlich kamen auch die Damen vom Zoll an und wir hatten die Formalitäten in 5 Minuten erledigt. Für ein Foto waren sie allerdings nicht bereit, da sie – eigene Aussage – nach so einem langen Tag nicht mehr fotogen gewesen wären.

So, alles offiziell, also machen wir auch gleich einen kleinen Stadtrundgang.

Martin war schon mal voraus, ihm hatte das Warten zu lange gedauert, und ist währenddessen die Jakobsleiter rauf gestiegen; 15 Minuten, wie er uns später stolz erzählt. Die Jakobsleiter sieht von weitem aus, wie eine Seilbahn, ist aber das ganze Gegenteil davon. Eine schier endlose Stiege mit 699 Stufen. Einmal jährlich findet die Besteigung der Stiege im Zuge des „St. Helena Festival of Running“ in Form eines Wettkampfes statt. Der Rekord über die Stiege beträgt 5 Minuten und 33 Sekunden, wie auf dem Schild am Fuße der Treppe zu lesen ist. Wenn ich die Stufen hinaufblicke, denke ich mir allerdings, dass es sich hier wohl nur um einen Schreibfehler handeln kann. Bei dem Festival selber gibt es neben der Besteigung (Belaufung?) der Jakobsleiter auch noch einen Halbmarathon, einen Marathon, die Besteigung von „Dianas Peak“ (höchster Punkt der Insel mit 818m) und einen Triathlon zu absolvieren. Wer also quasi schon alles gelaufen ist, was es so gibt, der könnt hier noch einmal eine Herausforderung der Sonderklasse finden 😉

Da es wieder zu nieseln begonnen hat, nutzen Reiner und ich die Gunst der Stunde, die Stufen ohne Sonneneinstrahlung zu erklimmen. Ich beginne und merke auch schon bald, wo das Geheimnis der Stufen zu finden ist. Es ist die Stufenhöhe. Viel höher als gewohnt muss man steigen und damit auch sein Körpergewicht höher nach oben heben. Der Oberschenkel wird also – aus meiner bescheidenen Sicht – viel früher und stärker beansprucht als sonst auf einer Stiege gewohnt. Schon wenige Meter nach dem Start lege ich die erste „Fotopause“ ein. Reiner überholt mich natürlich und liegt damit uneinholbar voraus. Jedes mal wenn ich mich umdrehe und fotografiere, muss ich mich am Geländer halten, weil die Stufen so steil sind. Irgendwann erscheint rechts am Boden ein kleines Schildchen mit „Half Way“. Ich verfalle, dachte ich doch, schon viel weiter zu sein. Mit Händen und Füßen ziehe und schiebe ich mich nach oben und komme dort patschnass vom Regen (geschwitzt habe ich gar nicht?) nach 16 Minuten endlich an. Der Ausblick lohnt sich jedenfalls allemal.

Wir machen gleich noch einen Rundgang in der alten Burg, bevor wir uns wieder auf den Weg nach unten machen. Langsam, kann ich nur empfehlen. Einmal ausgerutscht dauert ziemlich lange bis zum Stillstand.

Nach einem Abendessen bei Ann´s geht’s mit der Fähre zurück aufs Boot und auch schon bald in die Falle. War ein langer Tag mit vielen Eindrücken.

Sundown

St. Helena Island Secret of the South Atlantic

Das ist der Schriftzug, der auf allen Prospekten und vielen T-Shirts zu finden ist, die es auf der Insel gibt. Und ich bin mir ganz sicher, es ist wirklich noch ein Geheimtipp mit vielen Geheimnissen, die es zu entdecken gibt, von denen ich euch das eine oder andere hier verraten oder zumindest erahnen lassen möchte.

Auf 16° südlicher Breite und 5° westlicher Länge inmitten des Südatlantiks erhebt sich ein kleiner Felsen mit steilen Klippen vulkanischen Ursprungs aus dem Wasser. Gerade mal 123,28km² groß kann man die Insel mit Ihren 15km x 11km wahrlich als die Stecknadel im Heuhaufen bezeichnen. Gefunden hat sie ein Portugiese namens Joao da Nova am 21. Mai anno domini 1502. Da an diesem Tag Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, Geburtstag hatte, benannte er die Insel nach ihr: St. Helena.

St. Helena blieb aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und Steilküsten bis ins 16. Jahrhundert unbewohnt, und nachdem es die Portugiesen aufgegeben hatten, wurde es um 1600 herum von den Holländern besetzt. Aber schon 1659 nahm die Britische Ostindien-Kompanie von der Insel Besitz und errichteten dort ein Fort; Jamestown. Die Kompanie errichtete viele Farmen, auf denen Schwarze und Chinesen arbeiteten und aufgrund der sicheren Lage diente sie zudem als Depot für Geld und Gold. Das brachte Händler und Wohlstand auf die Insel, die ein strategisch wertvoller Stützpunkt auf dem Seeweg nach Indien war.

Sklaven aus Indien, Südost Asien und Madagaskar sowie chinesische Arbeiter bildeten im 18. Jahrhundert den größten Bevölkerungsanteil. Die Briten schafften 1840 die Sklaverei endlich ab und brachten dann sogar mit einer Flotte der Royal Navy von St. Helena aus die Schiffe der Sklavenhändler auf, die die Schwarzen in Richtung Südamerika verschifften.

1869 war ein historisch, wirtschaftlich fatales Jahr für die Insel. Der Suez Kanal wurde eröffnet und die strategische Bedeutung von St. Helena als Stützpunkt für die Handelsschifffahrt erlosch in diesem Moment wie eine Kerze im Wind. Die Insel verfiel vom Reichtum in die Armut.

Die einzige Industrie, die es auf der Insel danach noch gab, war ab 1907 die Produktion und der Export von Flachs Fasern. Schlecht bezahlt und 1966 letztendlich wieder eingestellt brachte auch der Flachs den einstigen Reichtum nicht mehr zurück. Als „Krönung“ verloren die Inselbewohner im Jahre 1981 obendrein auch noch die britische Staatsbürgerschaft und das Recht, in Großbritannien zu leben. Aufgegeben wie ein altes Spielzeug, das man nicht mehr braucht.
Erst mehr als 20 Jahre später wurde das „Spielzeug wieder auf dem Dachboden entdeckt“ und anlässlich des 500-Jahr Jubiläums der Entdeckung der Insel die Bürgerrechte der Helenen 2002 wieder hergestellt.

Heute ist St. Helena zusammen mit Ascension (1.131 km nordwestlich) und Tristan de Cunha (2.442km südlich) ein Britisches Überseegebiet im Südatlantik. Auf St. Helena leben 4.425 Menschen (2019).

Die Hauptstadt ist Jamestown (629 Einw.). In der höher gelegenen Vorstadt Half Tree Hollow leben 984 Einwohner. Der Rest verstreut sich über die Insel. Es gibt 3 Grundschulen für 4-11 Jährige und die 1988 von der Prinz Andrew Community eröffnete High School ermöglichte erstmalig allen Kindern auf der Insel einen Schulabschluss auf „A-Level“ und damit Zugang zu Universitäten zu bekommen.

In Jamestown steht zudem das Saint Helena General Hospital, die einzige ärztliche Versorgungsstelle.

Es gibt 2 Wochenzeitungen, die jeweils am Donnerstag erscheinen und 2 Radiosender.

„Zahlungsmittel ist das St. Helena Pfund (1:1 mit dem Britischen Pfund, das auch als Zahlungsmittel gilt). Es gibt nur 1 Bank und keine Bankomaten auf der Insel. Kreditkarten werden nirgendwo angenommen. Man muss also zur Bank und Geld beheben oder vorsorglich schon zumindest ein paar Britische Pfund dabei haben.

Internet und Mobilfunk gibt es seit 2015. Das Datenvolumen für die gesamte Insel beträgt 50 Mbit/s. Der Anschluss an das Atlantik Glasfaserkabel scheitert zurzeit noch an den finanziellen Mitteln. Internet kann man sich als Tourist minutenweise kaufen. 30 Minuten kosten etwa 5.- EUR. Das Datenvolumen ist dabei unbegrenzt (zumindest der Anteil der 50 Mbit/sek. 😊) aber nur in der Nähe eines Hotspots nutzbar.

Per Satellit können 17 TV-Sender empfangen werden.

Der Strom wird zu 75% aus 6 Dieselgeneratoren gewonnen, etwa 20% aus Windenergie und der Rest aus Solartechnik.

Im Oktober 2017 wurde der Flughafen eröffnet, der 2018 immerhin schon 3831 Fluggäste auf die Insel brachte. Aufgrund seiner ungünstigen Lage (starke Schärwinde über die Klippen im NO der Insel) können aber nur kleinere Maschinen landen. Zurzeit kommt immer Samstags ein Flugzeug aus Kapstadt an.

Bis zu dessen Eröffnung war die einzige Möglichkeit die Insel zu besuchen aber auch mit Gütern zu versorgen das Postschiff. Die RMS ST. HELENA kam alle 3 Wochen aus Kapstadt und wurde am 18 Februar 2018 stillgelegt.
Der Güterverkehr wird (von geflogenen Waren abgesehen) nun mit dem 1x im Monat verkehrenden Frachtschiff HELENA durchgeführt.

Das beste an der Insel sind aber die Helenen selber. Sie sind freundlich, hilfsbereit und sehr gesprächig. Und was wohl am meisten auffällt ist, dass hier Jeder Jeden grüßt. Mit dem Heben der Hand, einem freundlichen Lächeln oder Kopfnicken oder gar ein paar netten Worten. Niemand geht oder fährt hier achtlos aneinander vorbei. Das gibt ein schönes Gefühl, hier fühlt man sich wohl.

Kurzbericht

Am 09.03.2020 am späten Nachmittag haben wir von St. Helena (eine spannende, schöne Insel, die es noch weiter zu erkunden gilt) abgelegt und Kurs auf Fernando de Norohna (eine brasilianische Insel) genommen. Ein paar Bilder aus St. Helena:

In Fernando sind wir am 22.03.2020 früh morgens angekommen. Wir durften aber wegen der Virusgeschichte nicht mehr einreisen und mussten wieder abfahren, nachdem wir Proviant aufgenommen hatten. Die Insel sieht aus wie aus einem Schatzsucher bzw. Piratenspielfilm und Delfine und eine Schildkröte haben uns dort nebst den Behörden auch begrüßt. Schade, dass wir dort nicht verweilen konnten.

Nun sind wir auf dem Weg nach Französisch-Guayana (ca. 2 Wochen) und dann weiter in die Karibik. Mal sehen, was uns dort erwartet. In Fortaleza in Brasilien gibts grade einen kurzen Zwischenstopp. Hier hat es über 30 Grad; Luft genauso wie das Meer!

Ich hoffe jedenfalls, dass ihr alle gesund seid, niemand in eurer Umgebung direkt betroffen ist, und dass ihr euch in der aktuellen Situation gut zurecht findet.

Uns geht es jedenfalls gut, wir haben genügend Vorräte, gutes Wetter und ein sehr gutes Schiff.

Mehr Infos und Bilder gibts, sobald wir wieder an brauchbares Internet kommen.

Wir lesen uns. Sundown

Land in Sicht

Mittwoch 26.02.2020: Es ist Aschermittwoch früh morgens, als wir den NULLMERIDIAN überqueren und uns damit „links“ von Greenwich oder besser gesagt in den westlichen Längengraden befinden. Von nun an werden die Längengrade wieder hinauf anstatt heruntergezählt. Wir befinden uns etwas mehr als 400nm vor St. Helena. Es ist also nicht mehr weit.

2 Tage später, Freitag der 28. Februar 2020: Um 13:28 Uhr schreibe ich ins Logbuch: „Offenbar hat die Nacht den ganzen Wind verbraucht [TW: < 10,0 kts]. Aber das Wetter ist schön, und die gute Stimmung ist ungebrochen. Brot wird gebacken und wir sind alle schon voller Erwartung, dass St. Helena vor uns auftaucht [Dist. to St. Helena: 57,4nm].

Um 16:04 Uhr ist es dann soweit. Ich schaue nach vorne, kneife die Augen zusammen, um mir sicher zu gehen, und dann rufe ich: „LAND IN SICHT!“ Am Horizont zeichnet sich etwas ab, das ganz deutlich keine Wolke ist. 30,7nm vor der Insel können wir sie klar erkennen, wie sie sich aus dem Südatlantik erhebt, die Insel St. Helena. Da kommt Freude auf. 11 Tage nach unserem Aufbruch aus Kapstadt liegt unser erstes Etappenziel unmittelbar voraus.

Bis wir das Eiland erreichen und Jamestown auf der NW-Seite anlaufen können, vergehen aber noch einige Stunden. Es wird dunkel und während der Ansteuerung beginnt es auch noch zu regnen. Schlechte Sicht, aber unsere Instrumente helfen uns durch die Regensuppe. Dann hört der Regen auch wieder auf und vor uns können wir die Lichter der Hauptstadt erkennen. Wir erreichen das Bojenfeld, auf das wir zusteuern und leuchten mit einer starken Lampe die Wasseroberfläche auf der Suche nach einer freien Boje ab. Gefunden und festgemacht; es ist genau Mitternacht.

Wir klatschen uns ab, und dann wird eine Flasche Champagner geköpft, die vorsorglich schon im Kühlschrank darauf gewartet hat, ihrer Bestimmung nachzukommen.

Spinnakersegeln

Die Reiseroute ist sehr bewusst so gewählt, dass der Wind hauptsächlich von achtern (von hinten) kommt. Das gibt eine meist kontinuierliche Welle und das Schiff schaukelt viel weniger, als wenn man mit halbem Wind (Wind von der Seite) oder gar auf Amwindkurs (Wind von vorne) fährt. Normalerweise muss so eine Überfahrt auch zur richtigen Jahreszeit gemacht werden, damit Windrichtung und Wetter passen. Im Südatlantik gibt es aber ein ganzjähriges Hochdruckgebiet, dass die Überfahrt nach Brasilien das ganze Jahr über ermöglicht. Zudem gibt es im Südatlantik nur sehr selten Stürme.
Dieses Hoch dreht sich gegen den Uhrzeigersinn und bringt uns daher von der Südspitze Afrikas mit Rückenwind genau nach Nordwesten. Und wenn der Wind nun nicht zu stark ist (< 25 kts), dann segeln wir am besten mit dem Spinnaker.

Das große und sehr leichte Vorsegel wird an seinen Schothörnern (das sind die unteren Ecken des Segels) mit Leinen (den Schoten) an den beiden Bügen „befestigt“ und mit den Steuerleinen seine Ausrichtung über eine Rolle von hinten geführt. Klingt ein wenig kompliziert, ist aber im Prinzip ganz einfach und gut zu handhaben. Der Wind bläst von hinten hinein und schiebt uns sozusagen über das Meer.
Das ist das perfekte Segeln auf langen Strecken. Solange, ja solange der Wind nicht zu schwach wird, um den SPI auch aufzublasen und oben zu halten. Wird der Wind zu schwach, in unserem Fall < 7 Knoten, fällt das Segel ein und bringt wenig bis keinen Vortrieb mehr. Wir würden also einfach nur mehr herumtümpeln und das Segel wird durch ständiges Öffnen und wieder einfallen auch stark beansprucht. In so einem Fall versuchen wir den Kurs zu variieren, damit das Segel etwas vorlicher und damit mit einer besseren Windanströmung gefahren wird. Wir kreuzen vor dem Wind im Zickzackkurs.
Dazu bedarf es dann auch einiger Tricks, um das Segel möglichst stabil so weit an der Seite zu führen. Hier kommt Reiner wieder ins Spiel, der mit Rollen und Gummizügen sehr erfinderisch und effizient ist.

Am Abend nach dem ersten SPI-Tag nehmen wir das Tuch wieder herunter und tauschen es gegen die Fock ein, da wir den Wolkenfronten nicht so ganz trauen. Und bei Tageslicht ist das doch bedeutend einfacher als nachts, wenn möglicherweise schon eine steife Brise weht.
Um den Spinnaker abzunehmen, muss er erst zusammengefaltet werden. Das passiert von oben nach unten, indem man einen langen Schlauch über das Segel zieht. An einer Leine wird dazu von oben nach unten ein Trichter, der „Hut“, über den Spi gezogen, und der wiederum zieht den Schlauch hinter sich her. Um den Hut dann umgekehrt beim Setzen des Segels auch wieder nach oben ziehen zu können, läuft die Endlosleine über eine Umlenkrolle ganz oben wieder in den Schlauch hinein.

Zuerst muss aber der Winddruck aus dem Segel heraus. Man lässt dazu die luvseitige Schot einfach lose und der Spi flattert halbseitig im Wind. Jetzt muss der Hut möglichst zügig heruntergezogen werden, damit das Segel geschont wird. Das hätte soweit auch gut funktioniert, wenn sich da nicht der Schlauch in die Umlenkrolle gezogen hätte und alles ins Stocken gekommen wäre. Hin und her gezogen, es geht nicht mehr vorwärts und auch nicht zurück. Also muss das Fall mit dem halb eingesackten SPI herunter gelassen werden und dann ab in die Kiste mit dem Segel. Repariert wird morgen.

Der Schaden ist tags darauf schnell begutachtet: Ein zerrissener Schlauch und ein ausgebrochener Hut. Stellt sich die Frage: Warum?
Der Abstand von der Segelkopfaufhängung zur Umlenkrolle muss vergrößert werden, um dem zusammengerafften Schlauch mehr Platz zu verschaffen, damit letztendlich die Umlenkrolle frei bleibt. Wenn´s also nur das ist!
Reiner holt die Nähmaschine heraus. Eine alte Husqvarna, mit der er, wie er sagt, schon seine erste Jollen Persenning genäht hat. Aus dem Schlauch wird das defekte Stück herausgeschnitten, ein kleineres Loch mit einem Flicken vernäht, und anschließend die beiden Schlauchteile wieder zusammengenäht. Dann noch eine Verlängerung für die Segelkopfaufhängung eingenäht und schon ist der SPI wieder einsatzbereit. Reiner dabei zuzusehen macht richtig Spaß, wie er die Stoffbahnen hin und herlaufen lässt, das Tuch unter der Nadel dreht, und zwischen Vor- und Rückwärtsgang umschaltet. Ganz offensichtlich macht er das nicht zum ersten mal 😊

Also meine Damen und Herren Seglerinnen und Segler. Nähkurs besuchen heißt die Devise für all jene, die das noch nicht können. Nähen ist essentiell auf einem Schiff auf Langfahrt!

Sundown

P.S.: Unser Kurs am Rosenmontag 😀

Mast- und Schotbruch

wünscht man den Seeleuten, wenn sie in See stechen. Aber natürlich ist damit genau das Gegenteil gemeint, nämlich dass genau das eben nicht wirklich eintreten soll. Man ist davor aber nicht gefeit.

21. Februar, 17:00 Uhr
Wir setzen unser neu geschnittenes Großsegel zum ersten mal. Um dazu nicht in den Wind drehen zu müssen (das wäre entgegen unserer Fahrtrichtung und dann müssten wir auch das Code-0-Segel einrollen), machen wir das vor dem Wind. Heißt, dass der Wind genau von hinten in das Segel bläst. Das funktioniert auch gut. Allerdings müssen wir das Segel relativ rasch hochziehen, weshalb wir die achterlichen Reffleinen nicht einbinden können. Das kommt auf die To-Do-Liste.

Ein schöner Anblick, wenn SHAMBALA II unter vollen Segeln steht.

Etwas später braut sich am Horizont eine Wolkenfront zusammen, und da wir die Reffleinen ja noch nicht fertig eingebunden haben, wird das Großsegel vorsichtshalber eingeholt. Dafür muss SHAMBALA II in den Wind gedreht werden. Mit dem Großbaum an Steuerbord reicht uns ein Windwinkel von etwa 30° aus. So kommt uns auch das Code-0-Segel nicht in die Quere, das weit über den Mast zurück reicht, und uns damit bei der Arbeit am Großsegel im Weg wäre, käme es in die Schiffsmitte. Zudem würde es auch noch killen. (Ein Segel „killt“, wenn es nicht vom Wind gefüllt wird und nur im Wind flattert. Das ist nicht nur schlecht für das Segeltuch, es kann dir dabei auch einen kräftigen Schlag verpassen und dich schwer verletzen.)

Der Skipper luvt an und lässt das Großsegel auf Amwindkurs sehr zügig herunter. Es fällt zwar etwas unschön, aber wie gewünscht, in den Lazybag. Als er das Schiff wieder abfallen lässt (der Bug wird wieder aus dem Wind gedreht), bricht die Rollanlage des Code-0-Segels auseinander! Das Segel hängt nun an der Unterseite nur noch irgendwie zufällig an der Reffleine. Eine heikle Situation, denn wenn sich die Leine ausfädelt, fliegt uns das Segel unkontrolliert um die Ohren.
Martin und ich stehen derweil am Vorschiff und sind etwas ratlos. An der Schot können wir das Segel nicht hereinholen, denn da ist zu viel Winddruck drin um es halten zu können. Würden wir die Schoten ausfieren, würde das Segel killen und uns die Schot mit einem Ruck wie nichts über die Reling ziehen. (Ein Segel killt, wenn das nicht straff gehaltene hintere Ende im Wind ausweht. Sind die Schoten ganz offen, schlägt es mit sehr viel Kraft hin und her.)
An das Vorliek kommen wir auch nicht ran, um das Segel von Hand zusammen zu raffen, da es etwa 1,5m vor uns auf dem Bugspriet befestigt ist. Wir sehen uns alle 3 an, und der Skipper beschließt, das Fall abzulassen. (Das ist das Seil, mit dem das Segel ganz oben auf der Mastspitze gehalten wird.) So würde uns der Wind das Vorliek in Richtung Vorschiff bringen und wir könnten das Segel händisch zusammenraffen.

Im selben Moment aber löst sich die Reffleine aus der abgerissenen oberen Hälfte der Trommel und der Segelhals (die untere vordere Ecke des Segels) samt oberer Reffrollenhälfte schießt wie ein Geschoß seitlich an uns vorbei und weht an Steuerbord aus. Glück im Unglück, dass uns das nicht getroffen hat und auch nicht in die Frontverglasung von SHAMBALA hineingeflogen ist. Puh!!!

Nun sind Martin und ich an der Reihe. Der Winddruck ist raus aus dem Segel und wir können es mit der Schot zu uns ziehen und zusammenraffen. So hängt es nun seitlich am Boot herunter und wir sichern es mit der herumgeschlagenen Schot an der Mittelklampe. Nun erst mal kurz durchatmen, sammeln, überlegen und beschließen, wie wir weiter vorgehen. Zuerst wird der Segelkopf (das obere Ende) abgelassen und auf dem Vorschiff gesichert (festgebunden). Danach muss der Rest vom Segel aus dem Wasser gezogen und an Bord gehievt werden.
Die Reffanlage wird abmontiert und das Segel in einen Segelsack gepackt und in einer der großen Backskisten am Vorschiff verstaut. Dann holen wir den Bugspriet ein und bauen auch noch den Unterteil der Reffanlage ab.

Wir setzen die Fock (das ist das kleine Vorsegel) und alles ist wieder in Ruhe. Dann klatschen wir uns ab, denn das war schon eine sehr heikle Situation, die wir zusammen aber sehr gut gemeistert haben. Mit viel Glück aber auch, dass niemandem von uns etwas passiert ist, und auch SHAMBALA, vom kaputten Segel einmal abgesehen, unbeschadet geblieben ist.

Dann werden die kaputten Teile der Reffanlage noch begutachtet. Wie das möglich sein kann, dass so etwas auseinander bricht, ist uns völlig unklar, und doch ist es passiert.

Bilder von der Geschichte kann ich euch leider keine anbieten. Ans Fotografieren haben wir dabei nicht gedacht und hätten ja auch gar keine Hand frei gehabt 😉

Hier aber noch ein Bild von den beiden auseinander gebrochenen Reffrollenhälften:

Aus dem Ruder gelaufen

Hatten wir doch schon mal? Tja, das kommt eben auch auf den besten Schiffen vor. Neuerlich zeigt nachstehendes Beispiel, wie wichtig es ist, dass jemand Wache hält, und man sich nicht unbeirrt auf die Technik verlässt.

19. Februar vormittags. Reiner hat Wache und bemerkt, dass das Schiff abfällt (es fährt eine Kurve auf die dem Wind abgewandte Seite). Der Autopilot, der den Kurs halten sollte, ist offenbar ausgefallen. Reiner steuert händisch auf Kurs zurück und schaltet den Autopiloten wieder ein; funktioniert wieder. Er gibt Anweisung, dass wir das im Auge behalten müssen, da das schon einmal vorgekommen ist.

Dabei waren wir uns sicher, das Problem schon vor der Abfahrt gelöst zu haben. Eine fehlende Ruderlagenrückmeldung hatte den Autopiloten damals ausgeschalten. Wir haben deshalb den Ruderlagengeber anders in den Datenbus eingebunden und zusätzlich eine Stützbatterie eingebaut, um eventuellen Spannungsschwankungen vorzubeugen, aber das war es wohl nicht.
Frage an Xaver und Leni: Was bitte ist denn ein „Datenbus“?
Ein Autopilot, der sich unmotiviert ausschaltet, ist keine ungefährliche Sache. Wenn das Schiff zu sehr vom Wind abfällt, können die Segel mit einem enormen Ruck umschlagen. Bei so einer „Patenthalse“ werden ganz enorme Kräfte frei und es kann wirklich viel kaputt gehen. Fährt das Schiff unter Spinnaker in den Wind, fällt er ein und kann an der Takelage aufreißen, oder das Schiff kann in der Welle querschlagen. Die Kursabweichung ist dabei das allergeringste Problem.

21. Februar ca. 23:00 Uhr. Reiner weckt mich. Der Autopilot ist wieder ausgefallen und schaltet sich nicht mehr ein. Als ich auf die Brücke komme, steuert Martin das Boot bereits von Hand und Reiner versucht in den Unterlagen einen Anhaltspunkt zu finden. Wir beraten uns, versuchen Steckkontakte am Datenbus zu bewegen, um einen ev. Wackelkontakt auszumachen, und messen die Spannung am Hydraulikpumpenmotor. Dann plötzlich läuft der Antrieb wieder, keine Ahnung was war. Ich führe das auf die Steckkontakte zurück und in dem Moment fällt der Antrieb auch schon wieder aus. Das geht so noch ein paarmal, bis wir den Fehler auf den E-Motor der Hydraulikpumpe reduzieren können.
Reiner ist gut ausgerüstet und holt einen Ersatzmotor. Schnell mal provisorisch angeschlossen und getestet: Läuft! Also wird der Motor gewechselt. Das geht relativ rasch und der Autopilot übernimmt die Steuerung wieder. Geschafft, super Teamarbeit!
Danach sehen wir uns in aller Ruhe den defekten Motor an. Das Ergebnis, ein Klassiker: Die Schleifkohlen sind zu Ende. Aber man kann die Kohlen noch einmal nachsetzen und bei Gelegenheit erneuern. Damit gibt es auch wieder einen Ersatzmotor für den Ersatzmotor und das Rätsel um die unmotivierten Ausfälle des Autopiloten sollte nun auch gelöst sein und ein Ende haben.

Aber wir sind vorgewarnt und immer wachsam.

Unterwegs

Der Bootsalltag hat mich wieder. Der Tag beginnt für mich nach Mitternacht, meist gegen 01:00 Uhr, wenn ich meine Wache antrete. Ich stelle keinen Wecker, denn der Skipper weckt mich, bevor er in seine Koje geht.
Nachts ist es kühl. Also lange Hose, und langärmeliges Shirt anziehen. In die Bootsschuhe schlüpfen, falls ich raus muss, und eine Jacke richten. Dann rauf auf die Brücke.
Rundumblick: Wetter, Welle, Instrumentenanzeigen. Die Salingleuchten einschalten (auf das Vorschiff gerichtete Scheinwerfer am Mast) und Besegelung und Vorschiff nachsehen. Der Kurs wird kontrolliert, und mittels AIS (das kennt ihr ja schon) ob sich andere Schiffe in unserer Nähe befinden. Danach schreibe ich das Logbuch.
Die Kontrollen wiederholen sich laufend. Ab und zu schalte ich einen Bugscheinwerfer ein und beobachte, wie SHAMBALA durch das Wasser gleitet, wie sie sich hebt und wieder in die Welle taucht. Dann schnappe ich mir einen Apfel oder eine Karotte, oder auch mal ein paar Salzcracker zum Naschen.

Ruhig ist es übrigens nie auf einem Schiff in Fahrt. Das Rauschen des Wassers, das Knistern und Knacken der Einbauten, dass Donnern einer Welle an die Seite oder das Grollen, wenn die Welle unter der Brücke anschlägt. Das Knacken einer Schot in der Winch und das ständige Summen der Hydraulikpumpe des Autopiloten; das alles sind die Schiffsgeräusche, die in jedem Schiff anders sind. Schnell gewöhne ich mich wieder daran und wenn es auch viele Geräusche sind, fällt es sofort auf, wenn etwas Außergewöhnliches dabei ist. Es lässt dich aufhorchen und du gehst dem Geräusch nach; Rundumkontrolle. Dazwischen kann ich etwas lesen oder ich schreibe am Blog.
Die Zeit vergeht schnell und gegen 04:00 oder 05:00 Uhr wecke ich Martin, der die Frühschicht übernimmt und ich lege mich wieder in die Falle.

Mit dem Aufstehen am Morgen ist es dann nicht so genau. Zwischen 09:00 und 10:00 Uhr werde ich wach und schaue zuallererst mal durch meine beiden Kabinenfenster auf das Meer hinaus. Dazu muss ich mich noch nicht einmal aufrichten, weil die Fenster in Polsterhöhe sind. Ich liege damit nur ein paar cm über der Wasserlinie und kann gleich mal Wetter und Welle beobachten. Das ist das eindeutig bessere Frühstücksfernsehen.

Waschen und anziehen; tagsüber reicht kurze Hose und T-Shirt völlig aus. Wenn ich dann rauf gehe, steht das Frühstück schon bereit. Martin verwöhnt uns täglich mit einem Früchtecocktail, in den ich nur noch das von ihm selbst zusammengestellte und geschredderte Müsli geben muss. Noch Teewasser aufgesetzt, und fertig.

Nach dem Frühstück kommt dann Wirbelsäulen- und Rückenmuskeltraining. Die Übungen mache ich meist mit Reiner zusammen, den leider auch der Rücken quält. Wir haben unsere Übungen zu einem anregenden Programm kombiniert, das mich schon ein bisschen fordert. Meine Rückenschmerzen halten sich dadurch in Grenzen bzw. merke ich kaum noch etwas davon. Meine Physiotherapeutin wäre stolz auf mich. Liebe Grüße an dieser Stelle an Barbara und viel Erfolg mit dem neuen „Physio Fit Studio“!

Am Ende des Übungsprogrammes legt Reiner dann noch vor: 10 Klimmzüge ohne Bodenberührung. Bis dato schaffe ich gerade mal eben irgendwie einen halben. Aber es ist ja noch ein bisschen Zeit bis Grenada 😉

Dann findet sich immer etwas, an dem wir arbeiten. Ich bin beispielsweise immer noch nicht ganz durch mit der Bootselektrik. Die Unterwasserscheinwerfer müssen noch umgeschalten werden (wenn ich nur endlich die Klemmstelle finden würde), und der Zusatzgenerator ist auch noch nicht am Netz.

Zudem muss auch auf dem Schiff der Haushalt erledigt werden. Putzen, Staubsaugen und Wäsche waschen. Dazu hat SHANBALA II auch eine Waschmaschine, die ebenso über die Solarpaneele versorgt wird und damit auch während der Überfahrt zur Verfügung steht.

Überhaupt sind auf dem Schiff an jeder Ecke ganz normale 230V Steckdosen zu finden, die über einen Wandler von den Solarpaneelen gespeist werden. Zusätzlich noch 24V_ und 12V_ Steckdosen und USB-Auslässe. Strom in allen Varianten und überall wo man ihn braucht.
In der Küche gibt es deshalb auch alle möglichen Küchengeräte bis hin zum Mikrowellen- Heißluftherd. Luxus in der Pantry.

Und auch der Besuch beim Barbier und bei der Maniküre und Pediküre muss erledigt werden:

Zwischendurch schreibe ich ins Logbuch unsere Schiffs-, Wetter- und Positionsdaten und besondere Vorkommnisse oder erwähnenswerte Dinge wie beispielsweise:
23.02.2020 11:45 Uhr: Kurs: 300° in Pos. 25° 30,76´S / 005° 37,70´E
SOG: 6,5 kts, Baro: 1.016 hPa ->,  3/8 Wolken
TWS: 16,5 kts / 163° BB, Segel: Fock
Distance to St. Helena: 852nm
…. Trotz einiger Missgeschicke in den letzten Tagen ist die Stimmung an Bord sehr gut. Auch Wind und Wetter meinen es gut mit uns. Wir segeln im Moment über die „Valdivia Bank“.

Die Valdivia Bank ist ein Unterwassergebirge. In einer Tiefe von 5.000m erhebt sich ein Gebirge mit 4.000m Höhe. Wenn wir über diesen Gebirgsrücken segeln, haben wir also „nur noch“ 1.000m Wasser unter uns, bevor der Berg wieder 4.000m tief auf den Meeresboden des Südatlantik abfällt.

Ab und zu gibt es dann mal ein Powernäpchen und schon ist es wieder Abend und die Gerüche aus der Küchenecke berauschen die Sinne. Martin bekocht uns echt hervorragend und abwechslungsreich. Zum Hauptgericht gibt es außerdem Salat und 2- 3x die Woche leisten wir uns auch ein kleines Bierchen.

Was es bisher allerdings noch nicht gab, ist Fisch. Und so sehr wir uns auch bemüht haben, den besten Köder und die beste Leine zusammenzustellen, es ist nichts geworden. Natürlich sind wir oftmals viel zu schnell unterwegs für die Fische (bis zu14 Knoten durch das Wasser), aber es gibt ja auch windschwächere Zeiten, in denen aber ebenso an allen 3 Leinen absolut nichts gebissen hat ☹

Gequatscht wird über dies und das den ganzen Tag lang und beim Abendessen natürlich auch. Und schon ist es wieder spät und ich verziehe mich so gegen 21:00 Uhr als erster unter Deck, um für meine Wache ausgeschlafen zu sein.

Sundown

Aufbruch (reloaded)

Es ist Montag der 17. Februar 2020. 17:00 Uhr: Klar Schiff!

Nochmals Seeventile und Ölstand kontrolliert, Luken geschlossen, Motoren angelassen und eine Leine nach der anderen losgeworfen. Wir rufen über Funk die Brückenwache und ersuchen um Öffnung der Hafenausfahrt. Um 17:45 Uhr ist es dann soweit. Langsam erhebt sich die Hubbrücke und gibt den Weg frei. Im Hintergrund beginnt sich auch schon die Drehbrücke zu öffnen und wenige Minuten später passieren wir die Ausfahrt und sind draußen im Südatlantik.

Am Hafentower geben wir der Port Control via VHF 14 noch Bescheid, dass wir den Hafen verlassen und uns auf den Weg nach St. Helena machen. Over and Out!

Und draußen geht es auch gleich ein wenig zur Sache. Wind mit bis zu 40 Knoten (75km/h), kurze hohe Wellen und selbst ohne Segel machen wir noch Fahrt von über 5 Knoten. Wir setzen die Fock und steuern vorbei an „Robben Island“. Die ehemalige Gefängnisinsel von Nelson Mandela, beherbergt heute ein Museum.

Nun ist es vorbei mit kurzer Hose und T-Shirt. Lange Hosen und Pulli sind angesagt. Der Wind weht kalt von hinten und Kapstadt wird im Heckwasser immer kleiner.

Später wird die See etwas ruhiger und der Wind legt sich ein wenig. Wir setzen außer der Fock noch das Code-0-Segel und fahren mit dem „Schmetterling“ gute 10-12 Knoten. Ein richtig schnelles Mädchen, das macht Spaß!

Wir werden von der immer noch etwas aufgepeitschten Welle ziemlich durchgeschüttelt und mir wird ein wenig flau im Magen. Martin kocht uns Chicken Curry, denn mit leerem Magen segelt es sich nicht gut. Ich klebe mir vorsichtshalber noch ein Segelpflaster hinters Ohr und schlafe eine Runde. Danach geht es mir wieder gut und ich übernehme auch gleich die erste Wache.
In LANGEBAAN (etwa 60nm nördlich von Kapstadt) lassen wir dann gegen 03:00 Uhr morgens den Anker noch einmal fallen, da wir tags darauf das Unterschiff noch reinigen wollen. Ankerwache am Plotter eingestellt und ab in die Falle. (Der „Plotter“ ist das elektronische Allroundgenie eines Schiffes und ist wie der Bildschirm eines Laptops, der uns alles Mögliche anzeigt und auf verschiedene Geräte und Apps zugreift. Eine äußerst gute technische Unterstützung.)

Früh morgens verlegen wir den Ankerplatz in der Hoffnung, dass das Wasser dort etwas wärmer ist, noch einmal weiter in die Bucht hinein. Aber auch dort nur 17°C ☹

Martin und Reiner steigen in die Neoprenanzüge und reinigen mit großen Spachteln die Rümpfe und Propeller von sich angelagerten Gewächsen.

Und auch die Logge wird ausgebaut und gereinigt. Die Logge ist ein kleines Wasserrädchen, dass durch eine Öffnung im Rumpf nach außen geschoben wird. Bewegt sich das Schiff, dreht sich auch das Rädchen und gibt uns die Geschwindigkeit des Schiffes durch das Wasser an.
Abdrift und Strömungen lassen uns aber mit einer anderen Geschwindigkeit (mal schneller und mal langsamer) über Grund fahren. Die tatsächliche Geschwindigkeit über Grund (wie schnell wir uns über dem Meeresboden bewegen) wird aus unseren GPS-Positionen ermittelt.

Alles in allem ist die Reinigung eine kalte Angelegenheit, die aber wenigstens 1 Knoten (= 1nm/Std.) mehr Fahrt bringt. Das sind etwas mehr als 10% unserer durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit, was sich auf 5.000nm schon bezahlt macht.

17:40 Uhr: Ein letztes Email mit unseren Schiffs- und Besatzungsangaben geht an den Hafenmeister von St. Helena, dass wir voraussichtlich am 28. Februar dort eintreffen werden.

Sundown

Angekommen (reloaded)

Mein Taxifahrer vom Flughafen in die Yachtmarina heißt „Rocky“ und gibt mir gleich einige Anregungen, wo man als Tourist hingegen müsse. Als ich ihm sage, dass ich Segler bin und mit einem Segelboot über den Atlantik fahren werde, ist er enttäuscht, dass er mich nicht herumfahren kann in den nächsten Tagen. Besonders erstaunt ist er, als ich ihm auf seine Frage hin erkläre, dass wir unsere Reise ganz ohne Frauen und Alkohol machen. Das versteht er gar nicht.

In der V&A Waterfront Marina angekommen, gehe ich gleich zum Schiff. Da liegt sie vor mir am Steg. SHAMBALA II heißt sie und macht in jedem Fall Eindruck. Reiner, der Eigner, ist schon an Bord. Er ist etwa 2 Stunden vor mir angekommen. Wir sehen uns das Boot zusammen an, Reiner gibt mir Bettwäsche und Handtücher, zeigt mir meine Koje und schickt mich anschließend als erstes gleich mal auf Erkundungstour durch das Schiff. „Schau überall hinein, und mach alle Laden und Luken auf, damit du gleich weißt, wo was ist.“ sagt er, und so mache ich es auch.

SHAMBALA ist ein tolles Boot, und wurde von Reiner selbst konstruiert. Sie ist nicht nur groß (55 Fuß), sie ist ein richtiges Prachtstück mit ganz vielen tollen Details. Am markantesten ist wohl der Frontsteuerstand, der die Bedienung des „laufenden Gutes“ (seglerisch für alle Leinen) von innen ermöglicht. Mit 2 Türen vom Koch- und Wohnbereich zwar abgetrennt, durch die absenkbare Verglasung aber voll integriert und man kann durch die ebenfalls absenkbaren Frontfenster direkt auf das Vorschiff gelangen.

Meine erste Aufgabe ist es, einige Bilgepumpen mit zusätzlichen Schwimmerschaltern auszurüsten, da die integrierten Automatikschalter offenbar nicht zuverlässig funktionieren. Damit steige ich auch gleich in die Erkundung der Bordelektrik ein, die mich mit einigen Umbauten und Nachträgen sowie deren Dokumentation in den Schiffsunterlagen in den nächsten Tagen noch beschäftigen wird.

In der Marina tummeln sich einige Robben und Seelöwen, die zeitweise direkt auf den Stegen liegen und böse pfauchen, wenn man vorbei geht. Schön ist es aber allemal, wenn ich direkt vom Bett aus auf den Steg schaue und so eine Robbe keine 2 m von mir entfernt quasi neben mir schläft.

Am Montag den 10.02.2020 stößt dann noch Martin (ein gebürtiger Deutscher, der in Singapur lebt) zu uns. Damit sind wir komplett. Martin beschäftigt sich vorrangig mit der Verproviantierung und stellt sich auch als exzellenter Koch heraus. Reiner selbst ist einer von diesen Tausendsassern. Er baut an vielen Ecken und Enden gleichzeitig an der ständigen Verbesserung von SHAMBALA II und hält uns mit immer neuen Aufgaben und Anregungen auf Trab. Aber es sind schöne Arbeiten, die wir hier verrichten und so lernen wir das Schiff tagtäglich besser kennen.

Was das Essen anbelangt, befinden wir uns auf einem Boot, auf dem sehr bewusst und möglichst natürlich gekocht und gegessen wird. Weshalb es für Martin auch nicht immer leicht ist, die richtigen Lebensmittel zu bekommen.
Laura, die Frau von Reiner und gute Seele des Bootes und der Küche, kann uns leider nicht auf der Überfahrt begleiten. Sie ist nicht ganz auf dem Damm und wird dann hoffentlich in Fernando de Noronha zu uns stoßen. Sie gibt uns aber laufend Informationen via Skype und WhatsApp. Gute Besserung von dieser Stelle aus!

Morgens jedenfalls gibt es Müsli (selbstgemacht und geschreddert von Martin) mit vielen Früchten. Tagsüber meist Snacks wie Apfel, Banane oder ähnliches. Abends wird meist an der Waterfront ein Restaurant aufgesucht.

Platz ist wirklich viel auf SHAMBALA II und unter anderem gibt es einen Kühlschrank, einen Gefrierschrank und eine große Kühltruhe. Damit sind wir auch schon bei meinem ersten groben Patzer angelangt. Bei der Programmierung der Zeitschaltuhr habe ich die Kühltruhe auch gleichzeitig etwas kälter eingestellt, was sie dann aber in eine Gefriertruhe verwandelt hat, was wiederum dem darin enthaltenen Frischgemüse teilweise natürlich nicht gut getan hat. Drauf gekommen sind wir aber leider erst nach der Abfahrt und somit hatten wir auch keine Chance mehr, die Lebensmittel nochmals aufzufüllen. Schöne Bescherung! Martin hat es aber wieder gut gemacht, und alles genial verkocht.

Am Mittwoch kommen die für Dienstag angesagten Segelmacher und verpassen uns das geänderte Großsegel samt neuem LazyBag und schlagen auch das Vorsegel an. Die von Reiner mitgebrachte Anti-Torsion-Leine für das Code-0-Segel (ein leichtes und besonders großes Vorsegel) wurde ins Vorliek gezogen und die Kauschen verpresst. Nun sind wir auch segeltechnisch gut ausgestattet und es kann jederzeit los gehen. Aber noch sind unsere Arbeiten nicht abgeschlossen und es muss auch noch einiges auf- und weggeräumt werden.

Die Vorarbeit für die nun für Samstag Nachmittag angesetzte Abreise beginnt wie immer mit den Behördenwegen. Nur gut, dass es hier schon einige Erfahrungsberichte gibt und uns ein ebenfalls abreisendes, aus Deutschland stammendes und in Australien lebendes Paar noch einige Anregungen und Hinweise gibt. Danke an Ellen und Michael von der SLEIPNIR III. Die beiden fahren über St. Helena in die Ostsee hinauf. Siehe auch: www.sailblogs.com/member/sleipnir3/


Wie immer sind die Behördenwege dennoch verworren und nicht ganz nachvollziehbar, aber nach einigen Stunden am Freitag haben wir es geschafft. Bleibt noch Zeit, ein Segelleinen- und ein Fischereigeschäft aufzusuchen, um noch ein paar Einkäufe zu machen.

Beim Abendessen stellen wir dann aber fest, dass wir nicht mit dem Wetter gerechnet haben. Sonntag schlägt das Wetter um und bringt, was für die Region absolut außergewöhnlich ist, Nordwind und Flauten. Wir stornieren unsere Ausreisepapiere daher nochmals und machen das ganze Prozedere am Montag vormittags erneut.

Das bringt uns die Chance, noch einiges fertig zu stellen, das Schiff nochmals zu reinigen und auf eine Kunstausstellung zu gehen. An der Ausstellung nehmen auch Objekte von Reiners Tochter und deren Freund teil.

Den letzten Abend verbringen wir (mehr zufällig als geplant) im „GOLD“. Sicherlich eines der besten afrikanischen Lokale in der Stadt. Neben einem sehr umfangreichen Speisenprogramm (in kleinen Schüsseln werden insgesamt etwa 20 verschiedene Gerichte serviert), gibt es noch ein tolles Rahmenprogramm mit Stammesgesängen, Ausdruckstanz und ursprünglichen Gewändern. Und wer sich nicht wehrt, bekommt auch eine Bemalung ins Gesicht.

Kapstadt (reloaded)

Kapstadt ist eine der 3 Hauptstädte Südafrikas und beherbergt das Parlament. Die Regierung selbst sitzt in Pretoria und das oberste Berufungsgericht in Bloemfontain.
Die beiden größten Städte des Landes sind Johannesburg (4,4 Mio. Einwohner 2011) und Kapstadt (3,7 Mio. Einwohner 2011). Heute beherbergt Kapstadt etwa 4,3 Mio. Einwohner. 1995 waren es noch 2,4 Mio.) Übrigens liegt das Königreich LESOTO vollständig in Südafrika und hat daher keine anderen Nachbarn.

Kapstadt hat seinen Namen nach dem südlichen Wendepunkt der Schiffe auf Ihrer Reise nach Indien erhalten, es liegt aber nur in der Nähe des „Kaps der guten Hoffnung“, das etwa 45km südlicher liegt. Und selbst dieses ist nicht der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents, das ist das Kap Agulhas, welches noch weiter südöstlich liegt.

Ursprünglich wurde das Gebiet um Kapstadt von den SAN und den KHOIKHOI bewohnt. 1652 gründeten die Holländer an dieser Stelle einen Stützpunkt für deren Ostindien Kompanie. Das sich die Ureinwohner weigerten, für die Besatzer zu arbeiten und Handel mit ihnen zu treiben, holten diese sich Sklaven aus Madagaskar, Malaysien und Indonesien. Die sich dadurch ergebene Durchmischung von Afrikanern, Europäern und Asiaten begründete die heutige farbige Bevölkerungsschicht (Cape Couloureds).

Etwa 150 Jahre später (1806) eroberten die Engländer die Stadt. Am 13. August 1814 wurde die Stadt zur Britischen Kronkolonie erklärt und damit die Sklaverei abgeschafft.

Die 1901 aufkommende Beulenpest veranlasste die Regierung unter diesem Titel die Rassentrennung einzuführen. Damit wurde der Unterschied zwischen arm und reich = schwarz und weiß erst richtig spürbar. Zuerst was Wohnen und Hygiene und später alles sich daraus Ergebende anbelangt. So nahm die Apartheid ihren Gang und wurde exzessiv von der weißen Oberschicht betrieben. Die Schwarzen wurden in Randgebiete vertrieben, wo die Townships – Wellblechhüttendörfer – entstanden. Mit dem Wachstum der Stadt wurden diese oftmals neuerlich umgesiedelt.

Erst 1986 wurde die Wende eingeleitet und am 11.Februar 1990 durfte NELSON MANDELA wenige Stunden nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft seine 1. öffentliche Rede halten.

Kapstadt hat sich seit dem Ende der Apartheid wohl sehr gewandelt, sichtbar ist sie aber wo man hinschaut quasi immer noch. Elektrische Zäune, Stachelbanddraht, Alarmanlagen und unzählige Securitys.

In den Restaurants sitzen fast nur Weiße an den Tischen und die Angestellten sind fast nur Schwarze. Ich selber hab zumindest keinen weißen Kellner gesehen. „Melvin“ ein Kellner aus Simbabwe erzählte uns auf Nachfrage zudem, dass die meisten Angestellten aus anderen Ländern kämen, da die südafrikanische Bevölkerung nicht sehr motiviert und zuverlässig sei. DAS ist aber nur Hörensagen!

Ich selbst kann ja nicht unterscheiden, woher die Schwarzen kommen, die ich treffe, mir gegenüber waren jedenfalls alle immer sehr freundlich, gesprächig und engagiert. Ich habe mich hier nie unsicher gefühlt und speziell hier an der Waterfront (touristisches Zentrum im Hafen mit vielen Geschäften und Restaurants, sowie Straßenmusikern und dem weithin sichtbaren „Capewheel“) kann man sich nur wohl fühlen.

Da ich erst vor 7 Monaten mit einer Reisegruppe hier war (liebe Grüße euch Allen!), habe ich mich auch rasch zurecht gefunden. So habe ich mich auch nicht erschreckt, wenn JEDEN Tag um 12:00 Uhr die „Noon gun“ abgefeuert wird. Diese Kanone steht auf dem Signalhill und wird seit 1806 jeden einzelnen Tag (ohne Kanonenkugel natürlich) abgefeuert, um den Seeleuten zu ermöglichen, dass sie ihre Chronometer richtig justieren, um best möglich navigieren zu können 😊.

Die Noongun im Juli 2019 von mir fotografiert.

Übrigens, an alle, die den AFFOGATO beim Wirt am Platzl lieben und schätzen. Den gibt es hier auch, allerdings als AFROGATO. Liebe Grüße an die ganze Belegschaft vom Wirt am Platzl von dieser Stelle aus!

Die Preise hier sind in Südafrikanischen Rand angegeben!

Kapstadt ist jedenfalls eine Reise wert. Kultur, Geschichte, Menschen, der Tafelberg und das Meer lohnen gesehen und erlebt zu werden.

Auf zu neuen Ufern

Obwohl, so neu sind die Ufer gar nicht. War ich doch erst im Juli letzten Jahres in Kapstadt. Aber alles der Reihe nach:

Ich sitze gerade im Zug und bin mit meiner Segeltasche mal wieder unterwegs zum Flughafen in Wien. Erneut bin ich für ein paar Monate unterwegs und trotz der Vorfreude etwas sentimental beim Abschied von Familie und Freunden.

An der Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich das Bahnfahren mittlerweile wirklich zum angenehmen Reisen entwickelt hat, was mit ein Grund ist, die Bahn für die Anreise zum Flughafen einer stressigen Autofahrt mit Parkplatzsuche und eventuellem Stau eindeutig vorzuziehen.
Mal ganz abgesehen von den netten ZugbegleiterInnen, die mit Charme und einem freundlichen Lächeln die Reise gleich zu Anfang versüßen. So wie die nette Andrea auf dem Bild.
In St. Valentin steige ich um, und kurz nach der Abfahrt ertönt eine freundliche Stimme über die Lautsprecher: „So meine Lieben, wir befinden uns im Railjet nach Wien-Flughafen und unsere nächste Station ist Amstetten. Ich wünsche euch allen eine angenehme Reise; eure Steffi Ochsner.“ Na, wenn man da nicht gerne Zug fährt.

Die Reise führt mich diesmal nach Südafrika, genauer gesagt nach Kapstadt. Dort liegt die Shambala II, ein 16m Katamaran, 2019 gerade erst vom Stapel gelaufen, in der Marina an der Waterfront.

Die Shambala II fährt mit dem Eigner und 2 Mann Besatzung über den Südatlantik, bis in die Karibik hinauf. Und einer davon darf ich sein.

Die etwa 5.500 Seemeilen (~ 10.000km) lange Reise führt uns von Kapstadt über St. Helena, Fernando de Noronha und Französchisch-Guyana nach Grenada in der Karibik. Dafür sind – mit Aufenthalten – etwa 2 Monate geplant. Ablegen werden wir nächste Woche.
Und was danach passiert, das weiß ich noch nicht so genau. Ist aber im Moment auch noch nicht so wichtig. Jetzt erstmal die Überfahrt über den Südatlantik.

Mittlerweile bin ich in Wien am Flughafen und sitze – dank eines großzügigen und sehr lieben Menschens – in der Business Lounge. Dort wird man mit allerlei Kulinarik und Getränken jeder Art verwöhnt; all in natürlich. Und ist die Schlange noch so lange, anstellen muss ich mich mit einem Businessticket nicht. Da kann man an der Schlange vorbei gehen.

Und nun um 00:15 Uhr bin ich auch schon in Doha auf Zwischenstation. Mein Weiterflug geht um 02:05 Uhr Ortszeit und kommt dann morgen um 11:20 Uhr in Kapstadt an.

Auf zu neuen Ufern.

Nachtrag in Sachen Postpaket

Ihr erinnert euch vielleicht ja noch, dass ich in Kuala Lumpur zwei Pakete aufgegeben habe, um das angesammelte Übergepäck nach Hause zu schicken. 2 Pakete á 19,5kg.
Als ich etwa 3 Wochen später, am 29. November, vom Einkaufen nach Hause komme, steht eines der beiden Pakete im Stiegenhaus unter dem Postkasten. Ich freue mich, und schleppe es auch gleich nach oben.

Etwas ramponiert, aber noch im Ganzen, wird es auch gleich geöffnet und ausgepackt. Viele meiner Segelutensilien und einige Souveniers sind in der Schachtel zu finden.

Da nur eine Schachtel gekommen ist, gehe ich erstmal davon aus, dass nicht beide gleichzeitig ins Postauto gepasst haben und warte auf den nächsten Tag, und den nächsten und ….

Nachdem es aber Sitte geworden ist, dass Pakete nicht mehr zugestellt, sondern nur noch „abgestellt“ werden, überlege ich langsam, wo wohl das zweite Paket abgeblieben sein könnte. Nach über einer Woche schreibe ich ein Mail an die malaysische Post und frage anhand der Aufgabenummer nach, was mit meinem Paket ist. Ich erhalte auch prompt eine Antwort. Das Paket ist als „gefährlich“ eingestuft und daher aus dem Versand genommen worden.
Ich weiß auch sofort, was los ist. Das kann nur an der automatischen Rettungsweste liegen und den Ersatzkartuschen mit dem Treibgas. Ich schreibe also zurück, dass die Einstufung als „gefährlich“ wohl daran liegen würde, und dass der Transport aber gemäß internationalen Luftfahrtsregeln erlaubt sei und verweise auf die entsprechenden Bestimmungen.
Im Antwortmail der malaysischen Post werde ich dann aufgefordert, mein Paket abzuholen, da der Inhalt nicht ihren Bestimmungen für den internationalen Airmailversand entspricht. Man beruft sich auf die Versandbestimmungen der malaysischen Post, die freundlicher Weise auch beigefügt sind.
Nach Studium dieser Versandbestimmungen stelle ich aber fest, dass die sich auf genau jene Artikel berufen, in denen der Versand der Rettungsweste inkl. 2 Ersatzkartuschen explizit gestattet ist, und auf die ich ohnehin bereits hingewiesen habe.
Also schreibe ich nochmals zurück und weise erneut darauf hin, dass der Inhalt ihren eigenen Bestimmungen entspricht und erteile zudem die Erlaubnis, das Paket öffnen zu dürfen und sende auch noch eine Kopie meines Passes mit. Reaktion: Keine!
Trotz einiger weiterer Emails meinerseits habe ich nie wieder eine Antwort bekommen und das Paket natürlich auch nicht. Der Verlust ist unterm Strich nicht so schlimm, aber doch ärgerlich.


Sollte also jemand in nächster Zeit mal in Kuala Lumpur auf das Hauptpostamt kommen, meldet euch bei mir. Ich gebe gerne einen aus, wenn ihr das Paket auf den Weg bringt 😉

Thailand / Phuket

PHUKET

So bin ich also am 13.11.2019 mit dem Flugzeug zu meiner letzten Destination nach Phuket in Thailand aufgebrochen. Dort gelandet, ein Taxi gebucht und zum Hotel gefahren. Immerhin 1 Std. Fahrzeit, weil wir durch Phuket Stadt durch müssen. Ist aber nur der Stadtrand, also auch nicht so viel Verkehr. Ein paar Eindrücke hab ich während der Fahrt festgehalten, denn es ist schon auffällig, dass dich alle paar km der König anlacht.

Außerdem hab ich mit dem Fahrer gleich einen Sprachkurs für „danke“, „bitte“ und „hallo“ gemacht. Nicht wirklich einfach diese Sprache.
In meiner eigenen Lautschrift wiedergegeben heißt HALLO beispielsweise: Sa wa di caap
und DANKE: Cap kuhn craab. Und Frauen haben andere Endungen als Männer.
Die sagen DANKE als Cap kuhn kah.
Wir hatten jedenfalls ziemlichen Spaß bei meinem Sprachkurs. Ach ja, die Schriftzeichen kann ich natürlich gar nicht lesen.

Das Andacura Beachfront Hotel liegt einige km südlich von Phuket Stadt und wie der Name schon sagt, direkt am Strand. Dort ausgestiegen, werde ich sofort regelrecht hofiert. Ich sitze an einem kleinen Tischchen und die Leute knien neben mir, wenn sie mit mir sprechen und sie falten ständig die Hände vor der Brust. Da musst du dich erst mal dran gewöhnen. Anfänglich ist mir das fast peinlich, aber hier ist das eben so und ich mache das halt auch, was dann ab und zu wahrscheinlich unpassend ist und zumindest bei den Mädchen ein Grinsen hinter vorgehaltener Hand bewirkt.

Das Zimmer hat einmal mehr eine hervorragende Aussicht. Blick aufs Meer und auf die vor Anker liegenden Segelboote. Über der gegenüber liegenden Bucht in ein paar km Entfernung trohnt hoch auf dem Berg der BIG BUDDAH von Phuket.

Ich bin dann gleich noch runter, am Pool vorbei zum Strand. Und der liegt vor mir wie aus dem Prospekt ausgeschnitten. Palmen, Sand und eine Beachbar; einfach nur schön.

Recht viel mehr kann ich euch von Thailand und Phuket gar nicht berichten, denn ich bin die paar Tage bis zur Abreise am Sonntag nur am Pool und am Strand gewesen. Die Muse in die Stadt zu fahren oder den Big Buddah zu besuchen hat mich einfach nicht gepackt.
Da hab ich lieber meine ausständigen Blogbeiträge geschrieben und genüsslich an einem Früchteshake geschlürft, während ich zwischen Strand und Pool gependelt bin, um mich abzukühlen. Denn während es zu Hause ein Schneechaos hatte, habe ich hier 32 Grad im Schatten der Palmen genossen.

Die Verpflegung im Hotel war zudem sehr günstig. 1 Bier oder 1 frisch gepresster Saft = 4.- EUR / 3 Bier gabs für 8.- EUR, aber für Fruchtsäfte keinen Mengenrabatt.
Abendessen gabs von 110 THB Thailand Bath = 3,30 EUR für Reis mit gebratenem Hühnerfleisch bis 359.- THB = 10,70 EUR für ein Steak mit Beilagen.
Da hat mich nichts aus dem Hotel getrieben. GAMMELN AUFM STRAND (Werner Beinhart) war angesagt.

Aktuell sitze ich nun in Sichtweite zum (noch) höchsten Gebäude der Welt in Dubai bei meinem Zwischenstopp vor dem letzten Flug nach Österreich zurück und schreibe diese Zeilen. Wir sehen uns!

Sundown

MALAYSIA / KUALA LUMPUR

Nachdem mein Jobinserat auf Singapurs Jobbörse kein Feedback einbrachte, musste ich mich wieder auf die Reise machen und bin mit dem Bus wieder nach Malaysien zurück. Diesmal aber in dessen Hauptstadt KUALA LUMPUR.
Ursprünglich wollte ich zwar mit dem Zug fahren, um die Fortbewegungsmittel alle einmal durch zu probieren, aber derzeit gibt es keine direkte Zugverbindung zwischen den beiden Städten. Es wird aber an einer Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut. Die Reise mit dem Bus war wie zuvor schon sehr angenehm, bequem und an der Grenze gabs diesmal auch keine Warteschlange. Dennoch dauerte die 360km lange Fahrt dann über 6 Stunden. Gekostet hat das übrigens 18.- EUR.

MALAYSIEN oder auf malaysisch MALAYSIA ist eine „konstitutionelle Monarchie“ (so wie Schweden beispielsweise), was bedeutet, dass die Macht des Monarchen durch eine Verfassung geregelt (oder auch beschränkt) wird. Der bei uns meist als „König“ bezeichnete oberste Führer von Malaysia – der Yang di-Pertuan Agong – wird alle 5 Jahre von den 9 Sultanen bestimmt und rotiert in aller Regel unter genau diesen neun 😊. Na, wen wunderts? Zudem gibt’s dann noch das parlamentarische Regierungssystem mit dem Premierminister an der Spitze.

Malaysia beherbergt auf ca. 330.000km² etwa 32 Millionen Einwohner, wovon etwa 1,6 Mio. in Kuala Lumpur selbst, und rund 8,1 Mio. um Kuala Lumpur herum leben. Es besteht aus Westmalaysia (auf der Halbinsel zw. Singapur und Thailand) und Ostmalaysia (auf einem Teil der Insel Borneo (oder auf indon. Kalimantan, wie wir schon wissen). Beide Teile sind etwa gleich groß. Das Land gliedert sich in 13 Bundesstaaten.

Der Leitspruch des Landes lautet: Bersekutu Bertambah Mutu, was soviel wie Einheit ist Stärke bedeutet. Mutmaßen könnte man, dass der Spruch daher kommt, dass es 1963 aus 4 ehemaligen Teilen des britischen Weltreiches entstanden ist, was wir ja schon aus der Geschichte der Löwenstadt kennen.

Und auch wenn ich mich wiederhole, die Menschen hier sind einfach freundlich, herzlich und geben einem ein gutes Gefühl. Zudem ist Indonesisch aus dem Malaysischen abgeleitet, was mir sehr entgegen kommt, da sich die Sprachen so ähnlich sind wie deutsch und österreichisch. Ich kann mich also auch hier in Malaysien mit meinen ursprünglich indonesischen Sprachkenntnissen schon einigermaßen verständigen, was Small Talk und Höflichkeiten anbelangt. Ansonsten kommt man mit englisch überall sehr gut zurecht.

Kurz vor 19:00 Uhr komme ich dann in Kuala Lumpur an. Im Gegensatz zu Singapur werde ich hier von Taxifahrern angesprochen und kann mir das bessere Angebot aussuchen. 10 Minuten später bin ich im Hotel. Ein richtiger Luxustempel, aber im Vergleich zu Singapur extrem günstig und auch wieder mitten im Zentrum. Das Zimmer ist diesmal im 20. Stockwerk und die Aussicht wie bestellt:

Die Zwillingstürme sind nur einen Steinwurf weit entfernt, weshalb ich mich auch gleich noch aufmache, um sie in voller Größe zu sehen.

Am nächsten Morgen mache ich mich auf, um auf den KL-Tower hinauf zu fahren. Ein ganz in der Nähe auf einem Hügel stehender Aussichtsturm mit 421m Höhe und einem Observation Deck auf 300m. Ein Ausblick über die Stadt, wie er nicht besser sein könnte:

Als Draufgabe gibt’s noch die Skybox, in der man 90 Sekunden Zeit hat sich fotografieren zu lassen. Der Fotograf ist aber nett und macht auch mit deinem Handy ein paar Fotos.

Es ist mal wieder an der Zeit, mir eine Laundry zu suchen. Irgendwo muss ja auch gespart werden. Im Netz werde ich schnell fündig und fahre mit dem Grab dort hin. Gleich hinter einem großen Einkaufszentrum. Aber auch KL hat 2 Gesichter und das war ein anderes als vor der Shoppingmall.

Danach geht’s zum Unabhängigkeitsplatz dem Merdeka Square. Hier steht der ehemals höchste Fahnenmast der Welt (100m) an dem am 31. August 1957 zum Zeichen der erlangten Unabhängigkeit von den Briten das erste mal die Malaysische Nationalflagge gehisst wurde.
In dem tollen maurischen Gebäude, dem Sultan Abdul Samad Palast, der die gesamte Länge des Platzes einnimmt, sind heute der Gerichtshof und andere Verwaltungseinheiten untergebracht.

Quasi hinter dem Fahnenmast ist dann die KL City Gallery zu finden, in der man zuerst mal etwas über die Geschichte der Stadt lernen kann.

KUALA LUMPUR
heißt „Schlammige Flußmündung“ und ist 1857 am Zusammenfluss von Klang und Gombak mitten im Dschungel entstanden. Ein paar Hütten, gebaut von chinesischen Arbeitern, die in Zinnmienen ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. Nach der Ausbeutung der Zinnmienen wurde in KL Handel betrieben und so wurde langsam eine größere Ansiedlung daraus.
Hier sprechen übrigens alle nur von KL und KLCC, wenn sie von Kuala Lumpur bzw. dem KL City Center sprechen und sogar auf den Hinweisschildern auf der Straße ist das so angeschrieben.

Als dann 1896 unter britischer Herrschaft aus den malaiischen Sultanaten die Föderation MALAYA wurde, wurde KL zu dessen Hauptstadt ernannt und es begann eine rasante Stadtentwicklung. In nur 162 Jahren wurde aus einigen Hütten im Dschungel Malayas eine Weltmetropole.

Das aktuelle Ausbauprogramm der Stadt lautet 300 Bauten in den nächsten 5 Jahren zu errichten. Und das merkt man auch. Die ganze Stadt (außerhalb von KLCC) ist eine einzige Baustelle wohin man schaut. Die Straßennetze sind hier schon für die Zukunft gerichtet und die Autobahnen und Züge fahren teilweise bereits in der 1. und 2. Etage über dem Boden.

Im 1. OG des KL City Center warten dann ein paar tolle Fotomotive und schon wird mein Wunsch, Flügel müsste man haben, erfüllt. Ein tolles Gefühl!

Übrigens gehört man als Mensch mit Flügeln zu den Superhelden und hat auch gleich jede Menge spezielle Freunde.

In die Nationalmoschee bin ich wegen des gerade laufenden Gebetes als Nichtmuslim leider nicht hinein gekommen.

Ich hab mir daher das daneben liegende Islam Museum angesehen. Nicht nur eine tolle Ausstellung, auch ein faszinierendes Gebäude.

Und danach, hats mal wieder ein bisschen geregnet, weshalb es mich dann auch in die Streetfood Straße verschlagen hat. Und wenn der Teufel eine Frau ist, dann habe ich ihn dort getroffen:

Zurück zum Hotel geht’s dann durch Shoppings Malls und Fußgängerbrücken. In KLCC muss man (fast) nicht auf der Straße gehen.

Nach diesem kurzen Überblick auf die Stadt beschließe ich, mir selbige vom KL-Tower noch mit Beleuchtung anzusehen.

Dann wollte ich noch auf die Brücke der Petronas-Tower hinauf fahren. Das muss aber rechtzeitig geplant werden, da nur eine begrenzte Anzahl von Tickets jeden Tag ausgestellt werden und diese auch rasch vergriffen sind. Ich erhasche gerade noch ein Ticket für den 12. November um 12:00 Uhr. Glück gehabt, am 13.11. läuft meine Zimmerbuchung aus.

Die Stadt bietet auch viele schöne Grünflächen und gleich hinter den Petronas Türmen ist der KLCC-Park mit Kinderplantschbecken, vielen Ruhezonen und einem Teich mit Springbrunnen. Gegenüber von den Türmen ist das Conference Center und das Aquarium. und im unter den Türmen die riesige Suria Mall. Ideal für einen Familienausflug vielleicht mal übers Wochenende?

Einen sehr lohnenden Ausflug hab ich noch zu den BATU CAVES im Norden der Stadt gemacht. Das sind hinduistische Tempel, die in 3 verschiedenen, nebeneinander liegenden Kalksteinhöhlen untergebracht sind, und die über die Geschichte des Hinduismus und dessen Weisheiten erzählen.
@ Xaver und Leni: Wer findet die beiden Affen auf den Bildern?

Auf einem Platz gabs dann noch eine Folkloreaufführung …

… und in einer der Höhlen eine Reptilienschau. Sollte jemand unter euch aktiver Tierschützer sein, so rate ich vom Besuch dieser Höhle ab, denn die Tiere da drin werden meines unfachmännischen Erachtens nach, alles andere als artgerecht gehalten. Das war ein etwas bitterer Beigeschmack der Tour.

Letztendlich bin ich dann noch zu den beiden Tropfsteingebilden hochgestiegen, deren Größe (und wahrscheinlich auch Alter) schon sehr bemerkenswert waren. Die Steilheit der feuchten Stiege war allerdings auch nicht ohne.

Das Heiligtum der Chinesen wiederum ist der auf dem Robson Hill gelegene Thean Hou Tempel.

Und auch hier gibt’s Little India und Chinatown und auch diese Stadt hat viele Gesichter.

… und eine philippinische Band in der Hotelbar, die diesmal musikalisch sehr gut drauf war, aber halt optisch nicht an die Eye Angels heran konnte.

Und dann war es soweit, es ging rauf auf die Petronas Tower. Auf den linken oder Tower 2 genau genommen. Die Türme wurden in den 90er Jahren gebaut und waren nach deren Fertigstellung auch das höchste Gebäude der Welt (1998-2004). Heute sind sie das mit ihren 452m schon lange nicht mehr (Burj Khalifa 828m). Aber sie sind die höchsten Zwillingstürme der Erde. (Die Twin Towers in Manhatten waren 417m hoch.)

Also hoch zur Brücke und dann ganz rauf in den 86. Stock:

Nun muss ich mir langsam überlegen, wie meine Reise weiter gehen soll und ob sie überhaupt weiter gehen soll, denn zu Hause warten alle schon gespannt auf die Ankunft meines Enkelkindes. Ich bin zwar auch in freudiger Erwartung, beschließe aber dennoch, noch ein paar Tage am Strand irgendwo in Thailand anzuhängen, um Südostasien abzurunden und die Reise auch wieder am Meer zu beschließen. Ich komme dann ja immerhin noch 4 Monate früher als geplant nach Hause.

Nach Thailand muss ich aber fliegen, was wiederum die Gepäcksfrage aufwirft, denn mit dem Bus war es bislang ja egal, wieviel Gepäck ich habe, und es wird ständig mehr und nicht weniger. Ich hole also die Waage aus dem Hotelschrank und fange an mit abwiegen. Wie ich es auch drehe, brauche ich entweder einen Flug mit 3 Gepäcksstücken, was bestimmt sehr teuer wird, oder ich schicke ein Paket nach Hause.
Also auf die Post und nachgefragt, was das so kostet. Umgerechnet 100.- € für ein Paket mit 20kg. Ich nehme also mal gleich 2 Schachteln mit ins Hotel. Und wie ich da so ankomme, denke ich mir, was sich die jetzt wohl denken, was ich da alles einpacken möchte.
Und dann hab ich noch eine zündende Idee. Ich mache gleich mal auf sehr, sehr schwere Schachteln als ich zum Hoteleingang komme und bitte einen der vielen Hotelpagen an der Türe um Hilfe. Als er die leeren Schachteln dann übernimmt und merkt, dass nix drin ist, müssen wir beide und der neben stehende Kollege herzhaft lachen.
Die Schachteln taugen aber leider nichts, sind viel zu dünn und trotz Gewebebandumwicklung nicht für den Überseetransport geeignet. Weshalb ich dann am Tag vor der Abreise, nachdem ich auf den Petronas Türmen war, noch von einem Spezialgeschäft am Stadtrand gute Schachteln besorgt habe und 2 Pakete mit je 19,5 kg zusammen geschnürt und mit Paketband umwickelt habe. Die mussten dann noch zur Post (was etwas Erklärungsbedarf an der Rezeption hatte), ist aber alles gut gegangen.

So sind nun also fast 40kg auf dem Weg nach Hause und ich hab immer noch eine große Segeltasche mit 30kg und meinen Rücksack übrig. Da hat sich was angesammelt.

Das Beste kommt aber wie gewohnt zum Schluss: Am Sonntag gegen 04:00 Uhr morgens (zu Hause also noch Samstag der 9.11.2019 um 21:00 Uhr) erreicht mich ein Anruf, dass ich Großvater geworden bin.

OSKAR ist da!

Singapur

Der Name Singapur bedeutet in Sanskrit (Singha / Löwe + Pura / Stadt =) Löwenstadt. Der Legende nach musste der hinduistische Prinz Sang Nila Utama wegen seiner Heirat mit einer buddhistischen Prinzessin vor seinen politischen Gegnern fliehen. Auf der Insel im dichten Dschungel musste er sich einem Löwen zum Kampf stellen, doch als sich beide in die Augen sahen, so die Legende, senkte er sein Schwert und der Löwe zog sich zurück. Seitan nannte er den Platz, der bis dahin Temasek (Stadt am Meer) geheißen hatte, Löwenstadt.

1819 gründete Sir Thomas Stamford Raffles, der Handelsagent der Britischen Ostindien Kompanie, die erste britische Niederlassung an dieser Stelle, die zu diesem Zeitpunkt von nur etwa 20 Fischerfamilien bewohnt war. Er wird daher auch als Gründer des modernen Singapur bezeichnet. Sein Name findet sich an Plätzen, Straßen, U-Bahn-Stationen, Schulen, Einkaufszentren und dem berühmten Raffles Hotel wieder. Die rasante Entwicklung der Stadt verdeutlicht sich, wenn man weiß, dass die Stadt nur 60 Jahre später bereits über 170.000 Einwohner hatte.

Von 1942 bis 1945 von den Japanern besetzt gelangte Singapur nach dem 2. Weltkrieg wieder in britische Hände.

1963 begründeten die 4 Regionen Malaya, Sabah, Sarawak und Singapur das spätere Malaysia und wurden von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen. Nach massiven Unruhen zwischen der chinesischen und der nichtchinesischen Bevölkerung in Singapur wegen eines befürchteten Einflusses von Kuala Lumpur auf die ethnischen Gruppen wurde Singapur aus dem Staatenbund Malaysiens ausgeschlossen, da man fürchtete, dass die Unruhen sonst das ganze Land erfassen würden. Somit wurde Singapur am 9. August 1965 ein eigener souveräner Staat und begeht an diesem Datum auch seinen Nationalfeiertag.

Heute beherbergt Singapur etwa 5,7 Mio. Einwohner auf nur 725,1km². (Wien hat 414,6km² und 1,9 Mio. Einwohner.) Singapur ist heute eine der reichsten Städte/Länder der Welt, und gilt als die Stadt mit den höchsten Lebenshaltungskosten. Sie ist neben Hongkong der bedeutendste Finanzplatz Asiens und gehört mit mehr als 11 Mio. Touristen pro Jahr zu den 10 meistbesuchten Städten der Welt.

Das Wahrzeichen der Stadt ist der Merlion. Ein Löwenkopf mit Fischkörper, der am Raffles Place steht und Wasser speit.

SINGAPORE – 07 AUGUST, 2016: The Merlion fountain in Singapore. Merlion is a imaginary creature with the head of a lion,seen as a symbol of Singapore

Credits: thefinder.com.sg

Nun ja, bei der Aussicht, die ich vom Bett aus genießen konnte, hab ich mich schon das eine oder andere Mal gefragt, ob ich denn überhaupt da hinaus gehen soll in die Hitze der Stadt. Aber Singapur hat noch viel mehr zu bieten als nur eine gute Aussicht und so machte ich mich auf, die Stadt zu erkunden. Dazu gibt es zum einen eine Touristen SIM Karte, die man im Supermarkt für umgerechnet 9.- EUR kaufen kann und ein Guthaben von 100GB aufweist. Das kann man gar nicht verbrauchen als Tourist. Und zum anderen gibt es auch noch eine Singapur Card für die Öffis um 20.- SGD für 3 Tage.
SGD steht für Singapur Dollar. 1 SGD sind 0,66 EUR. Zum Umrechnen diesmal also /3 x2.

Zu aller erst bin ich mal zum Fährterminal hinaus gefahren. Dort ist der Anleger für die großen Kreuzfahrtschiffe und die kleinen Fähren, die die Menschen tagtäglich von Indonesien nach Singapur zur Arbeit und wieder zurück bringen. Ein 2-stöckiges Gebäude, von dessen Dach aus ich das Treiben der Großschifffahrt in der Straße von Singapur gut beobachten konnte.

Im ersten Stock ist die Maritime Gallery eingerichtet. Die schau ich mir auf Verdacht mal an. Die Dame am Eingang ist gewohnt herzlich, redsam und nicht fotoscheu. Eintritt ist keiner zu bezahlen.

Hier bekommt man allerdings einiges geboten, was Informationen zum Frachtverkehr der Stadt und dessen Entwicklung bis heute anbelangt. Alle 2-3 Minuten kommt ein Schiff in Singapurs Hafen an oder verlässt ihn, oder anders: Jährlich werden etwa 130.000 Schiffe abgefertigt und es sind etwa 1.000 Schiffe immer gleichzeitig im Hafen. Die Kreuzfahrtschiffe davon bringen etwa 1 Mio. Besucher jährlich.

Übrigens in einen 20-Fuß Container passen etwa 48.000 Bananen, oder 5.000 Paar Schuhe oder 60 Waschmaschinen oder 400 Fernseher, oder … Und Container gibts hier einige.

Man bekommt dort Einsicht in die Arbeit der Lotsen und Ihre Arbeitsplätze UND – das ist das beste von allem – man kann am Schiffssimulator fahren. Das ist ein vollständiger Schiffssteuerstand mit Steuerrad, Bugstrahlruder, Maschinensteuerung, Seekarte, Funk, Radar und allem Schnick-Schnack. An den Bildschirmen sieht man aus dem Fenster und man kann selbstständig verschiedene Schiffstypen und Schwierigkeitsgrade wählen. DAS war´s! Ein Spielzeug für große Jungs.

Zum Anfangen habe ich gleich mal eine der Personenfähren gewählt, und durfte die im Anfängermodus in den Hafen von Singapur fahren, wobei man auch noch pünktlich sein musste. Klar, eine Fähre halt. Das ist echt sensationell, du kannst da alles bedienen, siehst jeder Reaktion wie in echt und ein elektronischer Instruktor gibt dir Tipps, wenn du ganz grob daneben liegst.
Hab ich natürlich auf Anhieb geschafft und bin daher auch umgehend auf einen Tanker und in den Fortgeschrittenen-Status umgestiegen. Was kam war klar. Übermut tut selten gut. Da half auch der Instruktor nichts mehr, den Tanker habe ich in einen anderen hinein gecrashed. Gut, dass es nur ein Simulator war. Puh!
Trotzdem eine tolle Erfahrung einmal selbst zu erleben, wie träge so ein riesiges Schiff reagiert und was man nicht alles anstellen muss, um es überhaupt zu einer Kursänderung zu bewegen. Sehr lehrreich!

Unweit zum Terminal ist das eigentliche Wahrzeichen der Stadt. Das Marina Bay Sands Hotel. Ihr erinnert euch vielleicht, das haben wir schon beim Vorbeifahren mit der Tartaruga von weitem erkannt. Man sieht es von fast überall aus, und so bin ich eben mal hingefahren.

Das Zentrum der Reichen und Schönen hätte ich gesagt. Aber schaut doch mal wieder selbst:

Der beste Laden ist aber noch der von Louis Vuitton. Der ist mitten im Wasser und muss durch einen Tunnel begangen werden.

Singapur ist überhaupt so etwas wie die Aneinanderreihung von Shoppingmalls. Im Erdgeschoß sind immer die Guccis und Diors zu finden. In den Obergeschoßen wird’s dann immer günstiger (weil billig is hier gar nix). In den Untergeschoßen sind dann die Foodstreets. Ein Restaurant neben dem anderen und von bis ist hier fast alles zu haben. Vorrangig asiatisch natürlich, aber an der Raffles Shoppingmall gibt es im EG z.B. auch ein bayrisches Lokal, die Brotzeit. Hier gibt’s Weißbier vom Hofbräuhaus und Würschtl in den verschiedensten Varianten. Musste ich natürlich auch probieren.

In der Shoppingmall gleich neben dem Hotel sind im 2. UG sehr bodenständige SB-Restaurants zu finden. Dort gibt es ein riesengroßes Teller mit Reis, Gemüse und 2 Sorten Fleisch nach Wahl für ganze 4.- EUR. Man muss also nur wissen, wo man hingehen muss.

Nebst den ganzen Parfum, Schminke, Taschen, Schuhe und Kleidergeschäften kann man hier aber auch gante Etage voll mit Elektronik finden, bis hin zum exklusiven Fluggeräteshop.

Was die Menschen hier auch sehr gerne machen, ist klettern. Am besten gleich nach der Arbeit und dann gleich um die Ecke im gut klimatisierten Einkaufszentrum. Zum Greifen nahe klettern sie da an dir vorbei und man ist fast geneigt hinzugreifen oder die Hand zu reichen. Life dabei!

Und noch einen Vorteil haben die vielen Malls. Man kommt geschickt auch zu Fuß ohne Schwitzen durch die Stadt, wenn man sich ab und wann durchs EG der nächsten Mall drängt. Zum Abschluß des Themas sei noch erwähnt, dass man in dieser Stadt den Radfahrern große Aufmerksamkeit schenkt. Die haben in manchen Malls einen eigenen Eingang, nein Einfahrt, direkt vom Radweg in die Mall hinein und Vorrang gegenüber den Fußgängern auch noch dazu!

Zurück zur Bay Sands Marina. Ich wusste, dass es dort ganz oben, quasi am Bug des Überbauschiffes, ein Observation Deck gibt. Also frage ich mich durch und komme auch irgendwann dort an. Zugang im Tower 3 im 1. UG. Die Fahrt nach oben kostet 35.- SGD und die Schlange ist endlos lange. Ich verzichte und denke mir, es ein anderes mal zu versuchen.
Im EG ist hingegen nur eine sehr kurze Schlange vor der Anmeldung zum Dachrestaurant. Bestimmt sehr teuer denke ich mir und stell mich an, um das Menü mal durchzublättern. Man ist ja neugierig. Dann bin ich positiv überrascht. Die Preise sind für Singapurer Verhältnisse gar nicht so arg übertrieben. Man kann für 22.- SGD hinauf fahren und das Ticket aber wie Bargeld im Restaurant verwenden. Man muss lediglich mindestens 50.- SGD verkonsumieren. Also eindeutig besser als die lange Warteschlange im UG und nichts für sein Aufzugsgeld zu bekommen.
Der nette Herr am Anmeldetischchen, Mr. Muhammad Fairoz, berät mich sehr freundlich hinsichtlich Restaurant oder Skybar mit Club Lounge und empfiehlt mir, am besten am Montag gegen 18:30 Uhr wieder zu kommen. Da sei zum einen nicht so viel los, es wäre nicht mehr so heiß um die Uhrzeit und ich könnte den Sonnenuntergang von oben miterleben. Das Angebot nehme ich dankend an und fühle mich bemüßigt, am Abend ein Mail an das Restaurant zu schicken, um zu betonen, dass mich Mr. Fairoz exzellent und sehr freundlich beraten hat. Es kam auch prompt eine Antwort zurück, in der man sich für das Mail bedankte.

Am Vorplatz der Mall hab ich mir dann ein Bierchen gegönnt und über den See zum Merlion hinüber geschaut. Von hier aus gibt es auch einen wunderbaren Blick auf die Skyline der Stadt. Zurück zum Hotel geht’s dann mit dem Bus.

Taxi, Grab, Bus, U-Bahn oder zu Fuß, Singapur ist leicht und kostengünstig zu erkunden.

Es würde den Blog sprengen, wenn ich euch nun alle Details meiner Reise durch die Stadt berichten würde. Aber ein paar Eindrücke lass ich euch schon noch da:

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die Hallelujah International Church Singapore im Hotel einen Workshop für das Singen von Kirchenliedern abhielt. Und diese Veranstaltung war extrem gut besucht. Sehr viele Jugendliche aber auch Menschen meiner Generation (wenn auch in der Minderheit). Da hab ich natürlich auch mal rein geschaut, und war total überwältigt von dem, was da abging.

Das JUWEL am Flughafen ist eine neu eröffnete Halle am Ankunftsterminal, wo Wasser von der Glasdecke läuft, sich in Rauch auflöst, viele Pflanzen angesetzt sind und man über Brücken oben herum spazieren kann.

Das Singapur Cable Car Sky Network ist eine Gondelbahn, die auf die Vergnügungspark Insel Sentosa und auf den Mount Faber hinauf fährt und einen Blick über Singapur aus einer anderen Perspektive erlaubt. Aber auch dort war mir die Schlange zu lange.

Aufgrund des Bevölkerungsmixes gibte es hier natürlich auch ein Chinatown

Und ein Little India gibts auch. In den Geschäften hier kann man extrem günstig einkaufen. Vorrangig Modeschmuck, bei den Schuhen muss man die passende Größe aber dafür selber suchen:

Und genauso ein muslimisches Viertel.

Und dort habe ich am Nachbartisch dann ein paar verständliche Worte vernommen. Eine Gruppe Vorarlberger und 1 Allgäuer, mit aus meiner Sicht perfektem Vorarlberger Slang, saßen mir da gegenüber. Da waren wir natürlich schnell im Gespräch. Die beiden Jungs links im Bild (ein Montafoner und besagter Allgäuer) studieren in Taiwan Mechatronik an einer Partneruni und die andern 3 waren auf Besuch. Treffpunkt war halt Singapur.

Ein Erlebnis für sich war dann der Besuch der Gardens by the Bay gleich hinter dem Marina Bay Sands Hotel. Die Bilder sagen glaub ich alles und die beleuchteten Bäume gibt’s dann später nochmal (von oben) zu sehen. Ein Erlebnis der Extraklasse. Wer dort nicht war, war nicht in Singapur.
@ Xaver und Leni: Wer findet den Drachen und das Krokodil?

Tja und zum Abschluss war ich dann noch wie angekündigt in der Sky Lounge auf dem Marina Bay Sands Hotel. Und wenn das unter „nicht so viel los“ fällt, dann hätte ich bei „viel los“ nicht da sein wollen. Der Ausblick ist jedenfalls atemberaubend und die Stimmung sehr ausgelassen. Super toll!.
Nur schwimmen durfte ich nicht gehen, das ist exklusiv den Hotelgästen vorbehalten.
Zimmer gibt es hier übrigens ab 500.-€ / Nacht.

4.11.2019 Sundown

Die Reise nach Singapur

Für meine Reise nach Singapur habe ich mir den Überlandbus ausgesucht. Diese Busse sind hier nicht nur sehr günstig, sondern auch komfortabel. Gebucht wird natürlich online mit Abfahrtszeit in Malakka und Ankunftsort in Singapur ähnlich wie bei einer Flugbuchung. Auch der Sitzplatz wird ausgewählt und fix zugewiesen. Die Fahrt geht über 250km und ist mit etwa 4 Stunden veranschlagt, aus denen am Ende aber 5 1/2 werden). Die Kosten dafür betragen 6.- EUR, ja sechs! Ein Flug von Kuala Lumpur nach Singapur (mit Handgepäck) kostet etwa 70.- EUR. Reisen ist hierzulande nicht sehr teuer.
Gepäcksbeschränkung? Sinngemäß übersetzt sollte man nicht allzuviel mitbringen, da man es an der Grenze ausladen, durch den Zoll und wieder zum Bus bringen und einladen muss. Mit meinem großen Koffer und meiner überdimensionalen Reisetasche (wenn auch mit Rollen) zuzüglich Rucksack ist das in der langen Schlange mit den geschätzt 25 Kehrtwenden vor der Passkontrolle auch gar nicht so ohne gewesen.

Das Busterminal funktionierte dann auch wie ein Flughafen. Man bekommt nach einem Check in ein Gate zugewiesen und an einer Anzeigetafel sieht man, wann man in welchen Bus einsteigen kann. Und mit dem Barcode am Ticket kann man auch (fast) nicht in den falschen Bus einsteigen.

Die ankommenden Busse fahren zuerst zum Drop Off Point, dann zur Tankstelle, wo sie auch gleich gereinigt werden und weiter ans Abfahrtsterminal. Koffer muss man halt selber verladen. An der Türe wird dann noch abgehakt, ob alle da sind, die gebucht haben und los geht’s. Ziemlich effizient möchte ich sagen.

Im Bus sitzt man dann auch wirklich sehr bequem. Kein Vergleich mit einem Flugzeug oder wenn schon, dann wohl mit der Business Class. Große Beinfreiheit, Fußstützen wie beim Fernsehsessel, und extra Breite Sitze, die man in Schlafposition zurück klappen kann. Einfach super.
Toiletten gibt es im Bus allerdings von gesetzes wegen keine. Darauf wird man schon rechtzeitig vor der Abfahrt hingewiesen. Auf der Strecke wird dann aber 2x an einer Raststation für etwa 10 Minuten angehalten, wo man sich dann auch die Beine vertreten kann.

Der Grenzbeamte von Singapur hat dann nebst Pass, Fingerprint und Foto noch ein sehr ausführliches Interview mit mir geführt über: Wo ich herkomme, was ich mache, warum ich alleine reise, wo ich in Singapur wohne, wie lange uvm.
Während des Anstellens haben 2 Chinesinnen Fotos gemacht, was in der Halle explizit verboten ist, woraufhin ihnen die Handys abgenommen wurden. Sie mussten die Fotos löschen und auch in der Datei der gelöschten Bilder löschen und erhielten nebst einer sehr strengen Abmahnung Ihre Handys auch erst nach der Kontrolle wieder.

Dann bekommen wir nach der Grenze noch einen neuen Bus, damit der ursprüngliche Bus nicht über die Grenze und damit nicht gänzlich durchsucht werden muss. Dann aber geht’s endlich rein nach Singapur und die Strecke führt uns auch gleich an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei.

An der Ausstiegsstelle angekommen (ein altes Einkaufszentrum) stehe ich dann etwas verloren da. Meine malaysische SIM-Karte funktioniert hier nicht, um ein Grab zu rufen, Taxistand ist hier auch keiner und zum Herumlaufen habe ich zuviel Gepäck und es ist auch zu weit zum Hotel.

Doch das Glück ist mir hold und es hält direkt vor meiner Nase ein Taxi. Ich lege einfach ganz frech meinen Rucksack auf den Rücksitz noch bevor der Fahrgast bezahlt hat und ausgestiegen ist. Während ich Koffer und Tasche zum Kofferraum bringe, steigt der Fahrer aus und ruft mir zu, dass ich den Koffer stehen lassen soll. Sch…, denke ich, schon besetzt?
Doch der Fahrer will mir den Koffer nur abnehmen. Kann doch nicht sein, dass der Fahrgast die schweren Sachen selbst einlädt. Das ist Süd-Ost-Asien; bin begeistert.
Während der Fahrt erzählt mir der Fahrer auch gleich noch dies und das, wo es teuer ist und wo günstig und – Lachen ist erlaubt – dass die Öffis vieeel billiger und vor allem schneller sind als die Taxis. Auf die Frage, warum er mir das erzählt, wo er doch selber Taxifahrer ist, sagt er mir, dass er halt möchte, dass ich mich in seinem Land auch wohl fühle.

Am Hotel wird mir das Gepäck von einem Hoteldiener abgenommen, und ich werde in die Lobby (im 5. Stock) geleitet, um ein zu checken. Die Lobby ist etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld, und beherbergt nebst verschiedenen Aufenthaltsbereichen und einer Bar auch noch einen Pool.

Im HIntergrund hinter den Scheiben ist der Pool zu sehen (halbhoch).
Die Leute die darin schwimmen, kann man wie in einem Aquarium betrachten.
Es gibt auf der selben Ebene dann auch noch einen 2. Außenpool.

Mein Zimmer ist im 17. Stock mit Aussicht auf die Meerenge, die Straße von Singapur. Als ich oben ankomme glaube ich aber zuerst, dass das nicht das Fenster, sondern eine Wandtapete ist. Aber seht doch selbst.

Malakka

oder Melaka auf malaiisch ist eine UNESCO Weltkulturerbe Stadt mit über 400.000 Einwohnern. Sie ist zudem Hauptstadt des 3. kleinsten Bundesstaates von Malaysien.

Im Jahr 1511 von den Portugiesen erobert und 1641 von den Holländern eingenommen, wurde es letztendlich 1824 von den Briten besetzt, welche ganz Malaysien bis zur Unabhängigkeit 1957 beherrschten.
Malakka war immer schon ein äußerst wichtiger Handelsplatz aufgrund der Meerenge zur indonesischen Insel SUMATRA. Eine nur sehr schwer zu umschiffende Verbindung zwischen Indien und China, unerläßlich für den Handel mit Gewürzen, Seide und Sandelholz. Am Beginn der Handelsschifffahrt wurde es von den Chinesen als Umschlagplatz genutzt und später von den malaysischen Sultanen.

Und genau das macht Malakka wahrscheinlich eben aus. Diese Mischung von Kulturen, Cuisine und Menschen, die es seit jeher schon gewohnt sind mit anderen Menschen aus aller Herren Länder zu tun zu haben und möglicherweise genau deshalb so aufgeschlossen und freundlich sind.

Den ursprünglich chinesischen Einfluss sieht man immer noch in vielen Bauten und dass auch heute noch ein großer Bevölkerungsanteil Chinesen bzw. chinesischer Abstammung sind. Und spätestens an den Beschriftungen der Häuser, Geschäfte und Hinweistafeln ist es klar ersichtlich. Nicht weniger viele Menschen stammen zumindest ursächlich aus Indien, was außer an den Menschen selbst aber nicht so augenscheinlich ist. Die Inder bzw. die indischen Lokale sind auch diejenigen, wo scharf gegessen wird. In den Malaysischen oder chinesischen Lokalen eher nicht.
Und natürlich hinterließen auch die Kolonialherren ihre Spuren, was man im Zentrum sehr auffällig an den roten Gebäuden der Holländer sehen kann (Uhrturm und Stadthuys, …), es herrscht Linksverkehr, uvm.

Schon auf der Fahrt von Port Dickson nach Malakka festigt sich erneut der Eindruck, dass man sich auch hier in einem immergrünen Land befindet. Auffällig waren allerdings die wirklich vielen Palmenplantagen, wo die Bäume in Reih und Glied stehen. Gefahren bin ich die Strecke übrigens mit dem GRAB Taxi. Das hat mich für die ca. 80km von Tür zu Tür 30.- EUR gekostet und ich hatte einen sehr netten Fahrer – was sonst in diesem Land, der mir einiges über Land und Leute erzählt hat.

GRAB steht hier für TAXIs, die von privaten Fahrern in den meist eigenen Autos gefahren werde und die eine Eignungsprüfung beim Betreiber der App (welcher Form auch immer) abgelegt haben.
Man bucht per App ganz einfach von wo weg (gibt das GPS schon mal vor) nach wohin und sieht sofort, welcher Fahrer kommt (Foto vom Gesicht), mit welchem Auto (Type, Farbe und Kennzeichen), wann er da sein wird, wo er sich gerade befindet (Straßenkarte) und was die Fahrt kostet (Fixpreis).

In Malakka habe ich dann ein Hotel mitten in der Altstadt, von wo aus (fast) alles fußläufig erreichbar ist. Das Zimmer ist eine tolle Suite mit einem Badezimmer, das seinesgleichen sucht. Und der Preis ist für unsere Verhältnisse jedenfalls leistbar mit etwa 70.- EUR pro Nacht inkl. ausgezeichnetem Frühstücksbuffet.

Die Parallelstraße zu meinem Hotel ist die JONKER STREET; das touristische Zentrum von Malakka. Und da ich an einem Samstag ankomme, ist auch gleich entsprechend was los in der Straße. Es gibt am Wochenende immer Streetfood. Da wird direkt auf der Straße gekocht und man kauft für umgerechnet 2.- EUR 3 Spießchen, die dann im gehen gegessen werden. Auf den Spießchen gibt’s wahlweise immer von Huhn oder Schwein oder Rind Würstchen, Fleischstücke oder Kombis und entweder scharf oder eben nicht. Aber es gibt auch Fisch und alles mögliche andere auch noch.
Das Beste sind aber die Spießchen, die aus mehreren kleinen Spiegeleiern (Wachteleier?) bestehen, die dann noch mit einem Wurstscheibchen belegt sind. Und natürlich riecht es überall, es gibt frisch gepresste Säfte und Smoothies und, und, und.
Und es ist laut und ein Gedränge und alle sind irgendwie gut drauf und es macht einfach Spaß. Und das beste ist die Showbühne, auf der man seine Karaokekünste zum besten geben kann. Leider gabs nur chinesische Lieder in der Auswahl. Die Künstler waren zudem echt sensationell. Vorrangig über 70 Jahre hätte ich mal geschätzt, und der Enthusiasmus eindeutig höher als die Notenkenntnis.

Aber natürlich gibt es in der Straße auch unzählige Souvenier- und sonstige Geschäfte, Altwarenläden, Bildergallerien und Elektronikgeschäfte. Was auch noch auf den ersten Blick auffällt, sind die bunten, beleuchteten Fahrradrikschas, die wie eine Art Fahrrad mit Beiwagen aufgebaut sind. Sie sind mit Trickfilmfigur Themen geschmückt und spielen extrem laute Musik, die wahrscheinlich zum jeweiligen Film gehört.
Bevorzugter Weise von Chinesen genutzt (und nicht von den jüngeren!) fahren sie durch die ganze Altstadt, und nicht selten kommt dann die einher geradelte Musik auch noch lange nach Mitternacht an meinem Hotelfenster vorbei.

Da es tagsüber immer um die 30°C und mehr hat, in der Nacht nur um wenige Grade abkühlt (min. +26°C oder mehr) und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, macht sich mein tolles Bad auch wirklich bezahlt. Nach jeder Runde durch die Stadt gehts unter die Dusche und ein frisches Shirt muss her.
Bei 3 – 5 Durchgängen am Tag, ist die Reinigung in der Hotelwäscherei nicht gerade günstig (2.- EUR für ein Shirt). Da lohnt es sich, eine Laundry außerhalb der Altstadt zu suchen. Dort gibt es die Wäsche gewaschen, getrocknet und zusammengelegt für 0,70 EUR / kg abholfertig innerhalb von 6 Stunden.
Das Warmwasser wird übrigens über Durchlauferhitzer gemacht, die man im Zimmer separat einschalten muss. Das viele Duschen, hat mein Schalter allerdings nicht überlebt und musste erneuert werden.

Was es hier an wirklich jeder Ecke gibt, sind Massagen. Von Fußreflexzone (1/2 Std. für 5.- EUR) bis zu Ganzkörpermassage (1 Std. für 12.- EUR). Was die Hygiene dabei anbelangt, darf man vielleicht nicht ganz so zimperlich sein, was nicht heißen soll, dass es schmutzig ist, aber halt auch nicht so krankenhaussteril wie bei uns. Ich hab mir das jedenfalls öfter als 1x gegönnt bis hin zum Schröpfen.

An einem Nachmittag gehe ich, wie so oft, etwas abseits der Touristenwege und stolpere über einen chinesischen Laden, der Australische Weine in der Auslage präsentiert. Klar, dass ich da rein musste. Flüssige Verpflegung für den Abend im Hotelzimmer war immer gefragt. Ich hab dann auch eine Flasche gekauft, und der Wein – ein Cabernet Sauvignon – schmeckte auch hervorragend. Die Weine kosten hier so zwischen 14.- und 24.- EUR die Flasche. Teuer für unsere Verhältnisse, aber sehr günstig im Vergleich zu Neukaledonien oder Indonesien, wo das etwa 3-4x so viel gekostet hat. 1/3 Bier kostet übrigens so um die 6.- EUR, im Restaurant und 1,60 EUR in der Dose im Supermarkt.

Was ich in diesem chinesischen Laden aber entdeckte, war etwas gänzlich anderes. Eine ganze Regalwand mit grauen Steinen, Schwämmen oder was das auch Komisches sein sollte. Ein Kunde war auch gerade dabei, aus den unzähligen Laden sich die besten Stücke heraus zu suchen. Er drehte und wendete jedes einzelne Stück dabei 3x um. Um meine Neugierde zu befriedigen fragte ich die Verkäuferin, worum es sich denn hierbei handeln würde. „Sea cucumber“ war die Antwort.
Das hab ich erst gar nicht verstanden, 2x nachgefragt und dann halt gegoogelt. Es handelt sich um Seegurken. Und nein, das sind keine Pflanzen, sondern Tiere. Davon gibt es etwa 1.700 verschiedene Arten und je tiefer im Meer sie aufzufinden sind (die gibt es bis etwa 1.000m Tiefe), desto teurer werden sie. Die getrockneten Seegurken werden dann je nach Art von günstig bis teuer wie Trüffel gehandelt. Laut meiner Recherche sehen sie nicht nur unappetitlich aus, sie riechen auch nicht gut. Nichts desto trotz, sind sie in Asien eine Delikatesse. Vom Geschmack habe ich mich allerdings nicht überzeugen wollen.

Neben der Altstadt gibt es aber natürlich auch ein ganz normales, modernes Malakka mit Hochhäusern und Einkaufszentren. Aber macht euch mit den Bildern doch selber einen Eindruck von Malakka.

@ Xaver und Leni: Wer findet die beiden Bilder mit dem Dinosaurier als erstes und wo haben sich die Elefanten versteckt?

Und weil auch diese Stadt immer noch wächst, wird mittlerweile dem Meer Land abgewonnen. Pulau Melaka (Malakkainsel) ist eine künstliche Insel vor Malakka. Das Wohnbauentwicklungsprojekt liegt ca. 500 m vor der Küste und umfasst zwei frühere Inseln mit 40 und 50 ha zwischen denen und um die herum Material aufgeschüttet wurde. Die so neu entstandene große Insel ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Das Wahrzeichen der neuen Insel ist die Moschee Masjid Selat Melaka (Moschee der Straße von Malakka), die selber im Wasser auf Pfählen steht.

Was mittlerweile aber total an Bedeutung verloren hat, ist Malakka als Hafenstadt. Diese Rolle hat in den letzten Jahren ganz klar SINGAPUR übernommen. Und selbst die Yacht Marina ist leer bis auf ein paar Fischerboote und eine einzige Segelyacht.

Was hier zu Lande grundsätzlich sehr gut und auch schnell funktioniert, ist das Internet. Außer es donnert und gewittert, was alle 2 Tage am Nachmittag mal der Fall ist. Dann bricht das Netz zusammen.
Da mein Skype aber auch bei Sonnenschein nicht mehr funktionierte, ging ich in den „Digi Shop“ (das ist einer der hiesigen Netzbetreiber) und hab das dort reklamiert.
Zuerst sagte mir die Dame dort, dass das bestimmt nur mit den Gewittern zu tun hat. Dann, dass ich im Hotel bestimmt im WLAN bin, wo das sicherlich auch nicht funktioniert und dann, dass ich das gar nicht im Paket hätte. Auf die Frage, warum ich es dann extra gekauft und bezahlt habe und es bis vor 2 tagen auch gut funktioniert hatte, sagte sie mir, dass das nicht sein hätte dürfen und ich jetzt etwas nachbezahlen solle. Das verneinte ich und wollte den Geschäftsführer sprechen, was die Dame dazu bewegte, die Funktion dann doch wieder frei zu schalten.
Zurück im Hotel ging es dann aber doch wieder nicht und ich bin halt nochmal hin. Die gleiche Dame, die selbe Geschichte. Nur diesmal bestand sie darauf, dass ich etwas dafür zu bezahlen hätte und außerdem den Reisepass vorlegen müsste, damit sie mein Anliegen überhaupt behandeln könnte. Da hab ich ihr erklärt, dass ich nicht bereit wäre, für den Fehler Ihres Unternehmens aufzukommen und auch nicht noch einmal wegen des Passes ins Hotel zurück fahren möchte und hab sie gefragt, ob sie denn die Kosten für das Taxi übernehmen möchte. Warum ich das erzähle?

Offenbar wurde ich ein ganz klein wenig laut dabei (wirklich nur ein ganz klein wenig), was sofort einige Leute veranlasst hat, das Geschäft zu verlassen. Die wenigen Verbleibenden haben auf den Boden oder auf die Decke gesehen und die Verkäuferin ist ganz weiß geworden. Das ist man hier echt nicht gewöhnt, dass sich jemand lautstark artikuliert. Jedenfalls hatte ich 5 Minuten später eine neue SIM-Karte, ohne Reisepass und ohne Aufpreis und die hat dann auch funktioniert.

Wichtig war mir das, da ich ansonsten kaum eine Verbindung nach Hause habe, und weil es zudem am 25.10. eine Liveschaltung zum Oktoberfest in schon mal erwähntes Szenelokal in Oberösterreich gegeben hat, worauf und worüber ich mich echt freute, auch wenn es um 22:00 Uhr MESZ bei mir schon 04:00 Uhr am Morgen gewesen ist. Prost nochmal, schön euch alle gesehen und gehört zu haben!

So verbringe ich die Tage in Malakka sehr relaxed frei nach dem Motto „Stagl ma d Schui“ (Ernst Molden) bis ich mich dann wieder auf die Reise mache und Singapur besuche.
Wenn ihr irgendwann mal nach Malaysien kommt, schaut euch Malakka an. Ich kann euch die Stadt wirklich nur wärmstens empfehlen. Das lohnt sich allemal.

Ach ja, das Stadtleben zwischen den Häuserfronten hat mir nun allerdings keine malerischen Sonnenuntergänge für den Beitragsabschluß mehr beschert, sorry! Aber dafür durfte ich einmal mehr sehr viele nette Menschen kennen lernen, so wie SAM aus dem Hotel, deren Enkel Hockey spielt, und in der Schule recht fleisig ist, und die an ihren freien Tagen mit der Familie ….

Port Dickson

So, nun ist die berühmte Katze endlich aus dem Sack. Trag das kleine Geheimnis eh schon viel zu lange mit mir herum. Aber man sollte ja immer alles der Reihe nach erzählen, damit es keine Missverständnisse gibt.
Ich bin dann jedenfalls noch am 14. Oktober nach unserer Rückkehr in die Marina in das angeschlossene, schon vorausgebuchte Hotel umgezogen. Das war dann wirklich eine Umstellung. Von Kajüte auf Suite, von Kübeldusche aus dem Meer auf Regenbrause mit regulierbarem Süßwasser, von Müsli auf Frühstücksbuffet. War zwar nicht das geplante, aber wenn schon, denn schon.

Apropos geplant, in der Marina gibt es eine Bar mit dem bezeichnenden Namen „Sailors Drink Shop“. Und in eben dieser Bar hängt ein Spruch, der sich bei mir ziemlich fest eingeprägt hat.

Von PORT DICKSON gibt es ansonsten nicht so viel zu berichten. Das Städtchen mit etwa 120.000 Einwohnern liegt nur rund 26km südöstlich vom Flughafen von KUALA LUMPUR (KLIA) und dieser ist wiederum 44km südlich von Kuala Lumpur selbst gelegen.

Viel Strand gibt es auch nicht, aber der, der da ist, ist sandig weich und man kann bei Ebbe noch etwa 50-100m weit hinauslaufen.

Erwähnenswert ist allerdings noch dieser Supermarkt, der beim Eingang schon irgendwie nach Fischmarkt riecht. Und immer der Nase nach findet man den dann auch gleich. Quasi hinten links im Supermarkt liegt der frische Fisch hier gut gekühlt herum und man nimmt ihn sich einfach so wie bei uns in der Gemüseabteilung aus dem Behältnis und steckt ihn in ein Sackerl. Achja, und Reis und Frittieröl kauft man hier offenbar nicht in kleinen Mengen.

So habe ich mal ein paar Tage relaxed und mir auch mal wieder ein kleines Hoppala in der Reihe „Tolpatsch oft the day“ geleistet:
Auch beim Abendessen gibt es Buffet, und da ist bestimmt für jeden etwas dabei. Fisch, Hühnchen und Rind, Nudeln, Reis und Saucen und natürlich Gemüse in vielen Varianten und Formen. Zu trinken gibt es allerdings ausschließlich Wasser! Und weil man ja etwas auf sich hält, trage ich natürlich Hemd, lange Hose und Schuhe zum Abendessen. Und wie ich so mit meinem Teller um diese dicht aneinander gereihten Warmhaltebehälter mit den großen Deckeln drauf herumschleiche, bleibe ich auch glatt mit dem Hemdsärmel an so einem besch… Behälter hängen, und …
… mit einem riesigen Getöse und Geklimper schlägt er auch schon auf dem Boden auf. Das war der Moment, ab dem mich nun jeder kannte, der in diesem Saal anwesend war. Es war irgendetwas Grünes mit Sauce, dass sich da über mein Hemd, die Hose und meine Schuhe und letztendlich über den Boden verteilte. Ich bin jedenfalls völlig erstarrt mit meinem Teller in der Hand dagestanden und wusste erst gar nicht, wie mir geschah. Zudem muss ich wohl auch noch etwas bleich gewesen sein, da sich sofort 3 Leute um mich kümmerten und mich ständig fragten, ob es mir denn auch gut gehen würde.
Ja, das wars dann mit dem Abendessen. Von oben bis unten völlig bekleckert und halb nass hab ich mich von dannen gemacht. Tags darauf hab ich mich dann noch beim Koch entschuldigt (auf malaysisch natürlich), was ihn offenbar sehr gefreut hat, und hab der Dame und dem Herren vom Personal, die das Unglück aufgewischt haben, noch etwas Trinkgeld zugesteckt, was mir wiederum für den Rest der Woche die besondere Aufmerksamkeit des gesamten Sevicepersonals einbrachte.
Darüber lachen ist OK, mittlerweile kann ich es auch. Foto gibt es allerdings – so ich hoffe – keines davon.

Das Highlight von Port Dickson war allerdings ganz ohne Zweifel die Liveband, die allabendlich in dieser Woche im Sailors Drink Shop spielte.

Die „Eye Angels“ Ann, Jan und Cheng sind eine philippinische Girlyband und ihr Programm reichte von aktuellem Rock und Pop, über Schlager bis Techno, philippinischer Was-auch-immer-Musik und Musik aus den 60ern bis 80ern. Und, sie haben sich echt Mühe gegeben, weshalb ich sie als Branchenkollege dann auch näher kennen lernen musste.

In Einzelgesprächen interviewte ich die Mädchen zu ihrem musikalischen und beruflichen Hintergrund und stellte mit meiner journalistischen Superspürnase fest, dass Cheng, die Gitarristin, mit der Band nur Ihr Innerstes auslebte und in ihrem Brotberuf als Schankmeisterin in einem angesagten oberösterreichischen Szenelokal arbeitet. Was für ein Zufall! Ob man da mal mit einem Auftritt der Sologitarristin rechnen darf?

Und so vergingen die Tage in Port Dickson, bis ich mich am 19. Oktober nach Malakka aufmachte.

Sundown

Durch die Straße von MALAKKA bis PORT DICKSON – and everything changes

Gegen 16:30 Uhr brechen wir wieder auf, um mit der Strömung und nicht gegen sie voran zu kommen. Wieder gibt es Wolken am Abend und damit auch wieder etwas Wind in die Segel. Wir fahren nun nahe dem Festland von Malaysien und haben die großen Schiffe in einiger Entfernung an Backbord.

So fahren wir durch die Nacht, bis wir am nächsten Morgen noch einmal den Anker werfen, kurz vor Malakka bei der Insel BESAR. Besar birgt mehrere Urlaubsresorts und wunderschöne Strände. Aussteigen und an Land gehen ist aber nicht angesagt, da wir ja noch nicht in Malaysien eingereist sind.
Unser erster Ankerplatz stellt sich bei rückläufiger Flut dann auch als nicht ganz optimal heraus, da wir von immer mehr sichtbar werdenden Steinblöcken nahezu eingekreist werden, die das trübe Wasser nun frei gibt. Wir verlegen deshalb gegen Mittag nochmals ein paar Meter weiter auf einen anderen Platz. Von hier aus sind die Umrisse von Malakka auch schon gut zu sehen.

Um 18:45 Uhr geht die Sonne mal wieder unter, und um 03:30 Uhr geht der Anker wieder auf.

Es ist Montag der 14. Oktober 2019 und es ist die letzte Etappe vor der großen Pause. Denn nach Port Dickson wird die TARTARUGA 1 mit dem Skipper und einer 2. Person langsam nach LANGKAWI fahren, um dort auf den Absprung Anfang Dezember nach SRI LANKA zu warten. Und ich werde in der Zwischenzeit durch Malaysien und Singapur und ev. auch noch durch Thailand tingeln. Aber bis dahin sind es noch ein paar Meilen.

Gegen 13:00 Uhr sind wir dann vor der Marina in PORT DICKSON angekommen und sondieren die Einfahrt, da das Wasser nicht sehr tief ist und der Tiefenmesser sich bereits im 1-stelligen Bereich befindet. Wir haben Niedrigwasser.

Also Funkgerät in die Hand und „Admirals Marina for Tartaruga 1; can you hear me?“ rein gesprochen. Aber keine Reaktion; weder auf Kanal 16 (das ist international der allgemeine Rufkanal, der immer eingeschalten ist), noch auf Kanal 72 (ein allgemeiner Sprechkanal, den sehr viele Marinas benutzen). Erst als wir direkt vor der Marinaeinfahrt sind, können wir mit dem Fernglas ausmachen, dass der VHF-Kanal 14 der richtige Kanal ist. Also 14 eingestellt und nochmal: „Admirals Marina for Tartaruga 1; can you hear me?“. Und diesmal klappts. Kurz ausgetauscht, dass wir ein Segelboot sind, Katamaran und Schifflänge angegeben, und vorerst mal 1-2 Nächte bleiben wollen. Das Englisch der malaysischen Marineros ist zwar oft nur schwer zu verstehen, aber so viel kann ich heraushören, das wir einfach mal rein fahren, und uns an der Shoreside halten sollen. Dort werden wir erwartet.
Und so ist es auch. Gut gelotst, gut gesteuert und Leinen über, sind wir wenige Minuten später um 13:20 Uhr, fest vertaut in der Admirals Marina in Port Dickson.

Noch am Nachmittag fahren wir mit dem Taxi in die Stadt, um uns im Immigration Office, beim Zoll und beim Hafenmeister zu melden, damit wir offiziell in Malaysien einreisen können.
In das Immigration Office haben wir es auch noch geschafft. Dort warten wir in einem leeren Warteraum. Auf das Klingeln an dem mit einem Vorhang verdunkelten Abfertigungsschalter reagiert niemand. Nach einiger Zeit spreche ich mit der Reinigungsfrau, die als einzige noch im Raum ist und mit hochgelagerten Füßen Musik am Handy hört. Sie bietet sich an, mal fragen zu gehen und kommt mit einer Geste, die wohl „bitte warten“ heißen soll wieder zurück.

30 Minuten später gehe ich in eines der Büros draußen am Gang und frage selber mal nach. Die Dame in dem Büro ist erst etwas erschrocken, versteht aber mein Englisch und will sich auch umgehend darum kümmern. Kurz darauf erscheint sie auch tatsächlich mit einem uniformierten Herren, der uns sehr freundlich erklärt, dass gerade eine große Fähre mit Menschen aus China abgefertigt wird, weshalb uns hier gerade keiner Beachtung schenken kann und wir doch bitte etwas warten sollen.
Also warten wir.
Etwa 1 ½ Stunden nach unserer Ankunft werden wir dann vorgelassen, müssen uns noch in eine Art Gästebuch eintragen, erhalten ein Badge und dürfen nun quasi von der Rückseite zum Abfertigungsschalter hinein. Dann geht es dafür aber auch „rats-fats“. Crewliste ausgefüllt, Stempel drauf und den Pass noch abgestempelt; die Dame lächelt und gibt uns die Papiere zurück. Wahrscheinlich hat man ihr gesagt, dass da jetzt zwei Leute kommen werden, die schon etwas länger warten. Damit sind wir zumindest mal keine Illegalen mehr. Zoll und Hafenmeister müssen wir allerdings auf den nächsten Tag verschieben.

Wir besorgen uns, bevor wir in die Marina zurückfahren, noch Bargeld am Bankomaten und im „DIGI-Shop“ noch eine malaysische Datensimkarte (20GB Daten und Onlinestreaming für 1 Monat für umgerechnet etwa 20 EUR), damit wir auch wieder online sind, bloggen, und zu Hause Bescheid geben können.
Mit den Millionen vom Bankomaten ist es hier allerdings vorbei. Der Umrechnungsfaktor ist 4,6. Das heißt, dass 100 malaysische Ringgit (MYR) etwa 21 EUR sind. Rechnen also /10 und x2, dann ist man ungefähr dort.

Am nächsten Morgen fahren wir dann auch gleich zum Zoll und zum Hafenmeister und können den Papierkram rasch und unkompliziert erledigen. Dann müssen wir noch einmal zum Immigration Office, um die Crewliste und den Eintrag in meinem Reisepass ändern zu lassen.
Diesmal öffnet sich nach dem ersten mal klingeln auch sofort der Abfertigungsschalter im Warteraum, wir erklären, dass die Crewliste und der Eintrag in meinem Pass geändert werden müssen und 2 Minuten später ist es offiziell:

Ich bin nun kein Crewmitglied der TARTARUGA mehr, muss also nicht mit der TARTARUGA wieder aus Malaysien ausreisen, sondern bin ein frei reisender Tourist und kann reisen, wohin ich möchte.

Schon ein paar Wochen zuvor hatten wir beschlossen, die Reise nicht gemeinsam zu Ende zu führen, da wir nach einiger Zeit auf engstem Raum feststellen mussten, dass unsere Charaktere und damit auch unser Handeln und der Umgang mit bestimmten Situationen doch zu unterschiedlich sind, um dies ganze 8 Monate lang gemeinsam und harmonisch durchzuhalten.
Natürlich konnte (und wollte) ich nicht einfach irgendwo aussteigen, und so kamen wir überein, dass ich die TARTARUGA erst nach der Straße von Malakka verlassen werde.
Der Skipper fährt nun, so ich es richtig verstanden habe, mit seinem Besuch aus Deutschland bis Langkawi weiter und wird dann dort Anfang Dezember 2 neue Crewmitglieder an Bord nehmen, um die Reise nach Europa anzutreten.

Ich selber werde in den nächsten Wochen wie schon erwähnt noch ein wenig durch Südostasien tingeln und mir Land und Leute, Kultur und Kulinarik angedeihen lassen. Terminplan dazu hab ich keinen. Brauche ich auch nicht. Ich reise einfach noch ein bißchen. Und natürlich werde ich auch noch etwas darüber bloggen.

Am 06. August bin ich von zu Hause aufgebrochen und am 8. August in Neukaledonien angekommen. Am Mittwoch den 21. August 2019 sind wir dann in Noumea in Neukaledonien aufgebrochen. Seit her sind 56 Tage vergangen und gute 4.500 Seemeilen (etwa 8.300km) hinter uns. Wir hatten ausgesprochen gute Bedingungen und kamen nie in einen Sturm. Tolle Sache! Dank ans Universum!

Ich habe auf der Überfahrt wirklich sehr viel gelernt und möchte mich an dieser Stelle auch aufrichtig dafür bedanken. Es war eine tolle Erfahrung, die ich keinesfalls missen möchte.
Was das beste für mich war? Nachts während meiner Wache am Steuerstand zu stehen, den Wind in den Haaren zu spüren, den Himmel und das Meer zu beobachten. Die Kontinuität zu genießen, mit der uns der Wind voran trieb. Von einem Meer ins nächste und von einem Land ins andere.

Ach ja, wenn ihr etwas vorhabt, tut es einfach. Hebt es nicht für später oder irgendwann auf. Macht es jetzt. Es zahlt sich immer aus.

Sundown

Durch die Straße von SINGAPUR

Noch am Tag der Ankunft hatten wir alle Papiere für die Ausklarierung aus Indonesien im Marinabüro abgegeben. Die Leute dort waren sehr kompetent und hilfreich.
Am nächsten Morgen mussten wir nur wie vereinbart an der Mole auf die Beamten vom Zoll warten, was wir auch gleich mit Tanken verbunden haben. Getankt war schon lange, nur die Zollbeamten kamen nicht, worauf wir im Marinabüro nachfragen lassen. Die Antwort war kurz und bündig. Die Beamten kommen heute nicht, die Papiere sind aber fertig und müssen nur im Büro abgeholt werden. Somit sind wir am 11. Oktober gegen 11:30 Uhr ausgelaufen und haben Indonesien hinter uns gelassen.

Wir fahren nun also bereits in der Straße von Singapur, einer der wohl meist frequentierten Schifffahrtsstraßen der Erde. Aber das habt ihr ja schon im letzten Beitrag mit den vielen kleinen, bunten Punkten gesehen. Zuerst fahren wir noch entlang der Küste Richtung Westen auf der indonesischen Seite auf Höhe von SENGKOEANG, und nun kann man sehen, dass die Logistikindustrie auch hier ihre Spuren hinterlässt.

Im Hintergrund können wir Singapur mit seiner Skyline bereits ausmachen; noch etwas diesig aber doch klar zu erkennen. Die Schiffe, die hier verkehren, sind zum Teil schon wirklich sehr beeindruckend, was Größe und Ladung anbelangt. Am AIS wird ihre Größe teilweise auch gar nicht mehr in Fuß, sondern in nautischen Meilen angegeben.

Dann aber kommt der Zeitpunkt, wo wir auf die andere Seite der Straße müssen. Möglichst quer und im rechten Winkel wie es die Vorschrift besagt, um möglichst rasch durch zu kommen. Auf ein Blatt Papier ist das ja schnell mal hingeschrieben, aber wenn die großen Riesen hier mit 8-15 Knoten dahin fahren, ist deren „Bremsweg“ etwa genau so lang in nautischen Meilen.
Natürlich können die auch manövrieren, aber da will schon gut navigiert sein, um hier ohne gröbere Ausweichmanöver hinüber zu kommen.
Da haben wir zuerst mal jene, die von links kommen, bis wir in der Mitte sind, wo sich die Fahrtrichtung umkehrt und die Schiffe dann also von rechts – oder eben von Steuerbord – kommen.

Am Ende geht alles gut, bis auf diese Welle eines schnellen Schiffes, das vor unserer Nase gequert hatte, die wir wohl etwas spät gesehen haben und uns auch soweit nichts dabei dachten. OK, das wird ein bisschen durchs Trampolin spritzen, aber sonst?
Das tat die Welle dann auch, 1x, 2x mit Getöse einen guten Meter hoch durchs Trampolin, wie eine weiße Wand und dann noch ein wenig schaukeln und dann wars auch schon wieder vorüber.
Hätten wir nicht, ja hätten wir nicht die Bugluken offen gehabt. Sch..eibenkleister!
Backbord sehr viel Wasser im Boot, Steuerbord eher wenig. Keine Zeit dafür im Moment, denn noch sind wir nicht durch.
Später muss zumindest die Backbordkabine zu einem guten Teil ausgeräumt werden. Die nassen Sachen müssen mit Süßwasser gespült werden, denn wenn das Salz trocknet, hinterlässt es nicht nur Spuren, sondern macht auch alle Textilien bockig und hart. Die Segler kennen das von den bockigen Schoten.
Und danach noch alles aufhängen zum Trocknen und später wieder alles einräumen.

Nun geht es an der Stadt vorbei und man kann das allseits bekannte Marina Sands Bay Hotel (3 Türme mit dem zusammenhängenden Pool am Dach) sehr gut erkennen.

Schon bald sind wir abseits der Stadt und erreichen RAFFLES LIGHTHOUS auf der Insel SATUMU. Das ist unser Wendepunkt nach Nordwest, um in die Straße von Malakka einzufahren. Es ist mittlerweile 16:00 Uhr geworden.

Und wie wir so um die Ecke biegen und langsam nach NW fahren, traue ich meinen Augen kaum. Waren das eben gerade noch viele Schiffe, so sehen wir uns jetzt einem regelrechten Wald von Schiffen gegenüber. Eines nach dem anderen und eines neben dem anderen; und alle kommen auf uns zu!

Entspannt Euch, zumindest die meisten davon hängen an der Kette. Man sagt, sie liegen auf Reede und warten darauf, ent- oder beladen zu werden. Und wieder einmal ist Vorsicht geboten, denn nicht alle liegen vor Anker und bei so einer Menge, ist das nicht immer leicht auszumachen.
Dass sie uns alle „entgegenkommen“ ist allerdings zweifelsfrei ein Vorteil, denn vor Anker liegend heißt das, dass wir die Strömung im Rücken haben und sie uns in unsere Richtung schiebt. Und das ist gut so.

Und dieser Wald an Schiffen ist schier endlos und wieder einmal bricht die Nacht herein und alle zünden ihre Lichter an.

Am Ende der Nacht steuern wir PISANG, eine kleine Insel an, um zu ankern. Die vergangenen Stunden waren aufregend aber auch anstrengend. Es ist der 12. Oktober 07:30 Uhr; hier verbringen wir den Tag.

Sonnenaufgang

Über den ÄQUATOR bis NONGSA POINT

Es ist der 7. Oktober, als sich die Logge auf 4.000nm dreht und auch jener Tag, an dem sich die ersten Vorboten des kommenden Monsuns zeigen, große Gewitterwolken. Ab nun haben wir beinahe jeden Tag (meist nachmittags) in unserer Nähe eine Gewitterfront vorbeiziehen. Manchmal erwischt uns etwas Regen und manchmal auch nicht. Das wirklich gute daran aber ist, dass die Wolken auch immer Wind mit sich bringen und wir sozusagen „angesaugt von der Wolke“ guten Wind in die Segel bekommen. Es wird allerdings umgekehrt auch zusehends so, dass uns bald nur noch die Gewitterwolken Wind bringen und wir ansonsten sehr oft motoren müssen.

So auch in der Inselgruppe LINGGA RIAU etwa 200km südlich von Singapur. Als wir in die Inselgruppe einfahren, fällt auf, dass mitten im Wasser Holzhütten auf Pfählen stehen. Als wir näher kommen, sehen wir, dass es sich um Fischerhütten handelt, die direkt unter sich ein großes Fischernetz angebracht haben.
Auch die Häuser an den Inseln sind meist auf Pfählen über dem Wasser und nicht auf festem Boden errichtet.

Am 8. Oktober nähern wir uns gegen Abend dem ÄQUATOR und um 18:47 Uhr (Zeitbasis Singapur) zeigt der Kartenplotter eine Schiffsposition von 00° 00`.000N. Die nördliche Hemisphäre hat uns wieder. Kurz darauf geht die Sonne unter; direkt über dem Äquator.

Der letzte Abschnitt in Indonesien führt uns erneut durch eine Meerenge mit viel Schiffsverkehr und starken Strömungen. Wenn auch nur noch etwa 80nm, will die Anfahrt gut überlegt sein.
Wann wollen wir ankommen?
Wie ist die Strömung zu welcher Zeit?
Wie lange sind wir in den einzelnen Abschnitten unterwegs? Und …
Wie viel Sprit brauchen wir noch für den restlichen Teil der Strecke?

Denn der Wind wird immer weniger und unsere Dieselvorräte werden deshalb mehrmals täglich überprüft bzw. auf Karten und mit dem Fernglas Ausschau nach einer Möglichkeit zum Tanken gehalten. Doch dann sind wir uns nach allen Berechnungen sicher, dass der Dieselvorrat ausreichend ist, um nach Nongs Point zu kommen. So ankern wir noch einmal vor der Engstelle, die uns zur Straße von Singapur bringt, bevor wir in die Meerenge einfahren.

Am 10. Oktober früh morgens brechende wir auf und werden auch gleich mit regem Schiffsverkehr konfrontiert. Dass hier etwas los ist, kann man am besten auf den Bildern von http://www.marinetraffic.com erkennen. Jedes von den bunten Pünktchen ist ein Schiff. An der Südspitze von Malaysia ist Singapur und dort findet ihr bei genauem Hinsehen einen etwas größeren blauen Pfeil. Das sind wir.

Gut navigiert und manövriert erreichen wir gegen Mittag die Marina NONGSA POINT. Letzte Station in Indonesien und Ausklarierungshafen für unsere Weiterreise nach Malaysien.
Das Marinagebäude kann sich sehen lassen, nebst gepflegter Sanitäreinrichtungen, Pool und Gartenanlage. Zudem ein Restaurant und eine Bar.
Vor der Marina sieht man in einiger Entfernung die großen Frachtschiffe die Straße von Singapur entlang fahren. Am späten Abend gibt’s dann noch ein Bierchen in der Bar, wo man sich mit anderen Seglern trifft und plaudert, von wo man kommt, wohin man fährt, ….           

Sundown

JAVASEE bis BELITUNG

Dass man in Indonesien sehr schnell Millionär ist, wisst ihr ja schon. Was ihr aber noch nicht wisst ist, dass man hier auch auf dem Meer ein ganzen Haufen Kohle finden kann.
Als wir am nächsten Morgen wieder losfahren, passiert uns genau das. Vor uns treibt ein riesengroßer Haufen Kohle (oder Erz oder …?) im Meer. Nun ja, treiben ist wohl nicht ganz richtig, denn ein Schlepper hat ihn fest am Haken. Ist also kein Treibgut und können wir uns damit auch nicht unter den Nagel reißen. Aufpassen heißt es wieder einmal, denn das Zugseil des Schleppers befindet sich großteils unter Wasser und sollte nach Möglichkeit auch nicht überfahren werden.

Die großen Handelsschiffe werden mehr und die Fischreusen immer schlechter zu sehen. Doch was sich jede Nacht abspielt, ist ein wahrer Spießrutenlauf durch die Armada an Fischerbooten. Einmal zählte ich von Backbord querab bis Steuerbord querab über 40! Lichter und man weiß nie, ob da nun ein Schleppnetz dran hängt oder nicht. Rechtzeitiges Steuern ist angesagt, denn der Spinnaker, den wir nun meist fahren, ist zwar sehr flexibel, aber es braucht schon seine Zeit, um ihn passend zum Wind zu stellen.

Tagsüber nähern sich die kleineren Fischerboote dann immer auf wenige Meter, um uns genau unter die Lupe zu nehmen. Ein Segelboot bekommt man offenbar nicht alle Tage zu sehen. Und wie immer winken Sie freundlich und rufen uns etwas zu.

Unser nächster Ankerplatz ist BELITUNG. Die letzte größere Insel in der Javasee zwischen Java und Kalimantan. Unser Sprungbrett nach NONGSA POINT, dem Hafen, an dem wir aus Indonesien ausklarieren werden.
Eine Urlauberinsel wie rasch an den Bauten am Strand und dem regen Bootsverkehr zwischen den kleinen vorgelagerten Inseln zu erkennen ist. Es liegen zwar schon 3 andere Boote vor Anker an denen man sich orientieren kann, aber hier ist höchste Vorsicht geboten, denn bei Flut zeigen sich die vielen „kleinen“ Steine knapp unter der Wasseroberfläche nicht. Klein deshalb, weil da teilweise echt große Brocken aus dem Wasser ragen. Am beeindruckendsten aber ist eine große Formation, die mich unweigerlich an das britische „Stonehenge“ erinnert. Als die Flut zurück geht, wird das natürliche Bauwerk noch ein Stückchen eindrucksvoller.

Als wir früh am Morgen wieder aufbrechen kommen uns die heimkehrenden Fischer entgegen und etwas später überrascht uns eine Regenwolke. Von nun an fahren wir (bis Singapur) durch den südwestlichen Rand des südchinesischen Meeres.

Und so geht es in den nächsten Tag und in die nächste Nacht. Sundown

JAVASEE bis BAWEAN

Samstag, 28. September 2019. Wir bereiten uns auf die Abfahrt von Bali vor. Nachdem ich die TARTARUGA mal mit Süßwasser aus dem Marinaanschluss an der Mole (mit Wasseruhr und zahlen von 3Ct/Liter) abgespült habe, brechen wir gegen 12:00 Uhr auf.
An der Ausfahrt wiederholt sich das Spektakel mit den Touristenbooten und ihren „fliegenden Anhängen“ erneut, und es ist fast schon ein kleines Wunder, dass sich hier nicht einer im anderen verheddert. Rasch sind wir durch, setzen neben dem Groß noch Genua und Besan, nehmen Kurs auf die Meerenge zwischen BALI und LOMBOK und hoffen, dass sich die Strömung zwischen Bali und der in der Meerenge liegenden kleinen Insel LEMBOGAN diesmal zu unseren Gunsten dreht.

Das tut die Strömung aber leider entgegen unserer Berechnungen nicht, und so gehen wir auf LEMBOGAN nochmals vor Anker um das Kippen der Tide (den Wechsel zwischen Ebbe und Flut und damit die Strömungsumkehr) am späten Abend abzuwarten.
Lembogan wird auch als „Golden Beach“ bezeichnet und daher von entsprechend vielen Touristenbooten von Bali aus angefahren, um hier den Tag mit schnorcheln, schwimmen, essen und faulenzen zu verbringen.

Lange nach Sonnenuntergang brechen wir auf und sind noch nicht mal richtig aus der Bucht draußen, als wir etwas ziemlich großes mit der Backbordschraube einfangen. Es ist eine herumtreibende Persenning (Abdeckplane mit Schnüren dran) mit etwa 2x3m, die wohl der Wind von irgendwo weg geweht und ins Wasser geworfen hat.
Da macht es sich dann schon bezahlt, wenn du noch einen zweiten Motor hast, mit dem du nochmals umdrehen und den Anker erneut werfen kannst. Und dann ein Sprung ins Wasser, mit Schnorchel und Messer bewaffnet, und die Plane losschneiden. Keine große Sache für einen Profi, der das schon öfter mal gemacht hat, aber dennoch nicht ganz ohne bei Nacht und Strömung.

Dann aber fahren wir wirklich los und sind bis gegen 09:00 Uhr am Morgen durch die Meerenge durch. So lassen wir Bali hinter uns und halten Kurs NW in Richtung BELITUNG. Wir befinden uns nun in der JAVASEE und ab hier auch wieder ständig in flachem Wasser bis zu 80m Tiefe.

Dann sehen wir etwas auf uns zu treiben, das wir nicht ganz definieren können. Es ist jedenfalls mal kein Fischerboot, hat so etwas wie eine Art schwarze Fahne und sieht eher aus wie ein Floß. Und das ist es im Endeffekt dann auch, ein Floß oder eine kleine schwimmende Insel aus Holz, die sehr wahrscheinlicher Weise eine Fischreuse unter sich birgt. Und aus einer werden viele, sehr viele.

Es wird schon fast ein Slalom zwischen diesen Flößen hindurch, die im Abstand von 1 – 2nm links und rechts auftauchen. Ständiges Absuchen des Horizontes mit dem Feldstecher ist die Folge. Immer wieder sehen wir Fischerboote in deren Nähe, aber etwas Beklemmung überkommt mich, wenn ich daran denke, dass es bald wieder dunkel wird. Überfahren möchte ich so ein Floß ja nicht gerade unbedingt.
Der Mond geht auf, die Sonne unter, und Entwarnung! Die Flöße haben doch tatsächlich ein weißes Blinklicht, dass sich bei Einbruch der Dunkelheit einschaltet und so steuern wir ohne weitere Vorkommnisse durch die Nacht, denn die Fischerboote selbst sind extra gut beleuchtet (Arbeitsscheinwerfer) und schon von Weitem zu erkennen.

Am 1. Oktober werfen wir Anker vor der Insel BAWEAN (Sanskrit für Sonnenlicht), um uns ein wenig auszuruhen. Obwohl die Insel einen kleinen Flughafen hat, scheint sie noch nicht sehr erschlossen und ein kleiner Rundgang zeigt uns mal ein ganz anderes Ortsbild von Indonesischen Siedlungen. Ungeachtet der Menschen, die hier genauso freundlich und gesprächig sind wie überall anders auch. Und auch hier tragen die Kinder Schuluniformen.

Was ich an dieser Stelle allerdings mal einflechten muss ist, dass sich in Indonesien das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit noch gar nicht herumgesprochen bzw. durchgesetzt hat. Plastikmüll am Straßenrand soweit das Auge reicht ist hier Normalzustand. Leider!

Nach einem Palaver am Strand mit den Einheimischen wird zurück zum Boot geschnorchelt, aber leider ist das Wasser etwas trüb und außer einem kleinen Fisch und unserer Ankerkette kann ich nicht viel sehen.

Sundown

BALI

Bali ist 5.780km2 groß und hat etwas mehr als 4,2 Mio. Einwohner, wovon wiederum etwa 790.000 in der Hauptstadt DENPASAR im Südosten der Insel leben. BALI ist (im Gegensatz zu TIMOR) nun die westlichste der kleinen Sundainseln und ist von der großen Insel JAVA nur durch eine 2,5km breite Wasserstraße getrennt. Bali ist entgegen aller anderen indonesischen Inseln zu über 90% hinduistisch und gehört damit neben Indien, Nepal und Mauritius zu den wenigen Ländern (obwohl natürlich kein eigenes Land, sondern Teil Indonesiens) mit einer hinduistischen Bevölkerungsmehrheit.
Die Menschen auf Bali glauben fest an das Über- bzw. Unterirdische, und dass diese Kräfte mit Opfergaben besänftigt werden müssen. Deshalb sieht man an Straßenkreuzungen oder anderen gefährlichen Stellen oftmals Opfergaben an Schreinen oder auch einfach nur am Boden stehen. Diese bestehen zumeist aus einem Bananenblatt mit Blumen und Reiskörnern, aber auch Zigaretten, Früchten und anderen guten Sachen, auf die man zwecks Opfergabe verzichtet. So werden die Dämonen besänftigt und beruhigt.

Am Tag nach unserer Ankunft machen wir uns auf in die Stadt. Genauer gesagt in eine Vorstadt von Denpasar, nach KUTA.
Kuta erlangte 2002 und 2005 eine traurige Berühmtheit durch die terroristischen Anschläge auf mehrere Diskotheken und ein Einkaufszentrum mit insgesamt mehr als 200 Opfern. Heute ist Kuta wieder ein beliebter Ferien- und Badeort und bekannt für die guten Surfbedingungen im indischen Ozean. Es ist das Zentrum für neugierige Touristen, und genau das sind wir und deshalb fahren wir mit dem Taxi auch dorthin und steigen am Stand der Tourist Information aus.
Wir fragen nach den Besichtigungsmöglichkeiten für den verbleibenden Tag. Der freundliche junge Mann gibt uns eine kurze Aufstellung von „große Statue“, „Wassertempel“ und „Sundowndance“, Preis für 2 Personen sind 35 Euro, ein eigener Fahrer fährt uns überall hin und bringt uns danach zurück in die Marina. Unschlagbares Angebot, angenommen!
Die verbleibende Stunde bis zur Abfahrt um 14:00 Uhr nutzen wir um ein bisschen einzukaufen, herumzulaufen und zum Strand zu gehen.

Nicht unerwähnt möchte ich die kreative Gestaltung der Straßenbeleuchtungspalmen (inkl. Kokosnüsse!!) lassen, welche im Zentrum von Kuta zu finden sind. Ich gehe mal davon aus, dass es sich dabei um Recyclingmaterial handelt 😉

Und dann geht es auch schon los. Ein Taxi holt uns am TI-Stand ab. Ornan ist unser Fahrer und er ist wie alle anderen auch sehr nett und gesprächig.
Unser erster Anlaufpunkt ist das „GWK“, die GARUDA WISNU KENCANA Statue, die wir schon beim Einlaufen gesehen haben, aber zuerst dachten, dass das ein großer Leuchtturm oder so etwas sei. Bis dahin ist aber ein Stück zu fahren und einmal mehr beweist sich, dass das Zweirad dem Auto eindeutig überlegen ist.

Noch können wir uns gar nichts richtiges unter der geheimnisvollen Statue vorstellen, aber als wir sie dann einmal zwischen den Bäumen durch sehen können, wird uns klar, dass es ein wirklich enorm großes Bauwerk ist.
Mit kleinen Bummelbussen werden wir vom Parkplatz zum Eingang des Kulturparks gebracht und gehen zu Fuß weiter in Richtung GWK. Auf dem Weg dorthin besuchen wir eine Aufführung im Amphitheater, die speziell zum Mitmachen gedacht ist.

Immer weiter geht es zwischen riesigen Felswänden und großen Plätze dazwischen, bis wir an einen überdimensionalen Vogelkopf kommen. Er ist ein 1:1 großer Teil aus der GWK Figur und lässt erahnen wie groß das Gebilde ist.

Und dann stehen wir davor. Einfach gewaltig!

Die Statue samt Podest ist 120,9m hoch (Sockel 46m, Statue 75,9m) und 64m breit. Sie besteht aus einem Stahlgerüst auf einem Podest, das mit 754 Modulen aus Kupfer und Messing verkleidet ist.
Sie wurde 1993 zu bauen begonnen und 2018 erst fertig gestellt. Auf dem nachstehenden Bild ist zu erkennen, wie der Park als ganzes geplant war, bevor nun ein endgültiger Baustopp verhängt wurde.

Der Adler GARUDA ist das Reittier der Gottheit VISHNU und auch das Wappentier Indonesiens. Er steht für Geschwindigkeit, Kraft und Kampfgeist. VISHNU (auch Wisnu) ist der Bewahrer und Beschützer des Universums. Er kämpft gegen zerstörerische Kräfte, wenn diese ausufern und stellt das kosmische Gleichgewicht wieder her.

Man kann auch mit einem Lift in die Statue hinauffahren. Die nächste Fahrt wäre aber erst um 17:00 Uhr gewesen. Viel zu spät für uns. Auf dem Rückweg kommen wir noch an der Büste von Vishnu vorbei und können einer Tanzaufführung beiwohnen.

@ Xaver und Leni: Habt ihr schon die Schlangenkönigin entdeckt?

Dann aber zurück zum Taxi und ab zum Wassertempel; wir sind spät dran. Obwohl, es ist schwer sich loszureißen, weil mich der Anblick dieser gewaltigen Bauwerke schon gefesselt hat.

Am ULUWATU TEMPEL angekommen wird es schon dämmrig. Wir haben also nur wenig Zeit, um uns die Anlage anzusehen, denn bei Sonnenuntergang beginnt der KECAK and FIRE DANCE.
Der auf einer 70m hohen Klippe gelegene Tempel ist wegen seiner Lage, der frei umherlaufenden Affen und seines Sonnenuntergangstanzes bekannt.
Genau heißt er PURA LUHUR ULUWATU, dabei bedeutet LUHUR = göttliche Herkunft, ULU = Spitze und WATU = Fels. Es ist schon ein wenig atemberaubend, wenn man an der Brüstung steht und nach unten sieht, wo die Wellen gegen die senkrechte Felsklippe branden und sich davor das Meer erstreckt, dessen Horizont die Sonne sich immer weiter nähert und dabei ein langes, goldenes Licht auf die Meeresoberfläche wirft.

Als wir zum Theaterplatz kommen scheint schon alles voll zu sein. Aber die Guides weisen uns Plätze zu und auch die nachströmenden Menschen finden noch Platz, bis sich die kleine Arena auch am Boden bis auf einen kleinen, offenen Kreis gefüllt hat. Dann nähert sich die Sonne dem Horizont und der KECAK und FIRE DANCE kann beginnen.

Dieser Tanz ist der einzige, der gänzlich ohne Instrumente aufgeführt wird und an deren statt sich eine Gruppe von Sängern (traditionell 70 Männer, heute etwa 30) sich in Trance singt und den Tanz begleitet. Es war unbeschreiblich, wie die Männer nahezu 1 Stunde lang ihr „tata tata, taha ta“ und ähnliche Sangeslaute durchgehalten haben. Der Hauptsänger kommuniziert dabei über die Tänzer mit den Gottheiten. Es war echt faszinierend!

Der Tanz erzählt eine Geschichte. Die Geschichte von Prinz Rama von Ayodya, der mit seiner Frau Sita und seinem jüngeren Bruder Laksamana im Exil lebt, im Wald Dandaka. Der Dämonenkönig Rahwana entdeckt sie dort und trachtet nach der schönen Sita. Durch eine List (ein goldener Hirsch erscheint) wird Sita von ihren Gefährten getrennt und von Rahwana entführt. Mit Hilfe des Affenkönigs Hanoman können Rama und Laksamana die schöne Sita aber wieder aus den Händen von Rahwana befreien und alles nimmt ein glückliches Ende. Dabei tut sich der in weis gekleidete Affenkönig als Unterhalter und Liebling der Zuseher hervor. Er taucht mitten unter den Leuten auf, tauscht die Rollen mit ihnen und sucht in ihren Haaren nach Läusen. Es darf also auch gelacht werden! Und solltet ihr jemals nach Bali kommen, DAS dürft ihr nicht versäumen. Es war einfach sensationell!

Sundown

Auf dem Weg nach BALI

Der Weg nach Bali sind nur etwas mehr als 500 Meilen. Ein Klacks also im Vergleich zur vorhergehenden Strecke möchte man fast sagen und in nur 5 Tagen zu schaffen.

Wir fahren dabei erst durch die SUVASEE, die wohl nach der Insel SUVA (oder umgekehrt?) benannt ist. An der Insel mit dem endlos langen Sandstrand gibt es auch wieder eine tolle Riffbrandung zu beobachten.

Dann kommen wir in die FLORESSEE, und richtig, die Insel FLORES gibt es auch 😊. Die nächste Insel ist dann SUMBAWA und danach kommt schon die westliche Nachbarinsel von Bali, LOMBOK. Zwischen Bali und Lombok führt eine Schifffahrtsstraße von Nord nach Süd (China/Australien oder China/Südafrika). Da ist mit einigermaßen Schiffsverkehr zu rechnen. Zudem wirkt die Meerenge wie ein Trichter auf Ebbe und Flut und verursacht damit entsprechend große Strömungen.

Für die Berufsschifffahrt international schon lange verpflichtend, müssen in Indonesien auch Sportboote wie unseres, ein sogenanntes AIS-System an Bord haben. AIS steht für Automatc Identification System und ist ein Gerät, das ständig ein Signal mit Daten des Schiffes sendet, bzw. können andere Schiffe diese Daten empfangen und lesen.

Auf unserem elektronischen Kartenplotter sieht das dann so aus, dass ich zuerst mal ein graues Dreieck oder eben auch mehrere sehe, wenn ein (oder mehrere) AIS-Schiff(e) in der Nähe sind. Aus der Form und Lage des Dreieckes kann ich schon mal erkennen, wohin es in etwa fährt und zudem kann ich die Entfernung zu mir abschätzen. (Bild 1)

Wenn ich dann mit dem Cursor auf das jeweilige Schiff clicke, erhalte ich eine Erstinformation mit den wesentlichsten Grunddaten (Bild 2)
* Das Schiff fährt einen Kurs über Grund von 358° (also fast Nord)
* Es fährt 10,7kts schnell
(kts steht für „Knoten“ und bedeutet Seemeilen/Stunde; hier also knapp 20km/h)
* Und es wird meinen COG (Kurs über Grund) mit einem Abstand von 7,343nm in 13Minuten und 56 Sekunden kreuzen. Das ist ziemlich viel Platz; 13km Entfernung.

Nun kann ich zusätzlich noch detailliertere Informationen per Knopfdruck abrufen und erhalte außerdem noch Angaben wie Name und Rufnummer (um das Schiff auch anfunken zu können) Größe, Zielort und einiges mehr. (Bild 3)
In unserem Fall ist es die PAN MARGARET, die knapp 300m lang ist. Also nicht unbedingt auf Kollisionskurs gehen 😉.
Als ich den Namen lese, kommt mir mein Cousinchen „Margret“ in den Sinn. „Liebe Grüße aus Indonesien, liebe Gretl.“

Die Strömung hat uns auch schnell erfasst und zu Anfang haben wir Glück, sie schiebt uns mit zusätzlichen 3kts an (LOG=2,0 / COG=5,0kts). (Siehe auch blauer Pfeil im 4. Bild)
LOG ist die Geschwindigkeit der Logge. Ein kleines Wasserrad unter dem Schiff, dass uns anzeigt, wie schnell wir durchs Wasser fahren. Stellt euch vor, wir wären in einem Fluss und an einer Brücke festgemacht. Dann würde uns die Logge ständig die Geschwindigkeit des Wassers anzeigen, das unter dem Schiff durchfließt, also wie schnell wir durchs Wasser fahren. Wir würden uns aber mit 0,0kts über Grund (COG) bewegen, da wir ja fest gemacht sind.

Etwas später sieht das dann nicht mehr so gut aus.(Bild 5) Die Strömung hat sich gedreht, und ich muss das Schiff mit einem Kompasskurs von 353° steuern, um mit 296° nach Westen in die gewünschte Richtung abzudriften (-57°). Ich fahre also nahezu quer!

Aber auch das lässt nach und am nächsten Morgen erreichen wir die Südwestküste von BALI. Als wir uns nähern, fällt zuerst ein riesiger Turm am Hügel auf, der sich als eine Art Statue entpuppt.
Umso näher wir der Küste kommen, umso mehr verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass wir eine Filmscene zur Landung der alliierten Truppen in der Normandie miterleben dürfen. Unzählige Schiffe kreuzen vor der Küste und eine Menge Fallschirmjäger landen gerade.
Mit zunehmender Nähe lichtet sich die Szene. Es sind die Touristenboote, die mit Parasailern, Bananabooten, Reifen und sogar fliegenden Luftmatratzen unterwegs sind. Allerdings in einem Ausmaß, das ich so nicht kenne und das alles mitten in der Schifffahrtsstraße, wo Sport- wie Berufsschifffahrt ein- und ausfahren.

Wenige Minuten später erreichen wir die BALI MARINA und machen an einem Schwimmsteg fest.
Nun ja, groß ist die Marina nicht gerade und auch nicht unbedingt in einem Vorzeigezustand. Aber es gibt Wasser, Strom und Duschen. Strom allerdings nicht in Form von Steckdosen, sondern von offenen Leitungen in einem Kasten, an die je nach Bedarf Steckdosen frei fliegend angeklemmt werden. Und des Nachts gibt es dann noch ordentlich Rummel auf den benachbarten Touristenbooten, die zum Galadinner einladen.

Neben uns liegt eine „Tartan 34C“, die TEMUJIN, die von Eric und Kennon, 2 jungen Amerikanern, durch die Welt gesteuert wird. Im Vergleich zur TARTARUGA macht sie sich wie eine Nußschale aus und es drängt sich die Frage auf, wie sich ein doch sehr kleiner Monokiel wohl so in der Welle macht. Aber nachdem die beiden schon seit Jänner 2018 von den Staaten aus über Panama und den Pazifik unterwegs sind, dürfte das ganz gut klappen. Die beiden Jungs machen auch gerade ihr Schiff klar zum Auslaufen, denn morgen früh geht es weiter in Richtung Kap der guten Hoffnung nach Südafrika.
Wir kommen jedenfalls schnell ins Gespräch und verabreden uns für den Abend auf ein Bierchen im Cocpit der TEMUJIN. („Temujin“, so wird mir erklärt, ist der ursprüngliche Name des großen Mongolischen Herrschers Dschingis Khan.) Mehr dazu gibt´s auf www.hard-tack.com der Webseite der Temujin.

Sundown

Indonesien / Timor / Kupang (fortgesetzt)

Hallo zusammen, da bin ich mal wieder. Leider bin ich mittlerweile etwas hinten nach mit meinem Blog, aber während der Fahrt in der Welle vertippe ich mich ständig und vor Anker oder an Land gibt es immer viel zu tun und zu sehen, und manchmal packt mich die Muse einfach nicht 😉

An dieser Stelle möchte ich mich mal für die ganzen Bilder, Wünsche und Kommentare bedanken, die ich von Euch aus euren Urlauben und auch von zu Hause bekomme. Darüber freue ich mich immer sehr. DANKE!

INDONESIEN
Die Republik Indonesien ist ein riesig großes Land zwischen Asien und Australien, mit 1.875km Nord-Süd Ausdehnung und über 5.000km von Ost nach West (Australien hat beispielsweise nur etwa 4.000km Breite und Österreich …? (Na da schlagen wir doch gleich mal nach.)
Indonesien ist mit über 264 Mio. Einwohnern das 4. größte Land der Erde und beheimatet die meisten Muslime weltweit. In der Hauptstadt JAKARTA auf der Insel JAVA leben 10 Mio. Einwohner, wobei auf Java überhaupt mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt. Übrigens soll Jakarta auf die Nachbarinsel Kalimantan übersiedelt werden, da auf Java Platzmangel herrscht und es zu tief zur Meereshöhe liegt. Das ist ein Projekt, whow!
Indonesien besteht aus über 17.500 Inseln, wovon aber nur etwa 6.000 bewohnt sind. Es gibt sie also noch in rauen Mengen, die unbewohnten Inseln auf dieser Welt!
Damit ist Indonesien auch der größte Inselstaat der Welt. Einige der Inseln kennt man vom Namen her, wie JAVA, BALI, LOMBOK, FLORES, KOMODO (Varane), SUMATRA, BORNEO (indonesisch Kalimantan), (West-) NEUGUINEA (nicht zu verwechseln mit Papua-Neuguinea; liegt zwar beides auf der gleichen Insel, aber nur der westliche Teil gehört zu Indonesien). Und dann gibt es noch die Insel …

TIMOR
Am östlichen Rand von Indonesien mit etwa 2,8 Mio. Einwohnern und 33.850km2 die größte der „kleinen Sundainseln“ liegt TIMOR.

Indonesien wurde erst nach dem 2. Weltkrieg von seiner niederländischen Kolonialmacht in die Unabhängigkeit entlassen, wobei die nordöstliche Hälfte von Timor aber portugiesisch besetzt war und diese wiederum nur den Status einer portugiesischen Überseeprovinz verliehen bekam.

Ein geteiltes Land ähnlich Zypern also. Das führte immer wieder zu Unabhängigkeitsbestrebungen und in den 70er Jahren sogar zum Bürgerkrieg, sodass die Vereinten Nationen eine Friedenstruppe entsendeten und erst 2002(!) tatsächlich die anerkannte Demokratische Republik Timor-Leste mit der Hauptstadt DILI ausgerufen wurde.

Wir aber befinden uns im südwestlichen Teil der Insel in Indonesien und in deren Hauptstadt …

KUPANG
Kupang liegt mit seinen 335.000 Einwohnern am südwestlichen Zipfel der Insel und ist Anlaufstation für sehr viele von See nach Indonesien einreisenden, wie wir es sind.
Und eines möchte ich auch gleich vorweg nehmen: Die Menschen hier sind sowas von freundlich, herzlich und entgegenkommend, wie ich es (außer im Nepalesischen Hochgebirge) selten zuvor erlebt habe. Sie sind einfach „gut drauf“ würde man bei uns sagen und sie freuen sich, wenn man sie anspricht mit „Guten Tag – Selamat Siang“, „Wie geht’s dir – Apa kabar“, oder „Wie heißt du? – Siapa nama anda?“. Sie lieben es, fotografiert zu werden und noch mehr, wenn man ein Selfi zusammen macht. Aber seht euch die Bilder einfach an, es ist unschwer zu erkennen.

Am ersten Abend nach der Ankunft sind wir zum traditionellen Foodmarket, wo Straßenessen geboten wird. Ein Essensstand nach dem anderen und alle preisen ihre Waren an. Fisch und Meeresfrüchte, Hühnchen, Reis und Gemüse, Fruchtsäfte frisch gepresst oder als Cocktail geshaked.
Ich hab mir einen Fisch ausgesucht und einen NANAS-Shake. Das A von Ananas fehlt mit Absicht. Indonesisch eben NANAS. Und ganz wichtig, damit man als Normalsterblicher das angebotene auch essen und genießen kann, immer dazu sagen: „Tidak Lombo“, was „nicht scharf“ oder genauer“kein Chili“ bedeutet.
Der Fisch wird dann erst mal geschuppt und ausgenommen, flachgedrückt und in ein Gewürzbad gesteckt. Dann in ein Grillgitter gedrückt und rauf auf den Grill.

Übrigens gibt es in der „Küche 😉“ eine strenge Aufgabenteilung:
* Einer, bei dem du die Speisen auswählst
* Zwei an der Kasse
* Ein Speisenvorbereiter (Fisch oder Hühnchen herrichten)
* Ein Griller
* Ein Wokkoch (der wirft alles aus einem halben Meter Entfernung in den Wok, mit eleganten
Bewegungen wie ein Cocktailmixer
* Eine Reisköchin
* Ein Servierer
* Eine Fruchtsaftpress- und Mischerin
* Ein Abwäscher mit 5 Behältnissen (Speisereste, Rest, Vorspülbottich, Spülmittelbottich und Klarspülerbottich). In die Bottiche wird aber alles nur hineingelegt und nicht gewaschen, wie wir das tun, und dass nach ein paar Stunden im letzten Bottich dann das gleiche Wasser ist wie im ersten ist auch klar. Aber das ist halt so, und am Ende hat der Fisch ja SOWAS VON SUPERGUT geschmeckt. Das war „ini lezat“.

Dann haben wir den Gemüsemarkt besucht. Das ist weder mit Bildern noch mit Worten zu beschreiben. Stellt euch mal ein Fußballfeld vor, dass nur aus Gemüseständen (und Fisch- und Fleischständen) besteht und da geht ihr jetzt durch. Übrigens, so schmal kann der Weg da gar nicht sein, dass nicht immer noch die Mopeds auch durch passen würden; völlig crazy!
Und geben tuts hier alles und heikel darf man einfach nicht sein. Aber seht selbst:

Von den BEMOs, den öffentlichen Kleinbussen habe ich euch ja schon berichtet. Die meisten davon haben große Boxen mit einem fetten Sound unter den Sitzen und die spielen auch richtig laut. Alle haben sie unzählige Antennen auf dem Dach, aber da gab es dann einen, der schlug sie alle: Der SUPERBEMO. Der fuhr mit offener Heckklappe und hatte doch tatsächlich nebst Lautsprechern ohne Ende auch noch einen FLAT-TV verbaut auf dem Youtube lief, für den Verkehr hinter ihm. Das war schon voll krass.

Das Maß aller DInge im Straßenverkehr ist hier aber das motorisierte Zweirad. In allen Bauformen, Motorleistungen und Farben. Sie fahren überall und kreuz und quer, aber es geht immer alles gut (irgendwie). UND es fahren auch geschätzte 95% mit Helm, außer Kleinkinder, die werden einfach im Arm gehalten, oder die 3. Person in der Mitte oder …
Würde man nur jedes 2. oder 3. Moped durch ein Auto ersetzen (wie das bei uns der Fall ist), würde der Verkehr augenblicklich zum Erlieghen kommen. Kein Platz mehr, kein überholen, nicht durch enge Gassen; Das Moped ist hier die klare Nummer 1.
Tja, und das musste ich natürlich auch gleich mal ausprobieren. Keine Sorge, ich bin nicht selber gefahren, sondern „nur“ mitgefahren. Ein Abenteuer und noch dazu nur mit einer Hand am Haltegriff, denn mit der anderen musste ich ja filmen und fotografieren.

Ja, und irgendwann mussten wir auch wieder los, und so hieß es am Samstag den 21.09.2019 um 17:30 Uhr wieder „Anker auf“. Wir ließen Kupang achteraus liegen und sind in Richtung BALI aufgebrochen. Sundown.

Autsch!

Kennt ihr dieses Geräusch, wenn man ein Stofftuch zerreißt. Das tut so irgendwie „autsch“ weh in den Zähnen, oder? Genau so hört es sich auch an, wenn …

Das Großsegel hat dem Winddruck nicht mehr stand gehalten. So viele tausende Meilen hat es die TARTARUGA durch die Weltmeere gebracht, doch nun haben Sonne und Wind das Tuch soweit ausgezehrt, dass es aufgegeben hat.

Ja und nun ratet mal, wie Joachim darauf reagiert hat? Es gab zuerst mal Kaffee und Kuchen. „Hängt ja eh noch an der Reffleine, ist also nicht so dringend.“ war sein kurzer Kommentar dazu.
Danach haben wir das Segel wohl abgeschlagen (es ausgefädelt und herunter genommen) und aus der Segelkammer das auch schon alte, aber immer noch gute, Ersatzsegel herausgesucht. Das haben wir dann auch angeschlagen und die Segellatten zurecht gemacht, dass sie auch wieder hinein passen.
(Die Segelkammer ist übrigens eine Lagerkammer im Steuerbordbug ganz vorne, die von außen zugänglich ist, wo alle Segel drin sind, um sie bei Bedarf schnell zur Hand zu haben.)

Und damit hatte es sich wieder. Was mit dem alten Großsegel passiert ist?
Nach ein paar Überlegungen, ob man es noch einmal nähen sollte, wurde es dann doch zerschnitten – sprich die brauchbaren Teile wie Lattenverschlüsse, Ösen und Bändsel herausgeschnitten – und der Rest in der Kiste am Achterdeck entsorgt. Ein kleines Stück davon ist aber in meine Segeltasche als Andenken gewandert. Und ein neues Groß ist schon bestellt und wird rechtzeitig nach Langkawi (Malaysia) geliefert.

Ein paar Tage später überfliegt uns wieder die „Australian bordercontrol“, wir verlassen die Arafura See und fahren in die TIMOR SEE ein. Das Meer wird wieder tiefer, die Welle ruhiger und wir sind im letzten Abschnitt vor unserem Zielort Kupang auf der Insel Timor in Indonesien, die wir wie ja schon bekannt, nach 21 Tagen auf See und 2.700nm (ca. 5.000km) am Dienstag den 17. September erreichen.

Moon is up vor Kupang.

Am nächsten Morgen am Ankerplatz vor „Teddys Bar“.

„Teddys Bar“ hört sich doch gleich mal gut an. Da wir aber noch nicht offiziell eingereist sind, ist an Land gehen nicht angesagt. Also gabs noch ein Bierchen an Bord in der Nacht.

Am Schiff wird am Morgen dann die gelbe Flagge gesetzt, was soviel heißt, wie dass alle gesund sind. Somit können die Behörden an Bord kommen, um Ihre Formalitäten zu erledigen.
Das tun sie hier aber erst, nachdem man sie aufgesucht hat und schon mal alle möglichen Angaben erhoben worden sind. So teilten und das Renate und Peter vom nebenbei liegenden Schiff MARDOS mit, das auch unter deutscher Flagge unterwegs ist. Die beiden hatten das Prozedere schon hinter sich. DANKE auch nochmal an dieser Stelle für die echt guten Informationen. Also rein ins Dingi und doch an Land. Über das Internet und auch nochmal von Peter bestätigt wissen wir, dass uns dort sogenannte Agenten erwarten, die ihre Dienste anbieten. Nein, nein, nicht die vom Geheimdienst, sondern solche, die sich mit den Behörden und den Einreiseformalitäten auskennen. Und genau so war es. Noch nicht mal an Land, haben auch gleich ein paar Jungs das Dingi an den Strand gezogen und hinauf getragen, dass es vor der einlaufenden Flut geschützt ist.
Eine kurze aber harte Verhandlungsrunde um den Preis und wir hatten einen Agenten namens Jimmy und einen Deal. Wie sich heraus stellte waren seine Kumpel aber die sicherlich weit größere Hilfe in den nächsten Tagen und deren „Anführer“ wiederum war „Rally“.

Ich, Joachim, Jimmy, Rally und noch 2 Gehilfen

Joachim fuhr dann mit Jimmy zu den Behörden und ich wartete einstweilen bzw. sollte auf das Dingi achten. Schnell war ich im Gespräch mit Rally und hab auch gleich ein paar Deals für Laundry, Diesel, einkaufen und Internetkarte ausgehandelt. Zuerst aber brauchte ich Bargeld. Das war ganz unproblematisch, da gleich auf der anderen Straßenseite ein Bankomat war. Der piepste zwar ständig, hat aber dann doch ein paar Millionen Rupia raus gerückt.
Kein Schreibfehler, denn 1 EUR sind ca. 15.700.- Rupien. 1 Million Indonesische Rupien sind demnach etwa 63,- EUR. So wurde ich zum Millionär; cool, oder?

Dann sagte mir Rally, dass es zum Telekom Shop nicht weit sei. Erst hatte ich ja Bedenken, weil noch nicht eingereist und ich hatte noch nicht einmal einen Pass bei mir, weil der ja mit Joachim bei den Behörden war. Aber was solls, dachte ich mir und eh ich es mir versah, sass ich auch schon in einem Bemo und wir waren unterwegs in die Stadt hinein.
Bemo? Kleine Busse mit stets offener Türe, die bestimmte Runden in der Stadt fahren, je nach Busfarbe.
Einmal einsteigen = 3.000 IDR also 20 Cent. (Und manchmal sind sie richtig voll.)

Bei der Telkomsel ging alles rasch und unkompliziert und unter Rallys Namen hatte ich nach 15 Minuten eine SIM-Karte mit 37GB für 1 Monat um 205.000.- IDR also 13.- EUR. Rein in ein Bemo und zurück zum Strand. Dort warteten Joachim und Jimmy auch schon und berichteten, dass 5! Personen um 13:00 Uhr aufs Boot kommen würden. Wir müssten sie hier abholen und mit dem Dingi übersetzen, da sie kein eigenes Boot haben. Kein Problem dachten wir, noch nicht wissend, wie die Flut und vor allen Dingen die Welle um die Uhrzeit war.
Soviel sei vorweg genommen: Die Welle war hoch, alle waren nass gespritzt und Joachim fuhr stehend, in einer Hand die Motorpinne und in der anderen Hand die Bugleine haltend wie ein römischer Feldherr auf seinem Streitwagen durch die Wellen. Leider, leider hab ich davon kein Bild gemacht. Es sah aber echt super aus (und nass wurde er trotzdem auch 🙂

Wir hatten also 2 Herren vom Quarantaineamt, 1 Herren vom Zoll und 1 Dame und 1 Herren vom Gesundheitsamt an Bord. Und die waren jetzt richtig, richtig nett, freundlich und zuvorkommend. Wir waren da echt ein wenig überrascht. Aber die Bilder sagen wohl alles.

Und hier noch eine Anekdote:
Wir hatten wegen des Alkoholverbotes einen guten Teil der Bierdosen unter meiner Matratze versteckt, da die ja sicherlich nicht das Bett zerlegen werden. Und was tat der Zöllner? (dunkle Uniform am linken Bild). Ja klar, er schaute unter meine Matratze. Er drehte sich so halb gebückt zu mir um und sah mich fragend an und ich sagte spontan: „Please, dont tell the Captain. He does not allow alcohol on board.“ Da überlegte er kurz, zwinkerte mir zu und sagte dann ganz leise: „OK. I wont tell him.“

Und dann durften wir die gelbe Flagge herunter nehmen und waren offiziell eingereist. Joachim musste dann zwar nochmal ins Büro, um die Dokumente abzuholen, aber das war´s dann auch.
Wir setzten dann nochmals über und gingen mit Rally in die Stadt, waren aber bald wieder zurück, da der Tag lange gewesen war. Sundown.

Aus dem Ruder gelaufen

Eines nachts dann läuft die TARTARUGA tatsächlich aus dem Ruder und die Genua steht back (das große Segel vorne wird auf die andere Seite hinüber geblasen, weil sich das Boot durch den Wind gedreht hat). So kann sie weder vor noch zurück. Wir halten quasi an.

Das ist äußerst schlecht, wenn nicht gewollt, denn dann schlagen wir kurzfristig quer. Aber es bringt Ruhe ins Boot und Joachim kontrolliert den Autopiloten. Dazu muss er in seiner Kabine einen Teil der Rückwand abnehmen um ins Heck zu gelangen. (Das ist normal und auf allen Booten, die ich kenne, so.)
Und tatsächlich, der Hydraulikzylinder verliert Öl. Zudem dürfte eine Aufhängung gebrochen sein. Die Ruhe von Joachim möchte ich mal haben. Er konstruiert mit einem Stück Schlauch einen Nachfüllstutzen und spritzt mit einer größeren Arztspritze Öl in den Pumpenbehälter. Durch manuelles drehen des Ruders von einem Anschlag zum anderen wird der Zylinder entlüftet. Die Aufhängung kann warten.
Wir schiften das Vorsegel (bringen es auf die andere Seite, damit es wieder vom Wind gefüllt werden kann) und fahren weiter. Der Autopilot läuft wieder. Ein fürchterlicher Gedanke, die nächsten 2 Wochen durchgehend Ruder zu gehen. Hab zwar schon einiges dazu gelernt, aber das wäre jetzt echt richtig anstrengend.

Am nächsten Tag wird die Sache genauer inspiziert und Schadensermittlung und Begrenzung betrieben.
Der Ölverlust ist vorerst nicht so massiv und wir haben auch noch etwas Öl vorrätig, aber auch die Aufhängung muss repariert werden. Hier schlägt Joachim MacGyver wieder zu. Aus einfachsten Mitteln das richtige zusammenstellen und fixieren liegt ihm offenbar im Blut. Mit Hartholz und Seilklemmen wird die Bruchstelle „geschient“ und scheint stabil genug, um bis zur nächsten Schweißerei weiter zu funktionieren. Der Ölverlust wird täglich 2x kontrolliert und aufgefüllt. So weit so gut.

Wenige Tage später überfliegt uns wie erwartet eine Propellermaschine und kurz darauf kommt auch schon der Funkspruch herein: „TARTARUGA – this is the Australien bordercontrol aircraft 53 – can you hear me?“ Ich antworte und gebe bereitwillig Auskunft über Herkunft und Ziel, Call Sign und Besatzung und frage nach, ob wir aufgrund eines Defektes der Ruderanlage an einer der Inseln in der Torresstrasse anlegen dürfen. Die Antwort war sehr eindeutig. Entweder wir reisen ein, was nur aufgrund eines Notfalles so kurzfristig ohne Voranmeldung möglich wäre, oder wir haben strikt kein Land zu betreten und dürfen auch mit keinen Personen direkten Kontakt haben. Es darf uns auch nichts an Bord gebracht werden. Entweder – oder. Ich muss das dann auch noch wiederholen, um zu bestätigen, dass wir das auch alles verstanden haben. Letztlich dürfen wir jedoch ankern, um nötige Reparaturen durchführen zu können. Punktum.

Tags darauf sind wir kurz vor der Einfart ins Great Barrier Reef. Ich stehe am Steuerstand im Cockpit und blicke nach vorne um den Leuchtturm der Insel RAINE auszumachen. Am 6. September um 10:06 Uhr (LT Brisbane) sehe ich ihn steuerbord voraus und schreibe voller Freude „Land in Sicht“ ins Logbuch. Eine gute Stunde später passieren wir das kleine Inselchen mit dem massiven Leuchtturm darauf und befinden uns im Great Barrier Reef vor der Nordspitze Australiens.

Optisch sieht das Riff aus der Perspektive des Seglers nicht anders aus, als das offene Meer. Man braucht allerdings wirklich gutes Kartenmaterial, um das Boot durch die unzählicgen Untiefen sicher zu navigieren. Wir beschließen, auf Adolphus Island in der Black Wood Bay zu ankern um dem leider größer werdenden Ölverlust entgegen zu wirken. Am Samstag den 07.09.2019 um 09:15 Uhr werfen wir Anker.

@ Xaver und Leni: Wer findet die große Riesenschildkröte, die durch den Wald spaziert?

Der Hydraulikzylinder samt Elektropumpe wird ausgebaut und erst mal die Verstrebungen der Aufhängung verstärkt. Dann macht sich Joachim über den Zylinder her. Nach 2-maligem aus- und einbauen und neuerlichem Ölverlust überlegen wir unsere Optionen, um an eine Werkstatt zu kommen:
* In Australien einreisen
Dazu müssten wir so viele Dinge, die in Australien nicht erlaubt sind einzuführen (Lebensmittel u.ä.)
abgeben und das Boot „halb zerlegen“, weil die Behörden es heir sehr genau nehmen, dass das mal
keine gute Option ist.
* Etwa 250nm gegen den Wind nach Port Moresby in Papua Neuguinea zu segeln, um dort leichter
einzureisen, dafür aber in ein Land, das wir aus mehrerlei Gründen nicht besuchen wollten, scheint
auch nicht die Option der Stunde zu sein.
* Idee! Nur Joachim und der Hydraulikzylinder reisen ein und zwar mit dem Dingi. Also ich und die
TARTARUGA reisen nicht ein. Das wäre simpel.
Da es aber schon Mittag durch ist und morgen Sonntag ist, erreichen wir die Behörden erst Übermorgen wieder. Also warten wir.

Die Hydraulikanlage

Wir nutzen die Gelegenheit eines ruhig vor Anker liegenden Schiffes und ich mache mich übers Putzen, während Jochim sich in die „Backstube“ begibt und Brotteig anmacht.
Und wie man gelich auf dem ersten Bild erkennen kann, hat der Tollpatsch wieder zugeschlagen. Vor lauter Eifer wollte ich auch noch die ganz linke Schublade unter dem Spülbecken putzen. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte:

Am Abend sitzen wir dann bei einem Sundowner und überlegen so, und überlegen so, und …
und bauen die Hydraulikanlage noch einmal aus. Sundown.

Am Sonntag gibts erst mal Kaffee und KUCHEN! Joachim hat neben dem Brot (das übrigens hervorragend schmeckt) auch noch einen Kuchen gebacken. Dann wird der Zylinder nochmals zerlegt. Unter den Schlauchanschlüssen verbergen sich ähnlich wie Kolbenringe geführte Ringe in einer Nut, die den Zylinderdeckel fixieren. Wir ziehen sie über die Verschraubungsöffnung der Anschlußschläuche heraus und können endlich die Kolbenstangendichtung in Augenschein nehmen. Dann ein Augenaufschlag von Joachim, als er die O-Ringe betrachtet. Natürlich hat er welche an Bord, baut sie ein und wieder alles zusammen. DICHT! Also „Tschüß Australien!“

Im Morgengrauen lichten wir den Anker, setzen Segel und fahren in die Torresstraße ein. Hier herrscht auffällig wenig Schiffsverkehr, was uns aber nur entgegen kommt. Da wir die Strömung der Tide im Rücken haben, kommen wir trotz moderater Winde gut voran. Man braucht aber auch hier gutes Kartenmaterial denn zwischen den kleinen Inseln verbergen sich Untiefen und Sandbänke. Dann haben wir für ein paar Minuten auch noch Internetzugang und aktualisieren unsere Wetterdaten und senden noch Grüße nach Hause.

Nach der Torres Straße verlassen wir den Pazifik und fahren in die schon zum Indischen Ozean gehörige ARAFURA SEE ein. Die Arafurasee liegt zwischen Australien und Neuguinea und reicht etwa bis hinter Darwin. Das Besondere daran ist, dass sie nur etwa 40 – 60 m tief ist, was uns eine kurze und steile Welle beschert. Aber noch haben wir moderaten Wind und so gleiten wir ruhig in die Nacht hinein. Unser neuer Kurs ist 270 WEST. So fahren wir stets dem Sonnenuntergang entgegen. Sundown.

Des nachts auf einer Überfahrt

Davon kann ich euch berichten, da ich nun ja schon seit 3 Wochen täglich Dienst von 00:00 bis 04:00Uhr versehe.

Da wären erst mal die Himmelsbegleiter, sprich Sterne und Planeten am Himmel. Und es ist immer gut, sie zu sehen, denn dann ist klarer Himmel und somit gutes Wetter. Leider kann ich sie mit meinem Handy nicht fotografieren. Die Bilder sind nur schwarz, obwohl man die Sterne mangels Fremdlichteinfluß hier draußen echt toll sehen kann. Es scheint als ob es mehr wären und alle viel heller als zu Hause sind.
In der frühen Nacht sieht man an Backbord noch das „Kreuz des Südens“ unter dem markannten Zentaur. Und da ich als alter Astronom natürlich eine App zum Erkennen der Sternbilder habe, kann ich euch das mal so zeigen:

Und Sternzeichen gibt es mehr als nur die 12 aus dem Horoskop. Fliege, Zirkel, Wolf bis zu Luftpumpe und Wasserschlangenträger. Noch nie gehört? Macht nichts. Sie sind da oben. Und hier südlich des Äquators natürlich auch teilweise andere als bei euch im Norden oben.

Und übrigens, der Mond wird hier von oben nach unten voll und nicht wie zuhause von rechts nach links. Da gibts also eine Schüssel bzw. einen Deckel und keine senkrechte Sichel.


Eines der Sternzeichen besucht uns doch tatsächlich nahezu jede Nacht. Der fliegende Fisch und das gleich als ganze Schwärme.
Diese mit überdimensionalen Seitenflossen ausgerüsteten Fische springen/fliegen aus dem Wasser und fliegen bis zu 100m ! weit über das Wasser. Ja und manche davon landen dann auf unserem Boot, wo ich sie am Morgen finde und (leider längst erstickt) ins Meer zurück befördere. Die Fische sind übrigens richtig hart und gar nicht biegsam und ich hab schon 2cm aber auch 30cm große gehabt. Man muss daher durchaus darauf achten, ihnen nicht in die Quere zu kommen. Das kann weh tun!

Noch so ein auf dem Meer wohnendes Tier kam uns mal besuchen, die Tölpel. Man sieht sie den ganzen Tag herum kreisen ganz draußen auf offener See, und eines Abends kamen sie uns dann besuchen und haben uns als Lande-, Nacht- und Ruheplatz auserwählt.

Am Anfang waren es bloß zwei. Als es dann aber schon acht waren und noch dazu auf dem Windmesser saßen, musste uns etwas einfallen. Alleine schon der herabfallende Blumendünger würde die TARTARUGA wohl kaum verschönern. Rufe, schütteln und klopfen an den Wanten, blenden mit der starken Taschenlampe, half alles nichts.
Erst als wir einen Schaukelkurs fuhren (schräg zur Welle und ständiges hin und her steuern) sind sie dann doch wieder abgeflogen. In den nächsten Tagen kamen immer wieder mal welche. Wenn man aber gleich dem ersten den Sitzplatz vermiest, kommen die anderen auch nicht mehr. Der dürfte das weiter erzählen.
Einmal saß vorne einer auf der Reling. Selbst als ich bereits auf 1m heran war und mit den Händen fuchtelte und laut rief, lies er sich nicht aus der Ruhe bringen und schaute mich nur an. Erst als ihn der Bootshaken am Bauch kitzelte flog er wieder ab.

Apropos Tölpel. Falls sich davon das Wort Tollpatsch ableitet, ist das hier der passende Moment um anzuführen, dass mir zeitweise immer noch so dumme Sachen passieren wie:
* Die Befestigungsmutter vom großen Solarpaneel fällt mir beim Umstellen der Paneelneigung ins
Wasser
* Ich breche ein Befestigungsscharnier des Steuerbordpaneels ab, weil ich mich beim Aufrichten
während einer Welle daran abstütze.
Und am nächsten Tag (!) gleich noch ein zweites an der selben Stelle, weil beim Aufrichten eine Leiste
unter der Flügelmutter liegt.
* Das beste war aber wohl, dass mir beim „Duschen“ die Pütz (ein Kübel mit Schnur dran, um Wasser
aus dem Meer zu holen) aus der Hand geglitten ist und dem ewigen Meer übergeben wurde.
Duschen war danach nur noch mit einem Messbecher aus der Küche möglich, der eben einen Henkel
hatte um ein Seil daran zu befestigen. Etwas mühselig aber es ging auch.
Hab heute eine neue Pütz gekauft.
Die Situation hat sich gottlob wieder entschärft. Die Solarpaneele fasse ich aber immer noch mit viel Respekt an.

Was wir auch mal nachts ausprobiert haben, war schon mal den Weihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken. Segelstellung Butterfly und eine Effekttaschenlampe machen es möglich.

Im Schiffsinneren ist es finster. Nur der Plotter ist an. So sieht man am besten raus, ob andere Schiffe in der Nähe sind, die kein AIS haben. Der regelmäßige Rundblick von außen bleibt aber nicht aus, um sicher zu gehen.

Soviel dazu. Sundown.

Land in Sicht

17. September 2019, 12:00 Uhr genau.
Ich stehe am Steuerstand und blicke erwartungsvoll nach vorne. Es müsste doch eigentlich schon zu sehen sein. Es ist zwar ein bißchen diesig aber – und dann sehe ich sie, die Konturen der Insel Timor, die sich am Horizont abzeichnen. Keine Fata Morgana und keine Wolkenschleier; es ist Indonesien! LAND IN SICHT!

Es dauert noch fast 12 Stunden, bis wir dann gegen 23:30 Uhr den Anker in der Bucht von Kupang fallen lassen. 21 Tage und 2.600 Seemeilen nachdem wir in Poum auf Neukaledonien gestartet waren.
Und soviel sei voraus geschickt, Wind und Wetter haben es gut mit uns gemeint und uns Etmale von durchschnittlich 135nm beschert. Aber alles der Reihe nach:

Bevor wir in Poum gestartet sind, haben wir nochmal Diesel und Wasser gefasst. In Kanistern natürlich, denn Bootstankstelle gibt es dort keine. Die Tankstelle ist auch gleichzeitig Supermarkt und Schuhgeschäft. Wir haben noch ein paar Dosenfrüchte und etwas Brot gekauft, aber die Kassiererin interessierte sich wenig für uns, da waren die aktuellen Insel-Charts einfach wichtiger.
Nur 100m weiter gibt es noch einen kleinen Laden, dessen Angebot allerdings auch noch etwas reduzierter ist. Auch dort waren keine frischen Füchte zu bekommen.
Ach ja, die Sache mit dem Umweltschutz hat sich hier noch nicht so richtig herumgesprochen, wie ihr unschwer auf dem einen Bild erkennen könnt. Ich hoffe aber, dass wir mit unserer ständigen Ablehnung von Plastiksackerln an den Kassen zumindest einen kleinen Anstoß geben.

Mittwoch 28.08.2019 um 06:30 lichten wir den Anker und machen uns auf nach Indonesien; etwa 2600 Seemeilen bzw. 4.800 km weiter.

Wir fahren noch an ein paar Inseln vorbei, die Daniel Defoe zu seinen Abenteuern von Robinson Crusoe inspiriert haben könnten, bevor wir durch die Riffpassage endgültig auf die offene See steuern auf Vorwindkurs gehen und den Spinnaker setzen.

Und so beginnen sich auch die Tage und Nächte auf See im Rhytmus der Wachablöse zu drehen. Die Vormittagswache verbringen wir meist gemeinsam und Frühstücken zusammen, nachdem Joachim über Kurzwelle die aktuellen Wetterdaten mit Windstärke und Richtung für die nächsten 2-3 Tage abgerufen hat und die eine oder andere Nachricht nach Zuhause absetzt oder empfangen hat.
Dabei stört die Elektropumpe für den Hydraulikzylinder des Autopiloten die Sendeantenne, weshalb wir während der Übertragung „Ruder gehen“ (heißt: von Hand steuern und selber am Ruder stehen).

Und wer nun dachte, schon mal ein Schiff gesteuert zu haben und dass das doch gar nicht so schwer war, der möge das noch einmal auf offener See bei entsprechender Welle versuchen. Dass wir hier nicht auf einer Straße mit festem Untergrund sind, wo die Vorderachse sehr exakt macht, was die Lenkung ihr mitteilt, sei dabei nur am Rande erwähnt. Wir bewegen hier über 10t Gewicht durch das Wasser und die Trägheit der Masse in Bewegung kommt hier anders zu tragen.
Ich stelle mich jedenfalls an, wie eine absolute Landratte und drehe das Steuer von Anschlag zu Anschlag ohne wirklich damit klar zu kommen, weshalb ich auch gleich meine erste Lehrstunde in Sachen „Ruder gehen“ erhalte. Gleiches Boot, gleiche Bedingungen, gleicher Kurs und dort wo ich eine ganze Umdrehung des Steuerrades oder mehr benötige, benötigt Joachim nur eine Viertelumdrehung und ab und wann mal eine halbe. In aller Regel bewegt er das Ruder nur von 3/4 bis 1/4 nach.
So beginne ich also in der Grundstufe und versuche mich täglich etwas zu steigern. Und immer dann kommt der Skipper mit neuen Ideen wie: „Fahr mal nach Windanzeiger, fahr mal nach Kompass, halt dich nicht ständig wo fest, du spürst das Schiff sondst nicht, fahr mal ohne Horizont, was machst du in der Nacht?“ Und so lerne ich täglich ein klein wenig mehr, um im Fall der Fälle auch wirklich Ruder gehen zu können.
Der Gedanke daran stundenlang, tagelang, wochenlang hochkonzentriert am Ruder zu stehen, ist allerdings alles andere als verlockend.

Den Nachmittag teilen wir uns dann mit abwechselnd etwas schalfen und am Abend wird auch wieder gemeinsam zu Abend gegessen. Danach gehe ich ins Bett und übernehme wieder um 00:00 Uhr.

Dazwischen gibt es so allerlei Arbeiten, wie zum Beispiel das Stellen der Solarmodule zur Sonne und die Überwachung des Energiemanagements von Bordbatterie und Starterbatterien. Wie in jedem anderen Haushalt muss auch auf der TARTARUGA geputzt, gekocht, abgewaschen und mal Staub gesaugt und gewischt werden. Wäsche wird gewaschen und der Speiseplan besprochen. Dabei kommt es natürlich vorrangig darauf an, was an Frischware noch da ist und verspeist oder verarbeitet und in den Kühlschrank kommen muss.
Joachim ist jedenfalls der Koch und ich bin der Gemüseschnipsler, Früchteaufbereiter (nach Anleitung) und Abwäscher. So hat jeder seine Aufgaben, neben der Schiffsführung.
Und es hat seinen Grund, warum Joachim kocht, denn wir leben hier ziemlich gesund. Und nicht nur was die Wahl der Speisen, sondern auch jene der Gewürze anbelangt. Aber Joachim nimmt Rücksicht auf mich und es ist nicht immer alles scharf bzw. würzt er sein Essen erst auf dem teller nach. DANKE!

Fischen? Ja, haben wir mal probiert und auch tatsächlich einen schönen, großen MAHI MAHI (eine Goldmakrele) am Haken gehabt. Der hat sich auch gezeigt und ist gesprungen. Aber außer einem abgerissenen Köder ist uns leider nicht viel davon geblieben. Zudem sind wir bei der Gelegenheit drauf gekommen, dass wir auch noch gar keinen Platz im Kühlschrank gehabt hätten. Also fischen wieder eingestellt und auf ein anderes mal verlagert. Allen, die jetzt ein wenig Mitleid mit uns hatten, sei ein „Petri Dank!“ gesagt.

Die Segel werden je nach Wind gestellt, geschiftet oder getauscht und ab und zu gehts auch so richtig pfiffig dahin. Wie ihr auf dem Bild (das ist der Kartenplotter, unser Steuerbildschirm) erkennen könnt, haben wir hier kurz nach Neukaledonien zwar einen etwas hohen Kurs, der passt aber besser zu Wind und Welle. Und da für die Tage darauf NO angesagt ist, passt das dann wieder.

Der schwarze Punkt ist das Boot. Von ihm gehen 4 farbige Linen aus:
* Gelb zeigt uns die Windrichtung
* Rot ist die Mitschiffslinie, also die Richtung in die die Bootsmitte zeigt oder sehr vereinfacht der
magnetische Kurs ohne Deviation und Mißweisung, den wir steuern
* Blau ist die Abdrift durch Wind und Strömungen
* Grün ist die tatsächliche Kurslinie über Grund (der Kartenkurs), die sich daraus ergibt.
Also die Linie, wo wir tatsächlich hin fahren.
Zudem sieht man die Stärke des tasächlichen Windes und jene des scheinbaren Windes (des Windes in den Segeln) mit ihren Richtungen zur Schiffsachse. Man sieht unser Ziel mit Entfernung und vorassichtlicher verbleibender Fahrzeit bei den aktuellen Bedingungen, und unten noch unsere Geschwindigkeit durchs Wasser und die zurück gelegten Meilen sowie die Abweichung zum Zielkurs, das XTE.
Also unterm Strich, eine Menge Daten, die für uns aber schon sehr relevant sind, um das Schiff zu steuern und richtig zu takeln (die richtigen Segel zu setzen).
Den Kurs selber hält der Autopilot. Der bewegt das Ruder direkt an der Pinne über einen Hydraulikzylinder und das Steuerrad bewegt sich wie von Geisterhand mit.

An dieser Stelle sei mir erlaubt, meinen Freund und Wegbegleiter Ingo (er hat mich vor Jahren zum Segeln verleitet, wofür ich ihm immer dankbar sein werde) zu zitieren: „Wenn eines fix ist, dann das, dass ein Schiff, das von alleine läuft, ganz sicher aus dem Ruder läuft.

Die 10 Knoten Geschwindigkeit auf dem Bild sind allerdings nicht unsere Normalgeschwindigkeit. Die beträgt im Durchschnitt etwas mehr als 5 Knoten und bei guten Bedingungen 7 Knoten. Alles darüber ist auf Dauer zu schnell und geht auf die Belastung von Boot und Takelage. Da muss Tuch raus und Speed runter.
Bei 5 – 7 Knoten Fahrt gibts zudem Geräusche und Bewegungen im Boot, an die man sich erst gewöhnen muss. Wenn eine Welle unter dem Boot durchläuft, schlägt sie auf die Brücke (das ist der flache Verbindungsteil zwischen den Rümpfen, auf dem der Salon ist) und läßt es richtig donnern; und zwar akustisch wie mechanisch. Wenn wir dann noch ein bißchen schräg zur Welle sind entsprechend mehr und lauter. Durch die „elastische“ Verbindung der Rümpfe spürt man das auch in den Schiffsbewegungen. Man könnte das dann damit vergleichen, wie wenn man mit einem schlecht gefederten Auto über eine Schotterstrasse mit vielen Schlaglöchern fährt. Und dann beginnen tatsächlich die Möbel zu hüpfen. Im Ernst, da springt dann alles im Boot ein bißchen herum. Donner, Bewegung, Hüpfen, das musst du erst gewöhnen, aber Joachims Ruhe dabei färbt ab und bald ist es so wie es ist.

Weiter gehts dann im nächsten Bericht. Jetzt muss ich erst mal weg. Sundown.

An die Nordspitze von NC

Sonntag früh, Start zur letzen Etappe vor der Überfahrt nach Australien und Indonesien. Etwa 160 nm bis zu dem Dörfchen Poum an der Nordspitze Neukaledoniens. Das ergibt bei gutem Wind etwa 32 Std. Fahrzeit. Das heißt also Tag – Nacht – Tag in einem Stück. Eigentlich eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was noch vor uns liegt. Es hat aber doch etwas Besonderes an sich. Nicht nur, dass es unsere erste Nachtfahrt ist, wir müssen auch aus dem Korallenriff hinaus auf`s offene Meer fahren und vor Poum wieder in das Riff hinein.
Wenn wir uns aber die Bilder vom Vortag mit den brechenden Wellen vergegenwärtigen, scheint das ein ziemliches Abenteuer zu werden. Ist es aber nicht. Die Korallenriffe haben regelrechte Ein- bzw. Ausfahrten, die mehrere hundert Meter breit, ausreichend tief und gut gekennzeichnet sind.
Übrigens umgibt Neukaledonien das zweitgrößte Bariereriff der Welt, gleich nach oder neben dem Great Berrier Reef von Australien, welches unser nächster Anlaufpunkt sein wird. Das Neukaledonische Bariereriff ist ca. 1.500 km lang und hat eine Fläche von etwa 24.000 km². Der Teil des Pazifiks zwischen NC und Australien wird daher auch Korallenmeer genannt.

Nun kommen wir dem Spektakel des Vortages also ganz nahe und ich kann es kaum erwarten, durch die Ausfahrt zu fahren.

Es wäre müßig, erneut zu versuchen, dieses Naturschauspiel zu beschreiben. Es hat mich einfach gefesselt und bleibt mir wohl in ewiger Erinnerung.
Die Windverhältnisse wechseln, aber wir kommen gut voran und irgendwann bricht die Nacht herein.

Ich habe die erste Wache bis 20:00 Uhr und die dritte von 00:00 bis 04:00 Uhr. Joachim entsprechend jeweils die anderen 4 Stunden. Die Nacht verläuft ruhig und zeitweise sogar zu ruhig, sprich, dass der Wind teilweise einschläft. Das heißt Segel runter und wieder rauf, schiften und wieder zurück. Ich habe Glück in dieser Nacht. Joachim hat da schon etwas mehr zu tun.

Aber der Morgen kommt und wir haben ein gutes Etmal geschafft. Tagsüber frischt der Wind dann wieder auf. Wir errichen die Einfahrt in das Riff vor Poum auch noch vor Sonnenuntergang. Aber obwohl wir mit 7 kts auf Poum zulaufen, muss der Ankerplatz bereits im Dunkeln gefunden werden. Der Kartenplotter und Joachims Erfahrung und Ortskenntnisse lassen aber auch das gewohnt gut und professionell von statten gehen, und gegen 19:15 Uhr fällt der Anker.

So liegen wir also spät Abends an der Nordspitze Neukaledoniens vor Anker. Am letzen Liegeplatz vor der ersten großen Überfahrt. Wir hören uns dann in etwa 3-4 Wochen wieder. Also bis dann! Sundown.

Anker auf!

Nachdem wir am Montag das Visum für Indonesien erhalten hatten, waren wir am Dienstag noch auf dem Markt, um Obst, Gemüse und Früchte einzukaufen.
Getroffen haben wir uns dort noch mit Marion und Holger von der VELA. Ihr erinnert euch vielleicht, Marion und Holger hatten den selben Flug wie ich von Tokio nach Noumea und hatten das Taxi organisiert.

Am Mittwoch Vormittag sind wir dann von der Immigration über den Zoll zum Hafenmeister und haben uns überall Stempel und Ausreisepapiere geholt. Und richtig, wieder haben wir unsere Passdaten und die Daten der TARTARUGA 1 überall auf ein neues Formular geschrieben. Am Ende hatten wir dann aber doch alles zusammen, verabschiedeten uns am Rückweg zur Tartaruga noch von Marion und Holger und um 13:40 Uhr hieß es: „Anker auf!“
Noch an der Tankstelle vorbei, aufgetankt und während der Ausfahrt aus der Bucht die Segel gesetzt; Kurs NW. Leider haben die Windprognosen recht behalten und wir sind an diesem Tag nicht mehr sehr weit gekommen. Nach etwa 12nm (ca. 20km) haben wir uns eine Ankerbucht gesucht. Dort sollten wir die nächsten beiden Tage auch bleiben, um die für uns ungünstigen Winde abzuwarten. Aber egal; wir waren zumindest mal ausgereist und los gefahren. Die Reise beginnt.

Tags darauf haben wir mal eine Papaya „geschlachtet“ als Vitaminbeigabe für`s Frühstücksmüsli und es gab Besuch von ein paar Delphinen. Der Tag vergeht mit dies und das. Zum Abendessen haben wir Wokgemüse mit Reis gemacht. Joachim kocht zwar scharf, aber es schmeckt immer sehr gut. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass er meine roten, wässrigen Augen beim Essen nicht mehr mitansehen wollte, dass er den Schärfegrad schon etwas reduziert hat. Na, wer weiß, vielleicht werde ich ja noch zum Scoville-Junky?

In der Nachbarbucht haben wir die Nord- und Westwinde des nächsten Tages abgewartet und sind dann am Samstag früh wieder los gefahren. Unter vollen Segeln vorbei an der Küstenlandschaft Neukaledoniens zur rechten und der Riffgrenze an Backbord.

Da hat uns doch tatsächlich ein Wellenreiter überholt, der anscheinend über das Wasser flog. Denn großartige Welle war keine zu sehen und die Begleitboote fuhren hinter ihm. Zauberbrett oder Unterwasserantrieb?
Noch viel spektakulärer aber war das Schauspiel der Wellen an Backbord, die sich an der Riffkante brachen. Ich hab` zwar versucht es mit dem Handy festzuhalten, aber das ist mir noch nicht einmal ansatzweise gelungen. Habt ihr schon mal versucht, auf einem schaukelnden Schiff durch ein Fernglas zu fotografieren?

Man schaut nach draußen und meint, eine braune Insel am Horizont zu sehen. Die Insel ist eine Welle des Pazifiks, die von draußen auf das Riff zurollt. Sie wird optisch erst immer größer, bekommt dann eine hellblau-grüne Farbe und ein einen weißes Dach, und bricht letztendlich an der Riffkante in einer weißen Gischt in sich zusammen, um dann stellenweise nochmals als gigantische Fontäne hochzufahren. Dieses Schauspiel wiederholt sich ohne Unterlass auf einer schier endlosen Länge, soweit das Auge reicht. Immer und immer wieder, Welle für Welle, Gischt für Gischt und Fontäne für Fontäne. Dagegen machen sich die Springbrunnen vor dem Bellaggio in Las Vegas oder vor dem Burj Khalifa in Dubai wie kleine Zimmerbrunnen aus.
Es ist unbeschreiblich schön und faszinierend, und ich konnte kaum die Augen davon lassen. Großbildleinwand, original 3D, gebührenfrei und ohne Werbepause. DAS ist Fernsehen! Einfach toll.
Am Abend erreichen wir dann unsere Ankerbucht. Sundown.

Wie funktioniert denn eigentlich … ?

… das Klo am Boot? Diese und ähnliche Fragen bekomme ich in den letzten Tagen gestellt, weil natürlich viele von euch ja auch noch nie auf einem Segelboot waren und sich daher auch so einiges nicht vorstellen können. Also zeige ich euch heute mal die TARTARUGA von innen und versuche ein paar von den Fragen zu beantworten. Segler mögen entschuldigen, wenn ich das teilweise auch für Kinder erkläre. Hallo Xaver, hallo Leni!
Aber das Wichtigste mal gleich vorweg: Das VISUM für INDONESIEN ist DA!

Das Visum wird über eine ganze Seite im Reisepass geklebt und dann natürlich noch gestempelt.

Und damit steht – von Wind und Wetter einmal abgesehen – der Abreise nichts mehr im Wege. Die Vorratskammern sind gefüllt und die aktuelle Wetterprognose beurteilen wir letztlich erst morgen Vormittag, also wenn ihr schläft.

Die TARTARUGA 1 in voller Größe in der Ankerbucht von Noumea.

Was auf dem Foto fehlt, ist das Dingi, welches normalerweise ganz hinten an den Davits hängt. Davits heißen die beiden Auslegerarme am Heck. Sie haben eine kleine Seilwinde, um das Dingi samt Außenbordmotor hochzuheben und während der Fahrt (nebst einer zusätlichen Seilsicherung) auch dort zu halten. So ist das Beiboot nicht im Weg und kann aber jederzeit schnell zu Wasser gebracht werden. Warum es auf dem Foto nicht drauf ist? Na weil der Fotograf drin sitzt 😉

Beginnen wir doch einfach mal mit meiner Kajüte. Ich hab die Backbord-Achter-Kajüte. Das heißt nun wieder, dass sie links (backbord) hinten (achtern) im Rumpf untergebracht ist. Und weil sie im Rumpf ist, gibt`s ein paar Treppen runter. Dafür kann man ganz normal aufrecht drin stehen.

Großes Bild: Hinter dem Fliegengittervorhang geht es runter in meine Kajüte. Außerdem sieht man hier den Navigationssteuerstand. Gegenüber von meiner Kajütentüre geht es gleich raus an den Hauptsteuerstand und an Deck.
Ihr seht, dass ich hier ganz gemütlich Platz habe und ich hab sogar ein eigenes Waschbecken für mich. Ein Bad gibts aber auch noch. Die Bettwäsche wird übrigens bei Schönwetter immer mal zum Lüften raus gehängt, um möglichst wenig Luftfeuchtigkeit im Boot zu haben.

Das Badezimmer ist direkt unter dem Navigationstisch und hat natürlich eine Toilette. Die hat aber keinen Spülkasten, sondern eine Handpumpe, die mit einem Hebel betätigt wird. Damit wird der Toiletteninhalt über ein Seeventil (ein absperrbares Loch in der Bootswand) nach außen in die See verfrachtet. Daher sollte auch nur in die Toilette, was da rein gehört und keine wie auch immer gearteten Abfälle.
Im selben Raum gibts auch eine Dusche. Die wird – zumindest unter Männern – aber eher selten bis kaum benutzt. Wenn sie benutzt wird, fließt das Wasser durch den Holzgitterrost am Boden in die Bilge (das ist der Schiffsrumpf) und wird dort mittels elektrischer Pumpe wieder nach außen in das Meer verbracht. Deshalb auch hier: Biologisch abbaubare Shampoos benutzen!
Wo sich die Männer dann duschen? Direkt im Meer. Reinspringen, abkühlen, an der Badeleiter aufs Heck, einseifen, waschen und zum Abspülen wieder ins Meer. Biologisch abbaubares Shampoo benutzen! Und dann wieder raus und mit der Heckdusche das Salzwasser abwaschen.
Übrigens: Nacktbaden ist in Neukaledonien verboten. Ach ja und noch etwas: Haie gibts hier auch; also rasch duschen 😳
Gegenüber vom Bad ist dann gleich noch die Backbord-Bug-Kajüte, die wir derzeit als Stauraum nutzen. Und zwischen den beiden Räumen ist der Müslivorratskasten.

Auf der Steuerbordseite – also rechts – ist das ähnlich. Zuerst ist die Achter-Kajüte vom Skipper, dann aber anstatt dem Navigationsstand und dem Bad kommt die Pantry, die Schiffsküche. Und danach noch die Steuerbord-Bug-Kabine, die unser Lagerraum ist. Übrigens Lagerraum: Wer schon mal auf einem Segler war, der kennt das. Hinter und unter jedem Brett und in jeder Bank verbirgt sich ein Stauraum der auch als solcher genutz wird.

Letztendlich gibts dann noch den Salon, den Aufenthaltsraum im Boot. Das ist der Platz, an dem Joachim (er ist Eigner und Skipper) viel Zeit vor dem Computer verbringt, um Routen und Karten zu studieren, Seefahrerberichte zu recherchieren und vor allem um das großräumige Wettergeschehen zu beobachten und die verschiedenen Vorhersagemodelle zu interpretieren. Joachim hat übrigens seit 2 Tagen eine neue Frisur: Langhaarschneider Stufe 6.

Bücherschrank, Kartentisch, Arbeitsplatz und Funkstelle im Salon

Und jetzt noch der Hauptsteuerstand:

MIt Esstisch im Vordergrund und Knoblauchlager rechts oben.

Zum Thema Wasser: Da haben wir so einige Systeme parallel laufen:
* Einmal gibts natürlich das Meerwasser aus dem Kübel zum Deckschrubben und Deck abspülen.
* Das Meerwasser wird aber auch für die Toilette genutzt und zum Vorspülen vom Geschirr in der Küche. Dazu gibt es eine Fußpumpe beim Waschbecken.
* Dann gibts das Wasser aus den Tanks. Im Steuerbordtank ist Nutzwasser. Er wird – solange wir in einem Hafen sind – meist von außen, also mit Schlauch oder Kanistern gefüllt und ist z.B. zum Abwaschen in der Spüle.
* Im Backbordtank ist Wasser aus dem „Watermaker“. Das ist eine Filteranlage, die direkt aus dem Salzwasser trinkbares Süßwasser macht. Das Wasser aus diesem Tank ist für die Waschbecken und die Dusche. Wenn wir unterwegs sind, kann der Watermaker auch den Steuerbordtank füllen.
* Das Trinkwasser selbst wird direkt am Watermaker während der Produktion abgezweigt und in Kanister gefüllt. Der Watermaker wird nur bei Bedarf eingeschaltet und kann bis zu 40 Liter Wasser in der Stunde erzeugen. Das Wasser geht uns also sicher nicht aus!

Ähnlich ist es mit dem Strom. Es gibt den Solarstrom aus den 3 großen Paneelen und den 2 kleineren am Dach. Dann noch den Strom aus dem Windgenerator und wenn es sein muss, auch noch den Strom aus den Lichtmaschinen der beiden Merzedes Dieselmotoren.

Backborddieselmotor

Die Lichtmaschinen speisen auch die beiden Starterbatterien, die getrennt vom übrigen Bordnetz (alles 12 V Gleichspannung) betrieben werden. Die Hauptbatterie des Bordnetzes ist eine 4-zellige Lithium-Eisen (LiFe) Batterie.
Die Bordbatterieüberwachung macht uns ein wenig zu schaffen und ist heute Nacht dann gänzlich ausgefallen. So etwas kann Joachim aber nicht aus der Ruhe bringen. Nachdem er vom Hersteller keine brauchbaren Informationen zur Reparatur bekommen konnte, hat er einfach selber eine analoge Überwachung mit einer umsteckbaren 7-Segmentanzeige gebaut. Daran können wir die Zellenspannungen ablesen und kontrollieren, ob sie im vorgeschriebenen Bereich liegen. Und gegebenenfalls werden die Lade- und Verbraucherkreise nun eben über die gestern eingebauten Abschaltrelais manuell gesteuert.

Damit sind wir am Bug der TARTARUGA angelangt. Die beiden „Dachluken“ sind die Fenster der Bugkabinen. Die Deckel davor sind noch Segellast (Stauraum für weitere Segel) und Platz für Fender, Festmacher, Schoten und vieles mehr. Links vorne ist noch die Ankerwinch zu sehen, mit der die Ankerkette (bis zu 60m) abgelassen und wieder hoch geholt werden kann.

Links von der Großsegelpersenning (die blaue Hülle, mit der das große Segel eingepackt ist) ist ein weißer Kasten mit einem großen „6er“ drauf. Das ist die neue Rettungsinsel. Die beiden rechts sind die alten und sollten noch von Bord (unnötiger Ballast). Wenn sich niemand mehr findet, der sie haben möchte, werden wir ev. noch eine Seenotübung abhalten; Mal sehen.

So, das war`s für heute von der TARTARUGA. Ich hoffe, euch das Boot ein wenig näher gebracht zu haben. Sundown!

Zum Inhalt dieses Blogs

An dieser Stelle möchte ich festhalten, dass alles was ich in diesem Blog schreibe meine eigenen Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken sind, und Dinge, die ich teils natürlich selbst auch nur aus dem Internet recherchiert habe. All das erhebt keinerlei Anspruch auf wissenschaftliche Richtigkeit. Sollten euch Fehler auffallen, die es wert sind korrigiert zu werden, bin ich froh, wenn ihr mir unter peter.maier.11@gmx.at schreibt und damit meinen Horizont erweitert. DANKE!

@frederik: Auf deine Kommentare würde ich besonders großen Wert legen.

Die ROUTE von NC nach Indonesien

Bei so einer Reise- oder Routenplanung sind schon einige Dinge zu berücksichtigen. Dabei meine ich jetzt vorrangig nicht, wieviel Bier oder Kaffee, Brot oder Käse wir mitnehmen wollen – obwohl das natürlich auch sehr wichtig ist – sondern eher zu welcher Zeit oder besser noch Jahreszeit man welchen Abschnitt fahren soll/kann.

Im Sommer den Indischen Ozean in Richtung Westen zu durchqueren würde heißen, dass da SW-Monsun vorherrscht und das wiederum würde bedeuten, den Wind immer auf die Nase zu bekommen, also ständiges Fahren „am Wind“, hohe Welle und feuchtes Wetter, weil der Wind über den ganzen Indik von Madagaskar bis Asien Zeit hat, Welle und Wasser aufzusammeln. Gar nicht gut.
Ergo, den Indik im Winter durchqueren; NO-Monsun Zeit. Also achterliche Winde (Wind von hinten), eher trockene Luftmassen, weil der Wind ja über Land kommt. Zudem hoffen wir, dass bis spätestens Ende November die Cyclon-Season zu Ende sein wird.

Dann wäre da noch am Ende der Überfahrt über den Indik die Einfahrt ins Rote Meer zu berücksichtigen. Gemäß Pilotcharts (die zeigen den langjährigen Durchschnitt von Hauptwindrichtung und Wellenhöhe zu einer bestimmten Jahreszeit im jeweiligen Seegebiet) sollte diese spätestens Ende Jänner begonnen werden, um nicht über die gesamte Strecke Gegenwind zu haben und zumindest die Einfahrt noch mit achterlichen Winden zu schaffen.
Unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Überfahrzeit (mit Pause in Sri Lanka) müssen wir also spätestens Mitte Dezember von Thailand abfahren, um das auch zu schaffen. Weihnachten auf See, Silvester in Sri Lanka wäre also der Plan.

So weit so gut. Nun wollten wir also ganz gemütlich im Oktober und November durch Indonesien und nach Singapur bis Malaysien tingeln und hätten die erste Dezemberhälfte in Thailand zugebracht, wären uns da nicht an besagtem Regentag ein paar Seglerberichte untergekommen, die da meinten, dass die Straße von Malakka (das Meer zwischen dem zu Indonesien gehörendem Sumatra und Malaysien) im November aufgrund der vorherrschenden Winde wohl kaum gen Norden zu segeln wäre. ?! Kontrolle, nochmals Pilotcharts studieren und interpretieren, noch mehr Berichte lesen, rechnen und nachrechnen.
Dann kontaktiert Joachim noch gute Bekannte von der ULANI – Sandra und Philippe Ochsenbein – die die Strecke von Australien nach Indonesien vor kurzem bereits gefahren sind und ebenfalls planen, in die Strasse von Malakka zu fahren. Von den Beiden erhalten wir einige wertvolle Tipps und wertvolle Koordinaten von guten Ankerplätzen. Solche Informationen sind immer sehr viel wert, weil sie parxisbezogen sind. Vielen Dank euch beiden, vielleicht treffen wir uns in SE-Asien ja noch auf einen Sundowner 😉 (siehe auch: http://www.ulani.net)

Am Ende muss die Planung dann tatsächlich abgeändert werden.

Wir müssen früher in Singapur sein, um die Straße von Malakka zu schaffen, werden dafür aber mehr Zeit in Malaysien und Thailand verbringen können. So müssen wir aber traurigen Herzens Vanuatu und damit der Besuch des ständig aktiven Vulkans „Mount Yasur“ auf der Insel Tanna (für DIESESMAL) von der Liste streichen. Da hilft das ganze Heulen nichts. Vanuatu, wir sehen uns dann bei der nächsten Runde 😳😊

Wir bekommen das Visum für Indonesien frühestens am Montag, können auch erst ausklarieren (offiziell ausreisen mit Stempel und Co) wenn wir das Visum in Händen halten. Die Immigration arbeitet auch nur vormitags, also frühestens Dienstag, dann noch auf den Markt um frische Früchte, Obst und Gemüse zu besorgen, geht auch nur vormittags. Es wird also Mittwoch werden.
Wetterprognose für Mittwoch und Donnerstag? Erraten; windstill. 😏 Was sollst du da machen?
Richtig, nehmen wie es ist. Soo schlecht ist es hier ja nicht!!
Wir werden versuchen die Westküste von Neukaledonien hoch zu fahren, bevor wir dann die erste große Überfahrt in Richtung Australische Nordspitze antreten. Die Winde dafür sollten Ende der Woche wieder passen und uns behutsam nach NW schieben.

Wenn wir NC also Ende der Woche verlassen, verlassen wir auch unser Empfangsgebiet und es gibt dann erst mal ein paar Wochen keinen Kontakt und keine Berichte. Bis Kupang in Indonesien werden wir etwa 4 Wochen unterwegs sein. Und wenn es 6 Wochen werden, müsst ihr euch auch nicht sorgen, dann passt halt Wind und/oder Strömung nicht.

Auch das AIS (Automatic Identification System) wird nicht immer oder eher sehr selten an sein, weil es einfach Strom verbraucht und damit müssen wir sehr haushalten, um die Navigationsgeräte, die Schiffsbeleuchtung, den Funk und den Autopiloten betreiben zu können.
Widrigenfalls müssten wir während des Segelns die Motoren starten. Stimmt, das hört sich genau so an wie es ist. Würden wir also echt nur im Notfall machen.
Also keine Sorgen, die TARTARUGA1 ist nicht nur bestens ausgerüstet, sie hat auch einen äußerts erfahrenen Skipper 👌 und eine willige Mannschaft 😁 an Bord.

Nach etwa 2 Wochen werden wir im Norden Australiens auf das Great Barrier Reef treffen. Das wird dann in Richtung Küste durchfahren und anschließend werden wir noch den letzten Zipfel Nordaustraliens (auf der Karte die oberste Spitze) entlang der Küste hochfahren.
Dann geht`s durch die „Torres Straße“ (ein insel- und riffreiches Gebiet zwischen Australien und Papua Neuguinea) zur nächsten Überfahrt in Richtung Timor, wo wir letztendlich in der Hafenstatdt Kupang nach Indonesien einreisen und uns spätestens dort auch wieder melden werden.

Papua Neuguinea selbst war mal im Gespräch, wurde aber schon sehr früh aus der Planung genommen, da es von Süden her eher nicht so empfehlenswert sein soll. Wir hätten die Hauptstadt Port Moresby analufen müssen, um einreisen zu können. Und genau darüber gibt es sehr viele unschöne Berichte. Zudem herrscht dort eine sehr hohe Malariadichte. Diesmal also nicht.

Aber bis es los geht, sind es ja noch ein paar Tage, und während ihr schläft, genießen wir hier noch den Südpazifik 😜

Neukaledonien / Noumea

Neukaledonien liegt im Südpazifik, ist eine zu Frankreich gehörende Inselgruppe mit etwa 18.600km2 und beherbergt ungefähr 270.000 Einwohner, wovon knapp 100.000 in der Hauptstadt Noumea leben.
Die Inselgruppe wird von einem enormen Korallenriff umgeben und ist daher ein sehr beliebtes Ziel für Taucher.

Schon mal zu jemandem gesagt: „Das ist ja wie bei den Kanaken.“, dann wußtest du wahrscheinlich nicht, dass die Kanaken die Ureinwohner Melanesiens – und dazu gehört auch Neukaledonien – sind.
Sie bilden mit etwa 44% immer noch die größte Bevölkerungsgruppe von Neukaledonien, das auf französisch „Nouvelle-Calédonie“ heißt. Französisch ist auch die Landessprache. (mit Englisch komm ich aber ganz gut durch :-))
Fast schon klar, dass James Cook als erster Europäer 1774 die Insel betrat.

Die alten Stammesreligionen gibt es weitgehendst nicht mehr und heute sind ca. 60% röm.-kath. und weitere 30% Anhänger der protestantischen Kirche.

Die Ende des 19. Jahrhunderts fertig gestellte Kathedrale von Noumea „Saint-Joseph“

Innen ist die Kathedrale sehr einfach gehalten, und wenn man sich umdreht, um wieder raus zu gehen sieht man erst den wundervollen Blick auf den Hafen und die Ankerbucht, wenn man bei der Türe hinaus schaut.

Während ihr geschlafen habt, hab ich einen Rundgang durch die Stadt gemacht. Sie ist sehr überschaubar, speziell im alten Zentrum und steht unseren Städten wohl um nichts nach.
Sie wurde erst 1854 als Port-de-Franc gegründet.

Abendstimmung und Morgenstimmung in der Ankerbucht:

Einkaufen und Behördenwege

Mit jedem Landgang werden auch unsere Rucksäcke mit Lebensmitteln gefüllt, so dass man sie halt noch tragen kann. Denn nächste Woche wollen/müssen wir in Richtung Indonesien aufbrechen. Das heißt, dass wir Vorräte für zumindest 4 Wochen bunkern müssen. Vom Müsli angefangen über Mehl (unterwegs bäckt Joachim das Brot selber), Nudeln, Reis, Senf, Käse, Knoblauch und Zwiebeln, ein paar Säfte (Wasser wird am Boot selbst gemacht), Saft zum verdünnen, ein paar Bierdosen, trockene Kekse und Salzcracker und alles mögliche andere halt noch. Obst und Gemüse für den Tagesbedarf; für die Überfahrt wird Obst und Gemüse erst unmittelbar vor Abfahrt gebunkert.
Wasch- und Putzmittel und was eben so anfällt. Alles wird in den Rucksäcken mit dem Dingi an Bord gebracht. UND, heute hab ich mir auch gleich noch eine Schnorchelausrüstung inkl. Schmimmflossen gekauft; braucht man einfach 🙂

Was man auch braucht, ist ein Visum, wenn man nach Indonesien einreisen möchte. Das Visum für uns beide, also für Joachim und mich, ist recht unproblematisch. Ein Visum für 30 Tage bekäme man ganz einfach bei der Einreise. Da wir aber „möglicherweise“ länger in Indonesien sein werden, gehts ohne Papierkram für ein 90-Tage Visum nicht. Nicht nur, dass du alles doppelt und dreifach (nein, nicht als Durchschlag oder Kopie, sondern auf getrennten Formularen) ausfüllen musst, braucht man unter anderem auch noch ein Passbild. Das kommt dann direkt in den Pass rein zum Visum? Weil das Originalbild des Passes auf der ersten Seite nicht schön genug ist? Jedenfalls muss der Pass und eine Kopie dort abgegeben werden. Und zusätzlich noch ein aktueller Kontoauszug von deinem Bankkonto! Man könnte ja eventuell zahlungsunfähig sein und sich dann vom Indonesischen Staat erhalten lassen wollen? Keine Ahnung; muss jedenfalls mit abgegeben werden. Und zu guter letzt, mussten wir dann noch auf einem weißen Blatt Papier unsere schon 3-fach gemachten Angaben nochmals handschriftlich aufschreiben – in echt! Also meine aktuelle Passnummer weiß ich bestimmt bis an mein Lebensende auswendig 😉

Wie schon in einem früheren Beitrag angekündigt, ist das Visum für das Boot, ja für das Boot, nochmals etwas aufwendiger. Das Boot bekommt übrigens ein Visum für 6 Monate (auch wenn der Eigner max. 3 Monate im Land bleiben darf).
Also zuerst mal ins Internet, dann die richtige Seite finden, und dann angefangen von unseren schon 4x ausgefüllten persönlichen Daten noch alles mögliche über das Boot ausfüllen bis hin zu einem Foto und einer Kopie des Bootsbriefes (das ist so etwas wie der Zulassungsschein vom Auto). Unter anderem, welche Geräte man an Bord hat (die ganze technische Ausstattung, aber auch Sportgeräte, Laptops, usw.), welche Lebensmittel man an Bord hat (ganz lange Liste) und auch welche Medikamente man an Bord hat. (Später haben wir uns auf der Botschaft verständigt, dass man unter „drugs on Bord“ tatsächlich Drogen und ganz schwere Medikamente versteht und nicht jene für den Hausgebrauch wie Kopfwehtabletten und Aspirin oder so was. Und letztlich noch die Reiseroute mit Angabe aller geplanten Häfen und Liegeplätze; wie wenn man sowas ernsthaft angeben könnte. Wir sind ja kein Kreuzfahrtsschiff mit Katalogprogramm. Egal, wir habens rein geschrieben.

So alles eingegeben? OK, dann bitte auf „Register“ clicken und – NICHTS TUT SICH. Wir warten, checken die Netzverbindung und clicken nochmal. Und dann WUPS! und alles ist weg. Wieder von vorne. Nach dem 3. mal hat Joachim alle Textfelder und Listen schon abgespeichert, dass wir uns nicht alles nochmal zusammendenken müssen. Irgendwann haben wir dann einen Printscreen gemacht und das ganze ausgedruckt und es am nächsten Tag auf die Botschaft mitgenommen. DAS gilt aber gar nix, also alles zurück und nocheinmal. Am nächsten Abend hat`s dann auch endlich geklappt und wir waren registriert.
Lustiges Detail: Obwohl auf der Schiffsregistrierung die genaue Reiseroute angegeben war, mussten wir für die Botschaft nochmals einen eigenen Zettel dafür schreiben. Was solls, wir habens gemacht, und wir haben in der Marina auch noch das Formular besorgt, indem man einträgt, dass keiner von uns beiden krank ist, wer der Schiffsarzt ist und welche Kentnisse er hat und ….

Nachdem die tatsächlich sehr nette Dame dann auch noch mittels Passnummerneingabe in ihrem Computer gecheckt hat, ob wir überhaupt einreisen dürfen, durften wir zu einer ganz bestimmten Bank laufen, dort 10.700.- XPF (~ 95.- EUR) einzahlen und den Einzahlungsbeleg wieder abgeben.

Dafür wurde uns auch in Aussicht gestellt, dass wir wahrscheinlich am Montag das Visum bekommen, was aufgrund dessen, dass am Donnerstag ein Feiertag ist, ohnehin schon sehr schnell ist.

Die Bürokratie gibts also auch in Ozeanien.

Mit dem Dingi durch die Ankerbucht.

Auf dem Weg zum Landgang bekommt man einiges zu sehen. Da wir ja vor Anker liegen, fahren wir täglich mit dem Dingi an Land, um Besorgungen zu machen (und auch um die indonesische Botschaft aufzusuchen. Dazu aber später.) Was ich Euch heute zeigen möchte sind die Yachten, die hier vor Anker liegen. Aber nicht die schönen, großen, tollen, die ihr ohnedies alle aus den Prospekten kennt, sondern jene, die man darin eben nicht findet, aber auch zu so einem Anker- und Bojenfeld dazu gehören (weil sie teilweise niemandem mehr gehören?).

War mal sicher sehr futuristisch, dürfte aber etwas in die Jahre gekommen sein.
Ein Häufchen Elend in der Mitte
Rosa Rennkat für schnelle Mädchen
Angespült und aufgegeben
Im Doppelpack bestimmt günstig zu haben.
Schwimmt zumindest noch.
Da wohnt noch jemand drauf.
Vergessen worden?
Chinesischer Eigner?

Ja, da gäbe es noch einige skurile Beispiele mehr, an denen wir täglich vorbeifahren.

Regentag

Heute haben wir die Tartaruga von der Werftmole auf den Ankerplatz in Noumea verlegt. Gerade noch rechtzeitig bevor es zu regnen begonnen hat. Die passende Gelegenheit, unsere Dokumente für uns und das Boot vorzubereiten, um morgen am Konsulat die Visa für Indonesien zu beantragen.

Ja, schon richtig gehört, das Boot braucht auch ein Visum, und zwar ein sehr aufwendiges sogar. Hier muss man angefangen mit Schiffspapieren, Eigner, Skipper und Crew über Bootsausrüstung, Güter am Boot (Verpflegung, usw.) bis hin zu Gesundheitspapieren alles mögliche angeben.

Unter anderem ist hier auch die genaue Reiseroute mit allen anlaufenden Häfen anzugeben, weshalb wir uns heute schon mal sehr genau mit der Reiseroute auseinander gesetzt haben. Aber dazu ein anderes mal.

Boot zu Wasser

Zu Wasser hat Joachim die Tartaruga zwar schon am Dienstag gelassen, aber nach so einer Landpause von über 3 Monaten gibt`s doch einiges zu tun, um das Boot wieder seeklar zu machen. Die Tartaruga liegt im Moment noch an der Mole, was einiges erleichtert, morgen geht`s aber raus an den Ankerplatz.
Zusatz: Die Dusche im Marinagebäude wird garantiert mit Wasser aus der Antarktis gespeist, was das Duschen ziemlich beschleunigt 😉

So waren wir gestern auch zuerst mal einkaufen und haben den Proviant für die nächsten Tage aufgestockt. Geht halt leichter an der Mole, als alles mit dem Dingi zu fahren. Und gleich mal dazu: Supermärkte gibt`s hier genauso wie bei uns, nur dass man hier z.B. nur vormittags Alkohol bekommt und – der ist echt teuer. Gut, dass ich aus dem Flugzeug noch einen „Sundowner“ mitgebracht habe.
Hier gibt`s übrigens Straßen, die von betrunkenen Polizisten nicht befahren werden dürfen!?

Gestern noch begonnen und heute fertig gestellt haben wir das Anschlagen der Segel, inkl. Latten ersetzen und anpassen, Lazybags anbringen und Segel nähen.

Joachim hat ja schon jede Menge Achterlieks erneuert, und nachgenäht, ich hab`s aber trotzdem geschafft, beim Einschieben einer Segellatte im Groß, einen Riß rein zu setzen. Also: NÄHEN und zwar von Hand natürlich!

Erst ein Segeltuch rauf geklebt, dann die Stichstellen durchgelocht und schließlich vernäht (doppelte Naht – logo). Kleines Versprechen meinerseits: Wer sich als Segelnählerling erst verdienen muss, der hinterlässt garantiert seine DNA auf dem Segel. Autsch!
Am Ende hat`s aber gar nicht so schlecht ausgesehen:

Was noch? Wer mich glaubt zu kennen, wird sich wundern. Hier sind das Frühstück und das Abendessen von heute zu sehen und nein, Mittagessen gab`s keins; wir hatten ja zu tun.

Zum Frühstück Müsi mit Früchten und Yoghurt
Zum Abendessen Salat mit einmal alles Mögliche an Früchten und Gemüse

Also dann, Gute Nacht!

Angekommen

Die Überschrift verrät schon alles. Nach etwa 44 Std. Reisezeit bin ich auf der anderen Seite der Erde in der Marina von Noumea, und damit auf der Tartaruga und bei Joachim angekommen. Ortszeit etwa 1:00 Uhr morgens. (Die Zeitverschiebung beträgt hier aktuell 9,0 Std. nach vorne)

Lief alles unkompliziert und nach Plan:

06.08. 20:09 Uhr Garsten – Wien Flughafen mit dem Zug
Da gabs noch eine kleine Überraschung. Umtrunk mit den Leuten vom Stammtisch.

07.08. 04:00 Uhr Gepäck einchecken. Kleine Diskussion über die Gewichtsverteilung der Taschen mit der ansonsten sehr netten Dame, hat dann aber alles gepasst.

07.08. 05:45 Uhr Flug nach Rom mit Lauda Motion. Dort das Gepäck wieder abholen und neu einchecken. Diesmal ganz ohne Diskussion.

07.08. 15:15 Uhr Flug nach Tokio mit der Alitalia. 12,5 Std.
Dort angekommen werden die paar Transitpassagiere nach Neukaledonien direkt am Flugzeugausgang abgeholt, sehr schnell durch eine eigene Sicherheitsschleuse gebracht und direkt am Abfluggate eingecheckt. Kannst dich also nicht verlaufen oder zu spät kommen. Prima Service!
Am Gate treffe ich dann Marion und Holger. Die beiden haben ebenfalls ein Boot in Neukaledonien liegen und sind Bekannte von Joachim. Wir haben uns schon im Vorfeld verständigt, dass wir den gleichen Flug nach Noumea haben und uns hier am Abfluggate treffen. Wir plaudern ein bißchen, und ich wechsle noch schnell mein verknuddeltes Shirt, da werde ich auch schon ausgerufen. Am Gatedesk steht meine große Segeltasche und ich werde nach den Zylindern darin befragt (Kein  Vertrauen zu den Italienern? Die checken das hier noch etwas gründlicher!)
Es geht um die CO2-Patronen meiner Rettungsweste. DANKE an Hrn. Lechner von der Securitas Flughafensicherheit in Salzburg. Er hat mir den Tipp gegeben, den Auszug aus den internationalen Flugsicherheitsbestimmungen einzupacken, wonach automatische Rettungswesten und 2 Ersatzpatronen befördert werden dürfen. Damit ist die Frage rasch beantwortet, die Rettungsweste wieder eingepackt und es geht auch gleich ab in den Flieger.

08.08. 12:15 Uhr Abflug nach Noumea mit Aircalin. Nochmal 8,5 Std.
Ein sehr angenehmer Flug und wir landen pünktlich. Immigration, Gepäck (alles da!), Zoll und Bioinspektion (keine fremden Lebensmittel, Pflanzen oder Tierkontakt bis hin zu sauberen Schuhsohlen; hier wird nach allem gefragt). Holger und Marion haben schon im Vorfeld einen Platz im Sammel-Taxi organisiert (DANKE!); ein Kleinbus. Das wird vollgepackt bis oben hin und nacheinander die Leute verbracht. Ich bin der Vorletzte und steige so gegen 01:00 Uhr in der Marina aus. Joachim erwartet mich schon am Gate und 200m weiter die Tartaruga, die noch an der Mole liegt.

Wir trinken noch ein Bierchen, gwatschen noch ein wenig und dann gegen 02:00 Uhr: Zahnbürste und ab in die Koje. Ich hab geschlafen, wie ein Stein.

Die TARTARUGA 1

Die Tartaruga1 ist ein Hochseekreuzerkatamaran von Konstrukteur J.R. Mac Alpine – Downie,
Schöpfer der legendären Crossbow I und II.

LüA : 14,50 m
BüA : 5,95 m,
Tiefg. : 0,85 -2,00 m,
Verdrängung: 10,5 t,
Masthöhe : 14,50 m
Ketchtakelung
Motorisierung: 2x 38 PS 4 Zyl. Mercedes Benz

Mehr Infos über die Tartaruga 1 gibt`s auf http://www.tartaruga1.de

Intro

Mein Name ist Peter Maier und ich segle zusammen mit Joachim Reh auf der Tartaruga1 von Neukaledonien nach Kroatien. Die Reise beginnt für mich am 06. August 2019 (Abfahrt von zu Hause und Flug nach Noumea) und ist für 8 Monate veranschlagt.

Unser geplanter Weg führt uns von Noumea auf Neukaledonien nach Vanuatu, durch die Torres-Straße nach Timor-Leste, über die Indonesische Inselwelt (Lombok, Bali, Java, Kalimantan, Sumatra) nach Singapur, Malaysia und Thailand. Über den indischen Ozean mit Zwischenstopp in Sri Lanka ins Afrikanische Horn nach Dschibuti. Durch das rote Meer und den Suezkanal ins Mittelmeer und schließlich in die Adria an unser Ziel nach Tribunj in Kroatien. Das sind etwa 11.000 Seemeilen oder ungefähr 20.000 km.

In diesem Blog könnt ihr uns auf unserer Reise begleiten. Ich will versuchen, euch ein wenig daran teilhaben zu lassen.
Natürlich sind wir dabei nicht immer in der Nähe von Land und damit kann es manchmal ein paar Tage oder auch Wochen dauern, bis wir wieder an Internet kommen und ein neuer Beitrag eingestellt werden kann. Also nicht ungeduldig werden 😉
Viel Spaß beim Lesen!

Peter


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Und zu guter Letzt noch mein besonderer Dank an Christoph, für die tolle Unterstützung beim Einrichten des Blogs.