Auf dem Weg nach BALI

Der Weg nach Bali sind nur etwas mehr als 500 Meilen. Ein Klacks also im Vergleich zur vorhergehenden Strecke möchte man fast sagen und in nur 5 Tagen zu schaffen.

Wir fahren dabei erst durch die SUVASEE, die wohl nach der Insel SUVA (oder umgekehrt?) benannt ist. An der Insel mit dem endlos langen Sandstrand gibt es auch wieder eine tolle Riffbrandung zu beobachten.

Dann kommen wir in die FLORESSEE, und richtig, die Insel FLORES gibt es auch 😊. Die nächste Insel ist dann SUMBAWA und danach kommt schon die westliche Nachbarinsel von Bali, LOMBOK. Zwischen Bali und Lombok führt eine Schifffahrtsstraße von Nord nach Süd (China/Australien oder China/Südafrika). Da ist mit einigermaßen Schiffsverkehr zu rechnen. Zudem wirkt die Meerenge wie ein Trichter auf Ebbe und Flut und verursacht damit entsprechend große Strömungen.

Für die Berufsschifffahrt international schon lange verpflichtend, müssen in Indonesien auch Sportboote wie unseres, ein sogenanntes AIS-System an Bord haben. AIS steht für Automatc Identification System und ist ein Gerät, das ständig ein Signal mit Daten des Schiffes sendet, bzw. können andere Schiffe diese Daten empfangen und lesen.

Auf unserem elektronischen Kartenplotter sieht das dann so aus, dass ich zuerst mal ein graues Dreieck oder eben auch mehrere sehe, wenn ein (oder mehrere) AIS-Schiff(e) in der Nähe sind. Aus der Form und Lage des Dreieckes kann ich schon mal erkennen, wohin es in etwa fährt und zudem kann ich die Entfernung zu mir abschätzen. (Bild 1)

Wenn ich dann mit dem Cursor auf das jeweilige Schiff clicke, erhalte ich eine Erstinformation mit den wesentlichsten Grunddaten (Bild 2)
* Das Schiff fährt einen Kurs über Grund von 358° (also fast Nord)
* Es fährt 10,7kts schnell
(kts steht für „Knoten“ und bedeutet Seemeilen/Stunde; hier also knapp 20km/h)
* Und es wird meinen COG (Kurs über Grund) mit einem Abstand von 7,343nm in 13Minuten und 56 Sekunden kreuzen. Das ist ziemlich viel Platz; 13km Entfernung.

Nun kann ich zusätzlich noch detailliertere Informationen per Knopfdruck abrufen und erhalte außerdem noch Angaben wie Name und Rufnummer (um das Schiff auch anfunken zu können) Größe, Zielort und einiges mehr. (Bild 3)
In unserem Fall ist es die PAN MARGARET, die knapp 300m lang ist. Also nicht unbedingt auf Kollisionskurs gehen 😉.
Als ich den Namen lese, kommt mir mein Cousinchen „Margret“ in den Sinn. „Liebe Grüße aus Indonesien, liebe Gretl.“

Die Strömung hat uns auch schnell erfasst und zu Anfang haben wir Glück, sie schiebt uns mit zusätzlichen 3kts an (LOG=2,0 / COG=5,0kts). (Siehe auch blauer Pfeil im 4. Bild)
LOG ist die Geschwindigkeit der Logge. Ein kleines Wasserrad unter dem Schiff, dass uns anzeigt, wie schnell wir durchs Wasser fahren. Stellt euch vor, wir wären in einem Fluss und an einer Brücke festgemacht. Dann würde uns die Logge ständig die Geschwindigkeit des Wassers anzeigen, das unter dem Schiff durchfließt, also wie schnell wir durchs Wasser fahren. Wir würden uns aber mit 0,0kts über Grund (COG) bewegen, da wir ja fest gemacht sind.

Etwas später sieht das dann nicht mehr so gut aus.(Bild 5) Die Strömung hat sich gedreht, und ich muss das Schiff mit einem Kompasskurs von 353° steuern, um mit 296° nach Westen in die gewünschte Richtung abzudriften (-57°). Ich fahre also nahezu quer!

Aber auch das lässt nach und am nächsten Morgen erreichen wir die Südwestküste von BALI. Als wir uns nähern, fällt zuerst ein riesiger Turm am Hügel auf, der sich als eine Art Statue entpuppt.
Umso näher wir der Küste kommen, umso mehr verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass wir eine Filmscene zur Landung der alliierten Truppen in der Normandie miterleben dürfen. Unzählige Schiffe kreuzen vor der Küste und eine Menge Fallschirmjäger landen gerade.
Mit zunehmender Nähe lichtet sich die Szene. Es sind die Touristenboote, die mit Parasailern, Bananabooten, Reifen und sogar fliegenden Luftmatratzen unterwegs sind. Allerdings in einem Ausmaß, das ich so nicht kenne und das alles mitten in der Schifffahrtsstraße, wo Sport- wie Berufsschifffahrt ein- und ausfahren.

Wenige Minuten später erreichen wir die BALI MARINA und machen an einem Schwimmsteg fest.
Nun ja, groß ist die Marina nicht gerade und auch nicht unbedingt in einem Vorzeigezustand. Aber es gibt Wasser, Strom und Duschen. Strom allerdings nicht in Form von Steckdosen, sondern von offenen Leitungen in einem Kasten, an die je nach Bedarf Steckdosen frei fliegend angeklemmt werden. Und des Nachts gibt es dann noch ordentlich Rummel auf den benachbarten Touristenbooten, die zum Galadinner einladen.

Neben uns liegt eine „Tartan 34C“, die TEMUJIN, die von Eric und Kennon, 2 jungen Amerikanern, durch die Welt gesteuert wird. Im Vergleich zur TARTARUGA macht sie sich wie eine Nußschale aus und es drängt sich die Frage auf, wie sich ein doch sehr kleiner Monokiel wohl so in der Welle macht. Aber nachdem die beiden schon seit Jänner 2018 von den Staaten aus über Panama und den Pazifik unterwegs sind, dürfte das ganz gut klappen. Die beiden Jungs machen auch gerade ihr Schiff klar zum Auslaufen, denn morgen früh geht es weiter in Richtung Kap der guten Hoffnung nach Südafrika.
Wir kommen jedenfalls schnell ins Gespräch und verabreden uns für den Abend auf ein Bierchen im Cocpit der TEMUJIN. („Temujin“, so wird mir erklärt, ist der ursprüngliche Name des großen Mongolischen Herrschers Dschingis Khan.) Mehr dazu gibt´s auf www.hard-tack.com der Webseite der Temujin.

Sundown

Veröffentlicht von petermaiergarsten

Email: peter.maier.11@gmx.at

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